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Paulus Argumentation mit den Begriffen Schwachheit und Kraft in 2Kor 10 - 13
Drei Argumentationsmodelle und die Disposition des Tränenbriefs
A. Die erste Runde (10,1 - 12,10) 1. Die Schwachheit des Paulus wird zur Kraft (10,1-6) 2. Paulus ist bereits im Besitz von Kraft (10,7 - 11,15) 3. Die Schwachheit des Paulus ist Kraft (11,16 - 12,10) B. Die zweite Runde (12,11 - 13,10) 4. Paulus ist bereits im Besitz von Kraft (12,11f) 5. Die Schwachheit des Paulus wird zur Kraft (12,19 - 13,4) 6. Die Schwachheit des Paulus ist Kraft (13,5-10) 7. Die Schwachheit ist Kraft Das dritte pln Argumentationsmodell 10. A.Schlatter: Der gute Kampf des Glaubens L. Aejmelaeus geht davon aus, dass 2Kor 10 - 13 den in 2,4 genannten ’Tränenbrief’ bildet und dass 2Kor 1 - 9 (ohne 6,14 - 7,1) erst später als Versöhnungsbrief geschrieben wurde (19). Der Tränenbrief ist in Ephesus im Sommer 54 (?) geschrieben und Titus hat ihn nach Korinth gebracht. Kurz vor dem Schreiben hatte Paulus zum zweiten Mal (das erste Mal war der Gründungsbesuch) die Gemeinde in Korinth besucht. Das war ein kurzer und trauriger Zwischenbesuch. Paulus ist schlecht behandelt worden, und er hat sich nicht behaupten können. Die eigentliche Ursache des Konfliktes zwischen Paulus und der Gemeinde sind die neuen christlichen Apostel (die Gegner), die nach dem Schreiben des 1Kor in die Gemeinde gekommen sind. Diese Männer haben die Autorität des Paulus untergraben, so dass die Korinther ihren alten Apostel zu kritisieren begannen. Die Gegner waren schon in der Gemeinde, als Paulus während des Zwischenbesuchs an seinen Gemeindegliedern scheiterte (36). Drei Argumentationsmodelle und die Disposition des Tränenbriefs Paulus versucht zu bewirken, dass die Korinther ihre falschen Auffassungen von echter christlicher Kraft und Schwachheit verändern. Außerdem versucht er, sich so effektiv wie möglich gegen die gegen ihn gerichtete Kritik zu verteidigen. Nebenbei ist eine heftige Polemik gegen die neuen Eindringlinge zu bemerken (395). a. Die Argumentation mit der zukünftigen Kraftdemonstration Wenn Paulus das nächste Mal in die Gemeinde kommt, sollen die Korinther einen sicheren Beweis seiner Kraft bekommen. Das wird alle Diskussion über seine vermeintliche Schwachheit beenden (395f). b. Die Argumentation mit den schon vorhandenen Beweisen von Kraft Die Existenz der Kraft wird darin sichtbar, dass Menschen gläubig werden, Gemeinden entstehen und die Herrschaft des Christus sich weiter verbreitet. c. Die Schwachheit ist Kraft Paulus gibt zu, dass er aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet so schwach gewesen sei, wie man ihn in der Gemeinde bewertet habe. Diese Schwachheit müsse jedoch ihrer Natur nach für positiv gehalten werden, denn dadurch sei die Gemeinde gesegnet und geistlich bereichert worden. Mit Hilfe dieser Schwachheit sei die positive Kraft Gottes imstande gewesen, unter den Menschen effektiv zu wirken (396). Die Disposition des Tränenbriefs unter dem Gesichtspunkt dieser drei Argumentationsmodelle stellt sich so dar, dass Paulus in zwei aufeinander folgenden Runden die dreifache Argumentation zum Vorschein bringt. Anfang des Briefes (nicht mehr vorhanden) A. Die erste Runde (10,1 - 12,10) a. 10,1-6: Die Argumentation mit der zukünftigen Kraftdemonstration b. 10,7 - 11,15: Die Argumentation mit den schon vorhandenen Beweisen von Kraft c. 11,16 - 12,10: Die Schwachheit ist Kraft B. Die zweite Runde (12,11 - 13,10) b’. 12,11-18: Die Argumentation mit den schon vorhandenen Beweisen von Kraft a’. 12,19 - 13,4: Die Argumentation mit der zukünftigen Kraftdemonstration c’. 