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Forts.: Der zweite Petrusbrief
2. Erinnerung an die Fundamente des Glaubens (1,3-21)
a. Die Heilszusage (1,3-4) b. Die Notwendigkeit des geistlichen Wachsens (1,5-11) c. Petrus als apostolischer Zeuge der Verheißungen (1,12-18) d. Das Wort der Propheten (1,19-21) 3. Bekämpfung der Irrlehrer (2,1-22) a. Falschpropheten und Falschlehrer in der Gemeinde (2,1-3) b. Gott als der Herr der Geschichte (2,4-10a) c. Polemik gegen die Irrlehrer (2,10b-22) 4. Die Gewissheit des Gerichtes Gottes und der Parusie Christi (3,1-16) a. Die Spötter und das Wort Gottes (3,1-7) b. Gründe für Gottes Geduld (3,8-13) c. Paulus als Zeuge der Geduld Gottes (3,14-16) 5. Briefschluss (3,17-18) Anhang: Weltuntergang - Kosmische Endereignisse? 2. Erinnerung an die Fundamente des Glaubens (1,3-21) a. Die Heilszusage (1,3-4) (3) „Alles, was für unser Leben und unsere Frömmigkeit gut ist, hat seine göttliche Macht [Gott] uns geschenkt; sie hat uns den erkennen lassen, der uns durch seine Herrlichkeit und Kraft berufen hat. (4) Durch sie [Gottes Kraft] wurden uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt, damit ihr der verderblichen Begierde, die in der Welt herrscht, entflieht und an der göttlichen Natur Anteil erhaltet“. Diese Vv sind geprägt von Wendungen griechischer Frömmigkeit. Der Rückgriff auf hellenistische Wendungen (Frömmigkeit/Gottesfurcht, Erkenntnis, Kraft Gottes, Flucht aus der Vergänglichkeit und Teilhabe an der göttlichen Natur) hat mit der Intention des Briefes zu tun. Der Vf. will die Begriffe der griechisch beeinflussten Adressaten und vor allem die Terminologie der Irrlehrer so transformieren, dass sie angemessen den christlichen Glauben wiedergeben. Theologen wie der Vf. des 2Ptr, die eine christliche Transformierung solcher Begriffe schaffen, sind für ihre Zeit moderne Theologen voll missionarischer Kraft. Die göttliche Macht (Gott) gab die Ermöglichung für die Reaktion auf menschlicher Seite. Alles ist Geschenk Gottes, der beruft, damit die Christen zur Erkenntnis Jesu Christi gelangen. Dies ist nur der Anfang. Der Begriff ’Verheißungen’, der im Brief überall (3,4.9.12f) die Parusie und die eschatologische Vollendung meint (vgl. 1,11.16; 3,7.13), zielt auf Zukünftiges. Ziel der Verheißungen ist die „Teilhabe an der göttlichen Natur“ (4b), der Eintritt „in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesu Christi“ – biblisch-jüdisch formuliert (V11). Christen leben noch nicht in der Vollendung, sondern in der Zwischenzeit zwischen Berufung (3), Erkenntnis (2), Erlösung (1) jetzt und der zukünftigen Vollendung (4,11) und der zukünftigen Erkenntnis (3,18) (91f). b. Die Notwendigkeit des geistlichen Wachsens (1,5-11) (5) „Darum setzt allen Eifer daran, mit eurem Glauben die Tugend zu verbinden, mit der Tugend die Erkenntnis, (6) mit der Erkenntnis die Selbstbeherrschung, mit der Selbstbeherrschung die Ausdauer, mit der Ausdauer die Frömmigkeit/Gottesfurcht, (7) mit der Frömmigkeit die Brüderlichkeit und mit der Brüderlichkeit die Liebe“ Die Vv 5-7 konkretisieren das christliche Leben und die Frömmigkeit als Tun des Willens Gottes (7). Berufung, Erlösung und die Gnade Gottes bleiben ohne die ethische Antwort des Menschen nach dem 2Ptr unwirksam. Der Vf. sieht ein Zusammenwirken des Menschen mit der göttlichen Gnade. Der Glaube ist der Anfang, das Ziel ist die Liebe. Alle Tugenden sind nicht