13,5-10: Die Schwachheit ist Kraft Ende des Briefes (13,11-13) (396f) A. Die erste Runde (10,1 - 12,10) 1. Die Schwachheit des Paulus wird zur Kraft (10,1-6) Die neuen Apostel behaupten, dass Paulus ’nach dem Fleische wandelt’, dass er von seinem Wesen her „fleischlich“ sei, dass er nicht wirklich Gott gehöre. Darum kann er nach ihrer Auffassung auch kein echter Apostel sein. Das Agieren der neuen Apostel gegen Paulus hat zur Folge gehabt, dass die Gemeindeglieder ihren Apostel zu kritisieren begannen. Der in der Gemeinde anwesende Paulus war nach der Meinung der Korinther „schwach“, “unterwürfig“, der abwesende Brief-Paulus dagegen mutig (10,1). Zur indirekten Verteidigung des Paulus gehört die Art und Weise, wie er auf die „Sanftmut und Milde Christi“ hinweist. Dadurch zeigt er, dass seine getadelte ’Unterwürfigkeit’ näher betrachtet nichts anderes als Nachfolge des Lebenswandels des demütigen Christus ist. Was die Anschuldigung der ’Fleischlichkeit’ betrifft, weist Paulus durch die Wendung „im Fleisch, aber nicht nach dem Fleisch“ (10,3) darauf hin, dass die Gegner eine falsche Auffassung von der zeitlichen Existenz der Christen haben. Paulus will die Gemeinde warnen, ihn durch ihr Verhalten zum Kampf herauszufordern. Wenn die Korinther das, was Paulus hier sagt, richtig verstehen, werden sie ihre Einstellung so ändern, dass Paulus nicht ’mutig’ gegen sie aufzutreten braucht. Auch Paulus kann stark sein, aber das würde ihnen nichts Gutes bringen. Er verspricht mit höchst wirksamer göttlicher Kraft in die Gemeinde zu kommen. Wenn er den ’heiligen Krieg’ einmal begonnen hat, wird er ihn auch konsequent bis zur Bestrafung der Besiegten führen. Ob er wie ein strenger Krieger in die Gemeinde kommt, hängt von den Gemeindegliedern selbst ab. Gegen die in die Gemeinde eingedrungenen neuen Apostel wird Paulus in jedem Fall kämpfen und sie aus der Gemeinde vertreiben (76f). 2. Paulus ist bereits im Besitz von Kraft (10,7 - 11,15) a. Kraft zum Aufbauen, nicht zum Zerstören (10,7-11) Nach der gegen Paulus vorgebrachten Kritik (10,10) herrscht zwischen der Selbstdarstellung des Brief-Paulus und dem anwesenden Paulus in den Augen der Gemeindeglieder eine große Diskrepanz. Paulus betont, dass er eine von Gott erhaltene „Vollmacht“ (10,8) besitze. Diese ist ihm zum „Aufbauen“ der Gemeinde, nicht zum „Zerstören“ verliehen worden. Mit einer krafterfüllten Demonstration seiner geistlichen Autorität wäre Paulus gezwungen gewesen, die auf verschiedene Weise Widerspenstigen zu bestrafen und sie aus der Gemeinschaft auszuschließen. Äußerliche Schwäche war darum für den anwesenden Paulus die einzige Alternative, wenn er den die Gemeinden ’aufbauenden’ Charakter seiner ’Vollmacht’ beibehalten wollte. Prinzipiell hätte Paulus durchaus Gelegenheit gehabt, die in seiner ’Vollmacht’ enthaltene Macht auch zu kraftvollem Auftreten zu gebrauchen, aber er hat bewusst darauf verzichtet. Dass der behauptete Widerspruch zwischen dem Brief-Paulus und dem anwesenden Paulus (10, 11) nicht besteht, machen die Ergebnisse seines Wirkens deutlich (99f).
b. Paulus besitzt
Kräftigkeit muss nach Paulus nicht am Auftreten, sondern an den Ergebnissen des Wirkens gemessen werden. In Anbetracht der Ergebnisse aber wird Gott selbst zum Fürsprecher für Paulus (10,1.18). Gott selbst hat nämlich Paulus die „Beauftragung“ erteilt, zu welcher auch die Gründung der Gemeinde von Korinth gehört hat (10,13-16). Entstehung und Vorhandensein der Gemeinde zeugen von der geistlichen Kraft des Paulus. Die Gegner gründen ihre Autorität nur auf subjektive Dinge (10,12). Sie rühmen sich über ihre realen Möglichkeiten hinaus (10,13). Sie geben mit den Früchten anderer an (10,15f). Sie haben in Bezug auf die Gemeinde von Korinth keine von Gott gegebene Beauftragung, sondern sie sind ihre eigenen Bevollmächtigten (114f).
c. Der „ungelehrte“
Übertreibend behauptet Paulus von sich selbst, dass er „Laie in der Rede“ sei. Gleichzeitig ist er jedoch, was den Inhalt angeht, Besitzer der tiefsinnigen, die göttliche Rettung bringenden „Kenntnis“. Die für Paulus unvorteilhafte Konstellation in der Frage der Redekunst wird in 11,5f total verkehrt. Er vertritt die rettende „Kenntnis“, die auch von den Korinthern hochgeschätzt wird. Die Gegner gleichen als Typen eher den Sophisten, die mit der leeren Rhetorik Menschen nur zu verblüffen und zu betrügen versuchen (128).
d. Der Verzicht des Paulus
Paulus benutzt das Thema der finanziellen Unterstützung als Angriffswaffe gegen die „Überapostel“, die von der Gemeinde Unterhalt empfangen haben. In seiner scheinbaren Verteidigung ist es nützlich für Paulus, seine Uneigennützigkeit zu betonen. Das 'Sich-Erniedrigen’ des Paulus (11,7) ist seiner Natur nach etwas gewesen, was der Gemeinde nur Vorteile brachte. Dadurch ist die Gemeinde nämlich in den Besitz des Evangeliums und der ewigen Rettung gelangt. Paulus weiß, dass er eine Sonderstellung in der korinthischen Gemeinde hat. Die Beziehung zwischen Paulus und den Korinthern ist wie die Beziehung zwischen einem Vater und seinen Kindern. Ein Lohndenken hat in ihr keinen Platz. Das ’Sich-Erniedrigen’, insofern es eine uneigennützige und aufopfernde Tätigkeit für die Gemeinde bedeutet, gehört also zu einem Verhalten, das wirkungsvoll dem Evangelium Christi dient. Die Unterwürfigkeit, die Schwachheit, deren er beschuldigt worden ist, ist im Grunde genommen Kraft. Die Gegner werden zweifach besiegt: Erstens fallen sie der Gemeinde zur Last und haben keine Vater-Kind-Beziehung zur Gemeinde. Zweitens stehen sie unter dem Verdacht der betrügerischen Geldgier und religiösen Heuchelei (180f). 3. Die Schwachheit des Paulus ist Kraft (11,16 - 12,10) a. Der uneigennützige Diener der Gemeinde (11,16-21a) Die positive Schwachheit des Paulus bedeutet seine Uneigennützigkeit und Feinfühligkeit gegenüber der Gemeinde. Er hat die Gemeinde nicht durch finanzielle Forderungen oder arrogantes Benehmen belästigt wie die Gegner (193).
b. Die Strapazen als Merkmal
Paulus vergleicht sich als „Diener Christi“ mit seinen Gegnern. Er will dadurch den Nachweis erbringen, dass er ein besserer „Diener Christi“ ist als die „Überapostel“. Für Paulus ist Christus vor allem „ein sich selbst entäußerter und erniedrigter“ Christus (Phil 2,7f), ein Gottessohn, der freiwillig arm und schwach geworden war (2Kor 8,9). Der echte „Diener Christi“ muss in seinem Wesen Ähnlichkeit mit einem solchen Christus zeigen. Die Schwachheit, deretwegen Paulus sich rühmt (11,30), ist eine zusammenfassende Bezeichnung für die Bedrängnisse, Mühen und Leiden, denen Paulus sich in der Nachfolge Christi zum Besten der Gläubigen aussetzt. Diese Schwachheit bedeutet auch die empathische und mitleidende Einstellung des Paulus, sein Vater-Kind-Verhältnis zu allen Gemeindegliedern (225f).
c. Ein sich mit den Grenzen
— Die Krankheit des Paulus (12,7) „Damit ich mich nicht überhebe, wurde mir deswegen [wegen des Übermaßes der Offenbarung] ein Dorn ins Fleisch gegeben, ein Engel Satans, damit er mich schlage, damit ich mich nicht überhebe“. Gal 4,13: „Ihr wisst doch, dass ich euch in Schwachheit des Leibes das Evangelium gepredigt habe beim ersten Mal. (14) Und obwohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Christus Jesus“. Gal 6,17: „Hinfort mache mir niemand weiter Mühe, denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leibe“. Die Krankheit des Paulus ist ihrer Natur nach eine andauernde Beschwerde. In 12,8 bittet Paulus, dass die Krankheit von ihm ablassen, nicht dass sie nicht wiederkommen solle. Paulus hat die Krankheit in seinem Körper immer gefühlt, obwohl sie sich nur dann und wann auf eine aggressive Weise durch Schmerzen und andere Beschwerden bemerkbar gemacht hat. Die Krankheit ist qualvoll gewesen, darauf weisen die Bilder „Pfahl“ und „mit Fäusten schlagen“ hin. Die pln Krankheit ist den Gemeinden bekannt (Gal 4,14). Nach den damaligen Auffassungen hätten die Menschen die pln Krankheit als eine dämonische Angelegenheit verstehen können, wie der Hinweis auf die Möglichkeit des Ausspuckens als apotropäische (Dämonen abweisende) Geste oder als Zeichen der Verachtung erkennen lassen (Gal 4,14). Als kranker Mann hat Paulus Enormes geleistet. Alle Erfolge, deren sich Paulus ’rühmen’ kann, sind nicht die mühelose Leistung einer ungebrochenen Kraftnatur, sondern sind einem gequälten Leib mühselig abgetrotzt (268f). — Der Zweck der Erwähnung der Krankheit Paulus bringt mit Absicht auch diesen Teil der Schwachheit zum Vorschein, weil er mit dieser Schwachheit ein Herrenwort verknüpfen kann. In diesem Wort wird die Krankheit des Paulus eindeutig positiv bewertet (12,8f). Es geht hier um die pln Erklärung, warum es für ihn unmöglich ist, sich selbst zu überheben. Dies muss erklärt werden, weil die Gegner sich eifrig überhoben haben und man auch von Paulus etwas Ähnliches erwartet hat. Darum muss er den Grund für seine Einstellung, also die Krankheit, sein Gebet und die Antwort des Herrn ans Licht bringen (271). Paulus will nur aufgrund dessen, „was man