Leistungen der Christen, sondern von Gott ermöglicht, aber vom Menschen zu realisieren (92f). (8) „Wenn dies alles bei euch vorhanden ist und wächst, dann nimmt es euch die Trägheit und Unfruchtbarkeit, so dass ihr Jesus Christus, unseren Herrn, immer tiefer erkennt. (9) Wem dies aber fehlt, der ist blind und kurzsichtig; er hat vergessen, dass er gereinigt worden ist von seinen früheren Sünden. (10) Deshalb, meine Brüder, bemüht euch noch mehr darum, dass eure Berufung und Erwählung Bestand hat. Wenn ihr das tut, werdet ihr niemals scheitern. (11) Dann wird euch in reichem Maße gewährt, in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesu Christi einzutreten“. In den Vv 8-11 geht es um das Verhältnis von Ethik und menschlicher Vollendung. Vers 10 enthält eine grundsätzliche Mahnung, deren Ziel ist es, die Berufung (3b) und die Erwählung durch Gott zu festigen. Wie die Realisierung der Ethik (8) immer mehr zur „Erkenntnis Jesu Christi“ führt, so steht am Ende (11) der Einzug der bewährten Christen „in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesu Christi“ (2,20; 3,2.18) (93). Die sittliche Bewährung ist für den Vf. des 2Ptr Voraussetzung der Erkenntnis: „Wenn ihr das tut, werdet ihr nicht scheitern“ (10b). Diese Formulierung nimmt 10a auf, wonach die Adressaten ihre „Berufung und Erwählung sicher/fest machen“ sollen. Der Vf. spricht additiv, indem er die Aktion Gottes und die Reaktion der Christen je für sich als notwendig betont, um der Auseinandersetzung mit den Spöttern und Irrlehrern willen (93f). Der Begriff Erkenntnis ist Bekehrungsterminus (Berufung zum christlichen Glauben) und umschreibt den Grundvollzug christlicher Existenz in Glauben und Tun. Erkenntnis wird immer als anerkennen Gottes und seiner Ordnung verstanden. Damit ist immer der Zusammenhang zwischen Erkenntnis Gottes und Bewährung im rechten Wandel gegeben. Dem Vf. des 2Ptr geht es um die Erkenntnis des christlichen Glaubens als rechter Praxis und Ethik. Inhalt der Erkenntnis ist Gott (2), Jesus Christus in seiner bleibenden Heilsfunktion (1,2f.8; 2,20), die christliche Glaubenspraxis als „Weg der Wahrheit“ (2,2) und als „Weg der Gerechtigkeit“ (2,21). Die Erkenntnis verweigern, bedeutet, „sich wieder von dem heiligen Gebot abzuwenden“ (2,21c), das Gott offenbart hat (94). c. Petrus als apostolischer Zeuge der Verheißungen (1,12-18) (12) „Darum will ich euch immer an das alles erinnern, obwohl ihr es schon wisst und in der Wahrheit gefestigt seid, die ihr empfangen habt. (13) Ich halte es nämlich für richtig, euch daran zu erinnern, solange ich noch in diesem Zelt lebe, und euch dadurch wachzuhalten; (14) denn ich weiß, dass mein Zelt bald abgebrochen wird, wie mir auch Jesus Christus, unser Herr, offenbart hat. (15) Ich will aber dafür sorgen, dass ihr auch nach meinem Tod euch jederzeit daran erinnern könnt“. Für die Zeit nach Petrus Tod sollen die Leser die Erinnerung des Apostels in Händen halten können (15). Die Vv 16ff geben den Inhalt des schriftlichen Glaubensgutes an, bezeugen aber auch die Glaubwürdigkeit des Zeugen. Als verantwortungsbewusster Knecht und Apostel (1) hat Petrus die Pflicht, sie anzuspornen, „euch durch Erinnerung wachzuhalten“ (13) (95). (16) „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. (17) Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. (18) Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren“. Der 2Ptr