an ihm sieht oder von ihm hört“ bewertet werden. Paulus will inmitten seiner Gemeindeglieder nur ein in ’Schwachheit’ lebender Mensch sein. Die Krankheit hat den Apostel fest auf der Erde gehalten. Das positive Ziel der Krankheit wurde Paulus erst dann deutlich, als ihm klar wurde, dass sie von Gott stammte, und nicht ein Angriff des Satans gegen ihn und seine Arbeit war (Jakobs ’Lähmung’ Gen 32,26) (272). Im Leben der Gegner hatte es nichts gegeben, was ihr Verhalten auf diese Weise reguliert und sie davon abgehalten hätte, „sich zu überheben“. Die ekstatischen Erlebnisse können zu einem so törichten Verhalten verführen, wenn Gott nicht einen hütenden „Stachel“ sendet. Der „Stachel“ hält den Empfänger der großen Erlebnisse auf dem richtigen schmalen Weg, so dass er als Mensch unter anderen Menschen lebt und der von Gott ihm gegebenen Berufung folgt (275). Zusammenfassung Die passive Gewöhnlichkeit ist die Ebene, auf der die aktive Schwachheit, d.h. die Hingebung an Mühen und Leiden für andere Menschen im Auftrag des Christus, sich verwirklichen kann. Erst unter dieser Voraussetzung kann die Segen bringende Kraft Gottes in einem Menschen wirksam werden. Die Existenz der Kraft kommt in den Ergebnissen der pln Wirksamkeit, in den Ergebnissen seiner Verkündigung, Seelsorge, Hingabe an Mühen und Leiden zum Vorschein. Sie wird darin sichtbar, dass Menschen gläubig werden, Gemeinden entstehen und die Herrschaft des Christus sich weiter verbreitet (320). Auch Christus war in diese Welt hinabgestiegen, ein Mensch unter Menschen, „arm“ geworden (Phil 2,6ff; 2Kor 8,9). Das entspricht der passiven Bedeutung des pln Begriffs ’Schwachheit’. Die Erniedrigung des Christus hatte noch nicht als solche die Rettung der Menschen zur Folge, sondern erst seine Wirksamkeit auf der Ebene dieser freiwilligen Schwachheit, d.h. seine Hingabe an Leiden und Sterben. Dieses entspricht dem aktiven Sinn des Begriffs ’Schwachheit’ bei Paulus. Die passive Schwachheit zeigt sich in der menschlichen Kraftlosigkeit und Vergänglichkeit. Die aktive Schwachheit zeigt sich in den Mühen, Leiden und Strapazen, die Paulus auf sich nimmt. Es geht hier nicht nur um ein besseres Sichtbarwerden der Kraft, sondern um einen realen Zuwachs der göttlichen Kraft (321). B. Die zweite Runde (12,11 - 13,10) 4. Paulus ist bereits im Besitz von Kraft (12,11f) Die Korinther hätten Paulus empfehlen müssen, denn er ist in nichts schlechter als seine Gegner gewesen, obwohl er gleichzeitig „nichts“ ist. Der Satz „ich bin nichts“ weist auf die menschliche Nichtigkeit des Paulus hin, d.h. auf dieselbe Sache wie der passive Schwachheitsbegriff in 11,23 - 12,10. Indem er auf diese Weise von sich selbst schreibt, weist er gleichzeitig auf die Grundlosigkeit der hohen Selbstbewertung der Gegner hin (340). Gott hat in der Gemeinde durch Paulus Wunder getan. Seine Wundertaten haben die Gemeinde ’erbaut’. Es hat in Paulus Tätigkeit Krafttaten gegeben, aber zur Begründung seines Apostolats verweist er auf sie nur zwangsläufig. Die Zeichen sollen nur erweisen, dass er nicht schlechter als die „Überapostel“ ist. Paulus vollbrachte die „Zeichen des Apostels“ „in aller Geduld“. D.h. dies geschah, als er nicht nur im Zustand der ’passiven Schwachheit’ war, sondern auch unter Leiden und Prüfungen litt, also auch im Zustand der ’aktiven Schwachheit’ war. Trotz der Wundertaten ist Paulus „nichts“. Die Krafttaten sind nur gleichsam durch ihn geschehen, sind also in Wirklichkeit Gottes Taten gewesen. Auch als sie geschahen, ist Paulus selbst nur ein leidender Diener Christi gewesen „in aller Geduld“ (341). 5. Die Schwachheit des Paulus wird zur Kraft (12,19 - 13,4) a. Der traurige Züchtiger (12,19-21) Wenn der schlechte Zustand der Gemeinde sich nicht bessert, muss Paulus als strenger Strafvollzieher in Korinth auftreten. Die Liebe des Apostels zu den Gemeindegliedern und seine Abneigung gegen das strenge Auftreten lindern die Härte der pln Drohungen. Er sagt, dass er die, die er zu bestrafen hat, betrauern wird. Die Strafe bedeutet wahrscheinlich Exkommunikation. Wenn Paulus bestrafen muss, ist er gleichzeitig auch gedemütigt und traurig. Die Verantwortung für die Gemeinde, die Paulus trägt, und die schicksalhafte und empathische Verbindung mit der Gemeinde haben zur Folge, dass Paulus auch sich selbst bestraft, wenn er die Gemeinde züchtigt. Er fürchtet sich davor, dass er streng und hart, also kraftvoll bei seiner Ankunft in der Gemeinde werde sein müssen. Der strenge Strafvollzieher und kraftvolle Apostel wird gleichzeitig auch ein von Gott gedemütigter und seine Glaubensbrüder betrauernder Mann sein (352f).
b. Der Besitzer
13,3f paraphrasiert lautet: „Ich werde gegen euch sehr streng und in diesem Sinn kraftvoll sein, weil ihr, die ihr euch selbst wegen eurer pneumatischen Erlebnisse für kraftvoll und mich für schwach haltet, einen Beweis von der in mir vorhandenen Kraft des Christus verlangt. Christus war schwach, aber jetzt ist er kraftvoll. Ich bin schwach, aber ich werde euch das mit Gottes Kraft erfüllte Leben mit Christus zeigen“. Derselbe Paulus, der einerseits so schwach ist, dass man sich vor ihm nicht geniert, von ihm einen Beweis von dem in ihm redenden Christus zu verlangen, ist andererseits dazu fähig, der Gemeinde mit einer machtvollen Kraftdemonstration zu drohen. Paulus Kraftdemonstration wird nicht in ekstatischem Reden zum Vorschein kommen, sondern in der Demonstration der Kraft des eschatologischen Richters, der über die Kraft verfügt, die eigentlich erst in die Enderfüllung gehört. Diese Demonstration ist gegen die Gemeinde gerichtet und ist wenig angenehm. Wie der spätere Versöhnungsbrief (2Kor 1 - 9) beweist, brauchte Paulus keine Kraftdemonstration zu geben. Die Korinther hatten schon vor seiner Ankunft seine Autorität wieder akzeptiert (376f). 6. Die Schwachheit des Paulus ist Kraft (13,5-10) Am Ende des Briefes spricht Paulus seinen Wunsch aus, nicht als strenger Richter in die Gemeinde kommen zu müssen. Der Wunsch kann sich nur dann erfüllen, wenn die Gemeinde ihr Leben und Benehmen verändert. Die Korinther müssen sich wieder nach dem echten christlichen Glauben, den Paulus in die Gemeinde gebracht hat, orientieren. Dann braucht Paulus sein eigenes Verhalten nicht zu verändern, sondern er kann derselbe „schwache“ Apostel bleiben, der er schon immer war. In 13,5-10 bedeutet die pln ’Schwachheit’ das Verzichten auf die von der Gemeinde verlangte Demonstration der ’Kraft’ (13,3). Die Kraftdemonstration hätte nur strenge Bestrafung der Gemeinde bedeutet. Die positive ’Kraft’ der Gemeinde bedeutet das richtige christliche Leben. Es wird von Paulus durch den Ausdruck „Tun des Guten“ ausgedrückt (388f). Die Briefe sind „schwer und stark“ geschrieben worden, damit Paulus, wenn er persönlich anwesend ist, nicht ’kraftvoll’, d.h. streng gegen die Gemeinde zu sein braucht. Als ’schwacher’ Apostel wird er der Gemeinde zum Segen (389).