setzt den Inhalt der christologischen Bekenntnisse bei den Lesern als traditionell voraus. Dies gilt auch für die Hoffnung auf die Ankunft/Parusie Jesu Christi am Ende der Tage. In V 16 erinnert der Vf. die Leser daran, dass wir „euch die Macht und die Parusie unseres Herrn Jesus Christus kund getan haben“. Der Vf. des 2Ptr erinnert die Leser an die Predigt von der Hoffnung auf die Ankunft Christi am Ende der Zeit bei der „Parusie des Tages Gottes“ (3,12). Sowohl Gottes Parusie und zukünftiges Wirken wie Jesu Parusie (1,16) stellen die Spötter in Frage (3,3f) (96f). Die Berechtigung der Verkündigung der Parusie Jesu Christi begründet der Vf. des 2Ptr mit der Verklärung Jesu. Wir, d.h. Petrus als Apostel (1), ist als Augenzeuge (16) und Ohrenzeuge (18) der Verklärung Garant der christlichen Hoffnung auf die Parusie Jesu Christi (1,16; 3,4) und der Parusie Gottes (3,12). Da die Verklärung Jesu bezeugt werden kann und sicher ist, ist es auch das zukünftige Geschehen. Von Gott dem Vater empfing Jesus Ehre und Herrlichkeit (17a). Gott ließ die Stimme an ihn ergehen (17b) und proklamierte ihn als Sohn (17c). Gott findet Gefallen an ihm. Die Apostel hörten die Stimme aus dem Himmel (18). Stärker kann die Theozentrik bei der Verherrlichung nicht betont werden (97). M. Green (2009): Jesus is said to receive honour and glory from God the Father (a contrast to the Hellenistic ‘theios aner’, divine man). ‘Peter’ did not see the transfiguration as an epiphany of Jesus’ hidden divinity. In line with primitive Christian understanding, Jesus is given divine glory because he is appointed to the task of carrying out God’s salvation and judgment (G. 104f). Neyrey: The key to 1,16-18 lies in appreciating the prophetic character of the transfiguration, how the author interprets it as a commissioning of Jesus as Lord and as a bestowal of a new role and status (power and glory) on Jesus. “For he [Jesus] received from God the Father honour and glory when the voice came to him from the Majestic Glory: This is my son, my beloved; on him I have placed my favour”. The author claims to have seen and heard the events on the holy mountain; he was not alone,and so his testimony is confirmed by the weight of other witnesses. The vision of Christ’s glory and the hearing of God’s word should be interpreted as forensic proof, as token and signs of Christ’s status and role in God’s plan of judgment. God appointed Jesus as the Lord who would come on the day of judgment and assist God in rewarding and punishing (N. 169f). The author responds in 1,16-18 to attacks on his authority. He is accused of fabricating myths about the future. His claim to be Christ’s spokesman is challenged and his honor is threatened as his role and status are called into question (N. 171). d. Das Wort der Propheten (1,19-21) (19) „Dadurch ist das Wort der Propheten für uns noch sicherer geworden und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. (20) Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden; (21) denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet“. M. Green (2009): The same God whom the apostles heard speak in the transfiguration spoke also through the prophets. We can rely on the apostolic account of the transfiguration because God spoke. True prophecy came from God and, men as they were, the prophets were carried along by the Holy Spirit (G. 112). The Holy Spirit did not use