7. Die Schwachheit ist Kraft
Paulus verknüpft seine eigene Unterwürfigkeit mit der Segen bringenden „Sanftmut und Freundlichkeit“ des Christus (10,1). Dieselbe positive Schwachheit kommt auch in 13,4 zum Vorschein, wenn Paulus seine eigene Schwachheit mit der rettenden Schwachheit des Christus am Kreuz vergleicht. Paulus verwandelt den gegen ihn kritisch benutzten Begriff „Schwachheit“ aus dem Negativen zum Positiven. Er hat, wie Christus, gerade in seiner Schwachheit eine wichtige geistliche Leistung zum Besten seiner Gemeindeglieder vollbracht (400f). Paulus bekennt, dass er „schwach“ gewesen sei (11,21). Das soll für positiv gehalten werden, weil es im Gegensatz zur wirtschaftlichen und geistigen Plünderung der Gemeinde durch die neuen Apostel steht. Die pln Bescheidenheit ist Mangel an Arroganz und wirtschaftlich-geistiger Belästigung der Gemeinde. Die positive Schwachheit des Paulus bedeutet (11,16-21a) seinen freiwilligen Verzicht auf die ihm zustehenden Privilegien (401). Die umfangreichste Darlegung der positiven Schwachheit des Paulus findet sich in 11,21b–12,10. Hier wird die Schwachheit zuerst als die pln Geisteshaltung definiert, in der er sich in der Nachfolge Christi vielen Bedrängnissen, Mühen und Leiden für das ewige Wohl der Gemeindeglieder hingibt (11,23-30). Daneben bedeutet diese „Schwachheit“ die empathische und mitleidende Einstellung des Paulus, sein Vater-Kind-Verhältnis zu allen Gemeindegliedern (11,29). Wegen dieser „Schwachheit“ ist Paulus ein ausgezeichneter „Diener Christi“, ein Diener, der in den Fußspuren seines Herrn wandelt. Nur die so verstandenen „Schwachheiten“ sind Grund zum Rühmen (11,30). Paulus definiert den Inhalt der echten und selbstlosen Nachfolge Christi mit dem Terminus neu, mit dem er negativ kritisiert worden ist. Wenn die Korinther den schwachen Paulus nur richtig sehen, können sie nicht anders als seine Schwachheit loben (401f). Paulus ist als „schwacher“, d.h. als ein mitten in den Schwierigkeiten dieser Welt lebender Apostel zur Arbeit des Herrn berufen worden. Erst durch seine Erlebnisse mit „dem Engel Satans“, den Gott ihm in Form einer qualvollen Krankheit geschickt hatte, und durch eine göttliche Gebetsantwort wurde ihm klar, was die echte Berufung eines Apostels Christi ist. Er sollte seine Arbeit in der Begrenztheit eines normalen sterblichen Menschen tun. Man durfte „nicht mehr von ihm halten, als was man an ihm sah oder von ihm hörte“ (12,6). Paulus war „schwach“ gewesen, wie man ihn beschuldigt hatte, aber ebenso war er auch der göttlichen Berufung treu gewesen und so hatte Gottes Kraft durch ihn sehr viel geleistet: Viele Gemeinden waren entstanden, viele Menschen hatten den Weg zum Glauben gefunden. Die Rettung bedeutet nicht, dass ein Mensch sich auf eine übermenschliche Ebene erhebt, sondern dass Gottes Gnade in den gewöhnlichen Alltag des Menschen, in seine Strapazen und Leiden, herabsteigt (402). In der pln Schwachheitstheologie ist es wichtig zu sehen, dass die positive christliche Schwachheit zwei Seiten hat; eine aktive und eine passive. Das bedeutet, dass die echte Schwachheit nicht nur das Gegenteil des Sich-Erhebens (die passive Schwachheit) bedeutet, sondern dass zu ihr auch das Sich-Hingeben an die Strapazen und Leiden im Dienst an anderen (die aktive Schwachheit) gehört (402f). Paulus betont, dass die pneumatische Kraft ihrer Natur nach fremde Kraft ist. Weil sie Gottes Kraft ist, nimmt sie in einem Menschen Wohnung nur wann und wie sie selbst will (4,7; 12,9). Sie kann große Wunder zutage bringen (12,12), aber gewöhnlich erscheint sie gleichsam verhüllt, so dass die Gegenwart des Geistes nur an den Früchten zu erkennen ist. Die echte Geistlichkeit zeigt sich vor allem in der Verkündigung und in der ganzen Lebenseinstellung eines Christen, der sein Leben dem Dienst am Herrn und am Nächsten gewidmet hat und der alles mit Geduld unter ganz normalen menschlichen Umständen tut (403f). Weil Paulus als „schwacher“ Apostel kritisiert worden ist und weil seine Gegner die äußeren Erscheinungsformen der geistlichen Kraft betont haben, malt er selbst von der christlichen Existenz ein ganz anderes Bild, in dem das indirekte Wirken des Geistes stärker betont wird. Schwachheit und Kraft schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern die echte Kraft setzt die echte Schwachheit voraus, und so verwirklichen sich die göttlichen Absichten in dieser Welt durch Menschen, die nicht mehr sein können als eben Menschen in ihrer echten neuen Menschlichkeit im Glauben an Christus (404f). 10. A. Schlatter: Der gute Kampf des Glaubens Paulus Anweisungen an die Gemeinde Paulus Äußerungen in den Briefen an Timotheus und Titus zeigen, dass er auf die Haltung der von ihm gesammelten Gemeinden mit Sorge sah, und dies deshalb, weil ihnen die Zusammenfassung seines ganzen religiösen Wollens in den auf Christus gerichteten Glauben fremd blieb und zum Aufbau der Kirche unbrauchbar schien. Für Paulus war die Befriedigung im Erreichten unmöglich, weil er der Glaubende war und deshalb das suchte, was der Christus ist und wirkt, dessen Werk in den gegenwärtigen Zuständen der Kirche sein Ziel noch nicht erreicht hat. Bis er seine Arbeit vollständig getan hat, nimmt er die Haltung des Wettläufers an, den der Blick auf das Kleinod zur Anspannung aller seiner Kräfte treibt. Diesen vorwärtsstrebenden Willen hat die neben ihm stehende Christenheit nicht; denn das über allem Irdischen stehende Ziel, nach dem Paulus strebt, lockt sie nicht (405). In den Briefen an Timotheus und Titus wird die Vereinsamung, in die Paulus die ihn völlig beherrschende Kraft seines Glaubens gebracht hat, sichtbar. Das Glauben ist in diesen Briefen der den gesamten Christenstand und alle seine Ergebnisse tragende Vorgang. “Ich habe das Glauben bewahrt” (2Tim 4,7); so formuliert Paulus den Ertrag seiner gesamten Apostelarbeit für sich selbst. Darin, dass er am Schluss seines Lebens zu glauben vermag, erweist sich, dass er den Kampf gekämpft, den Lauf vollendet hat. Damit ist ihm der “Kranz der Gerechtigkeit” gesichert (2Tim 4,8). Christus berief ihn aus seiner Versündigung heraus ins Apostelamt und verlieh ihm dadurch das Glauben und Lieben (1Tim 1,12ff). An seiner Lebensgeschichte sieht die Gemeinde die ganze Geduld Jesu, mit der er die Glaubenden zum ewigen Leben führt (1Tim 1,16). Sein Anteil am göttlichen Heilswerk beruht darauf, dass er Lehrer der Völker “im Glauben und in der Wahrheit” ist (1Tim 2,7) (406). Weil Timotheus und Titus seine “Söhne durch den Glauben” sind, haben sie an seinem Apostelwerk teil (1Tim 1,2; Tit 1,4). Der Beruf des Timotheus lässt sich in das eine Wort zusammenfassen, dass er “den edlen Kampf des Glaubens zu kämpfen” habe (1Tim 6,12). Indem er der Gemeinde sichtbar macht, was Glaube ist und wie ein Glaubender handelt, hat er seinen Beruf in ihrer Mitte erfüllt und für sich selbst das ewige Leben gewonnen, genauso wie Paulus dadurch sein Leben zu seinem heilsamen Ziel gebracht hat, dass er “das Glauben bewahrte”. Darum wird auch für die übrigen an der Leitung der Gemeinde beteiligten Männer einzig das Glauben als derjenige religiöse Besitz genannt, der sie zu ihrer Wirksamkeit befähigt. Wichtig allein ist, dass sie “das Geheimnis des Glaubens mit reinem Gewissen bewahren” (1Tim 3,9). Alle christliche Arbeit, die in der Gemeinde zu geschehen hat, fasst sich in dem Begriff “Haushalteramt für Gott” zusammen und hat den heilsamen Gebrauch der der Gemeinde verliehenen Gaben zum Zweck. Im Glauben hat aller Gemeindedienst seinen Grund (1Tim 1,4) (407). Der Neigung, den Wert des Evangeliums in religiöser Erkenntnis und theologischen Spekulationen zu suchen wird entgegengehalten, dass sie das Glauben zerstöre (1Tim 1,19; 6,21; 2Tim 3,8). Den Gegnern wird vorgehalten, ihnen fehle jene Ergriffenheit durch den Christus, die sie Gottes und seiner Gnade gewiss machte und sie in die Verbundenheit mit ihm versetzte. Ihnen fehle nicht nur die “Wahrheit”, sondern auch die Glaubenswilligkeit und Glaubenskraft. Paulus betont, dass das vom Glauben abgeschiedene Denken zum Unverstand entartet, ins leere Gerede zerfließt und der “Mythenbildung” erliegt (1Tim 1,4.7; 4,7; 6,4.20; 2Tim 2,16; 3,7ff; Tit 3,9). Glauben und Denken sind zu einträchtigem Verband nebeneinandergestellt, sie sollen durch wechselseitige Unter- und Überordnung einander dienen. So wenig im Römerbrief aus der Abwehr des Gesetzes eine Verherrlichung der Gesetzlosigkeit ward, so wenig entsteht hier aus der Abwehr der Gnosis eine Verherrlichung der Ignoranz. Das religiöse Geschwätz zerstört mit dem Glauben auch die