instruments, he used men. God’s way is ever one of truth through personality, as was perfectly demonstrated at the incarnation. He did not use any men, but holy men, those who were dedicated and pledged to his service. And even with such men, he did no violence to their personalities, but co-operated with them while revealing himself through them (G. 114). Frankemölle: Das Zeugnis des Petrus gewinnt theologische Legitimation, weil es mit der Schrift übereinstimmt. Dass der Vf. des 2Ptr „das prophetische Wort“ (19) insgesamt als Schrift versteht, zeigt V 20: „die ganze Weissagung der Schrift“. Sie ist durch die Verklärung Jesu (angekündigt in den messianischen Verheißungen der Schrift) noch sicherer geworden. Um so sicherer ist die Parusiehoffnung, von der die Schrift (und die Predigt des ’Petrus’) zeugt (98). Die Vv 20f zeigen, wie wichtig dem Vf. des 2Ptr die Schrift ist, wobei ihre Dignität als prophetisches Wort Sache der wahren Erkenntnis (20a) ist. Die Schrift geht auf das Wirken des Geistes Gottes zurück, sie ist zugleich Gottes Wort im Menschenwort. Menschen haben gesprochen – getragen vom Heiligen Geist (Gott als Urheber und die Menschen als echte Verfasser). Der 2Ptr spricht den Spöttern und Irrlehrern das Pneuma ab – unter Berufung auf die ihm und den Uraposteln vermittelte Offenbarung (1,16-18). Geist steht gegen Geist. Entscheidend ist die rechte christliche Praxis und die Bindung an Glauben (1), Wahrheit (12) und Zeugnis (16-18) des ’Petrus’ (99). Der erste Teil des Briefes hat das Zeugnis des ’Petrus’ als schriftgemäß (19-21), als apostolisch und jesuanisch (16-18), als Wahrheit im Angesicht des Todes (12-15) und als übereinstimmend mit dem geoffenbarten Glauben und der entsprechenden Ethik aller Christen (3-11) erwiesen. So kann ’Petrus’ als wahrer „Knecht und Apostel Jesu Christi“ (1) handeln und in jeder Beziehung legitimiert die Irrlehrer bekämpfen (100). 3. Bekämpfung der Irrlehrer (2,1-22) a. Falschpropheten und Falschlehrer in der Gemeinde (2,1-3) (1) „Es gab aber auch falsche Propheten im Volk (Israel), so wird es auch bei euch falsche Lehrer geben. Sie werden verderbliche Irrlehren verbreiten und den Herrn, der sie freigekauft hat verleugnen; doch dadurch werden sie sich selbst bald ins Verderben stürzen. (2) Bei ihren Ausschweifungen werden sie viele Anhänger finden, und ihretwegen wird der Weg der Wahrheit in Verruf kommen. (3) In ihrer Habgier werden sie euch mit verlogenen Worten kaufen; aber das Gericht über sie bereitet sich schon seit langem vor, und das Verderben, das ihnen droht, schläft nicht“. Kp 2 greift primär den Aspekt der Orthopraxie auf, Kp 3 den Aspekt der Orthodoxie (Glaube an eine zukünftige Geschichte des Heils). In allem geht es dem Vf. um die rechte „Erkenntnis“ der wahren Christen (1,2f.5f.8.20; 3,3.18) (100). Mit V 1 ist die sprachliche Wende von der Darlegung der positiven Wahrheit, Erkenntnis in Kp 1 zur falschen dogmatischen und ethischen Praxis in Kp 2 vollzogen. Das dreimalige Vorkommen des Wortes 'verderblich/Verderben' in den Vv 2,1-3 nimmt das Gericht bei der Parusie schon vorweg (101). Dass die 'Falschlehre' nicht nur in einer falschen Interpretation der Schrift (1,20) und der pln Briefe (3,15f) besteht, zeigen schon die Vv 2,2f. Glaube zielt immer auf eine Glaubenspraxis. Und umgekehrt: Die Praxis ist Zeichen für den Glauben, so dass die Irrlehrer bereits durch ihren gebotswidrigen