Fähigkeit und Willigkeit zum guten Werk und gibt das gute Gewissen preis (1Tim 1,6.19; 6,5; Tit 3,11) (409f). Der Gemeinde werden nachdrücklich die natürlichen Lebensbeziehungen als das Gebiet angewiesen, in dem sie sich zu betätigen hat (1Tim 3). Diese Leistungen haben den Wert einer absolut gültigen Pflicht und sind daher die Bedingung und das Mittel zum Empfang des Heils. Dem, der für die Seinen nicht sorgt, wird gesagt, er habe das Glauben abgeleugnet und sei schlimmer als ein Heide (1Tim 5,8). Die natürlichen Beziehungen sind der Ort, an dem die Liebe der Glaubenden ihre reine, wohltätige Arbeit tut. Die natürlichen Aufgaben sind in der vollen Würde und Wichtigkeit eines von Gott uns gegebenen Berufs auszuführen. Diesen natürlichen Beziehungen wird die christliche Gemeinschaft mit den für sie nötigen dienstlichen Verrichtungen hinzugefügt als der Bereich, in dem das dem Herrn wohlgefällige und bei ihm Lohn findende Werk zu geschehen hat. Wer seinen Dienst in der Gemeinde wohl versieht, erwirbt sich hohe Anerkennung und einen offenen Zugang im Glauben an Jesus Christus (1Tim 3,13) wie der, der seinen Reichtum richtig gebraucht, sich einen guten Grund für die Zukunft erwirbt (1Tim 6,19). Die Anweisung über die Amtsführung ist nicht abgesondert neben die Heilsfrage gestellt, sondern schließt diese mit ein, so dass die Fürsorge für die Gemeindearbeit mit derjenigen für den eigenen Heils- und Glaubensstand zusammenfällt. Durch ein und dasselbe Verhalten erreicht Timotheus beides, dass er sich selbst und dass er die, die ihn hören, errettet (1Tim 4,16) (410-3). Mit dem Nachweis, dass die Erfüllung der ‘Berufspflicht’ ein unentbehrliches Glied des Christenstandes sei, verbindet sich die nachdrückliche Erklärung, dass unsere Werke niemals den die göttliche Gnade bestimmenden Grund bilden, wohl aber das Ziel, zu dem sie führt (2Tim 1,9; Tit 3,5). Das Glauben wird als das erste Glied in die Kette der guten, von Gott uns verliehenen Tätigkeiten eingereiht. “Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Lieben, Standhaftigkeit, Sanftmut” werden nebeneinander gestellt (1Tim 6,11) und namentlich das Lieben nachdrücklich dem Glauben beigesellt, weil erst durch das Zusammenbestehen beider Bewegungen des Willens die göttliche Gabe und das Ziel des Evangeliums vollständig beschrieben ist (1Tim 1,14; 2Tim 1,13). Die Mahnung: “habe Glauben” erweitert sich: “und ein gutes Gewissen”, weil nur so das Glauben in uns bleibt (1Tim 1,19). Es wird als Gottes Gabe in den sündigen Menschen hineingelegt (1Tim 1,14) und weil es ursächlich durch Christus bedingt ist, nur im Lebensverband mit ihm erhalten. Mit dem Glauben muss sich das reine Herz und gute Gewissen verbinden, damit die Liebe in uns entsteht und das göttliche Gebot durch uns geschehen kann (1Tim 1,5). Auch Paulus und seine Mitarbeiter erhalten sich ihren Glaubensstand nur durch die reine, treue Ausführung ihres Werkes. Ihr Glaube ist das Gut, um dessen Gewinn sie ringen, das Ziel, auf das sie immer von neuem ihr gesammeltes Streben wenden. Ohne Rücksicht auf “das, was dahinten liegt” (die größten Erfolgen der Heidenmission) wird Timotheus und Titus die neue Aufgabe mit dem tiefen Ernst einer Lebensfrage an sie herangebracht, deren Lösung ihnen mit der bewährten Treue gleichzeitig den Fortbestand ihres Glaubens bringen wird. Paulus hat stets in der hingebenden, aufopfernden Durchführung seiner Apostelarbeit die Bedingung gesehen, an der für ihn der Anteil am Evangelium und am Reich des Christus hing (1Kor 9,23f) (413-6). Die Pastoralbriefe beweisen, indem sie das Verhältnis neuer Theorien und Religiositäten zum Glauben als den über ihre Kirchlichkeit entscheidenden Maßstab benutzen, dass Paulus der Gemeinde ihr Fundament im Glauben gab. Wohl äußert sich sowohl in dieser Betonung des Glaubens, als in der ernsten Verweisung auf das Werk die Überzeugung, die Werdezeit der Gemeinde sei abgeschlossen. Es sei jetzt die Aufgabe der Christenheit, das durch die Geschichte und Lehre der früheren Jahre Erworbene zu bewahren und bei sich fruchtbar zu machen, so dass das Glauben auf den Christus gestellt und in ihm begründet bleibt (Schl. 417f). Aejmelaeus, Lars, Die Schwachheit als Waffe, 2000 (referiert in wörtl. Anlehnung) Schlatter, Adolf, Der Glaube im NT, 51963, 405ff |