Lebenswandel sich als Leute ausweisen, denen es an wahrer Erkenntnis Gottes und Jesu Christi mangelt (101). Durch die falsche Ethik erweisen sich die Irrlehrer und 'Spötter' (3,3) als praktische Gottesleugner. Es geht dem Vf. um Gottes Herrsein. Herrschaft ist wie in der Vorlage im Jud (4.25) so auch im 2Ptr eindeutig theozentrisch zu verstehen. Gott ist der Herr der Zeit und der Geschichte wie der Offenbarungen. Von ihm hat Jesus Christus „Ehre und Herrlichkeit“ (1,17) empfangen und wurde erst so „unser Herr und Retter“ (1,2.11.16). Jüdische Theologie interpretiert die Befreiung aus Ägypten als Loskauf. Wichtig ist der Herrschaftswechsel, wobei das Subjekt (Gott) und das Medium (in/durch Jesus Christus) ungesagt bleiben können. So auch im 2Ptr: „Sie verleugnen [durch ihre Lehre und durch ihr Tun Gott] den Herrscher, der sie [durch Jesus Christus als Retter] freigekauft hat“ (2,1b) (102). Die Ankündigung, dass viele den Ausschweifungen der Irrlehrer (2) folgen, dürfte bittere Realität sein und den Vf. zum Brief selbst, aber auch zur polemischen Abrechnung motiviert haben zumal Nichtchristen nicht mehr den wahren vom falschen Weg unterscheiden können und das Christentum so „in Verruf kommt“ (aufgrund des Anspruchs der Gegner, die wahren Christen zu sein). Die Gegner reden den Christen nach dem Mund (Jud 16), um sie „aus Habgier zu kaufen/auszusaugen“ (3). Die personifiziert gedachten Rächer „Gericht und Verderben“ sind schon am Werk. Also ist auch Gott als Herr der Geschichte tätig. Also gibt es eine zukünftige Heils- und Unheilsgeschichte (102). b. Gott als der Herr der Geschichte (2,4-10a) Die Vv 4-10a sind im Griechischen eine einzige Satzperiode: „Denn wenn Gott … wenn … wenn … wenn …, so weiß der Herr Fromme aus der Versuchung/Prüfung zu retten“. Gott ist immer Subjekt. Thema des eindeutig theozentrischen Textes ist die Bezeugung, dass Gott existiert und als Herrscher (1) geschichtlich handelt: im Gericht über Gottlose, aber auch im Beistand für die Gerechten, Noah (5) und Lot (7) und für ungenannte Fromme (9). Die negativen Beispiele dienen zur Ankündigung des Geschicks der Gegner als „Leugner der Herrschaft Gottes“ (1) und als Warnung für die Christen. Somit bestätigt die Schrift als Prophetie (1,19-21) Gottes Wirken. Der 2Ptr verteidigt die „Macht des Herrn (Gottes)“ (10) gegen alle, die sie verleugnen (1) und verachten (10a) (103). Die Leser des 2Ptr sollen über das für die Endzeit erwartete Auftreten von Irrlehrern (2,1-3) nicht überrascht sein, sondern wie Noah und Lot zwar als Gerechte an deren frevelhaften Taten (8) leiden, diese Situation aber als Prüfung (9) verstehen. Gott gibt den Ungerechten Zeit (2,9; 3,9), er gibt aber auch allen christlichen Adressaten Zeit, ihre Gerechtigkeit (5.8) zu erweisen. Außerdem sollen alle die Möglichkeit haben, sich zu bekehren (3,9) (103). Die gewählten Beispiele der Strafe und der Errettung dienen der Bekräftigung des Glaubenssatzes von Gottes schöpferischer und herrscherlicher Macht in der Geschichte über menschliches Verhalten (104). c. Polemik gegen die Irrlehrer (2,10b-22) Die Irrlehrer sind „Sklaven des Verderbens“ (19) und „freche anmaßende Menschen“ (10b). Sie „verachten die Macht des Herrn [Gottes]“ (10a), sie fühlen sich (im Gegensatz zu den guten Engeln V11) den gefallenen Engeln überlegen (10b). Der 2Ptr sieht sie nicht pneumatisch (Jud), sondern „physisch/von Natur aus wie vernunftlose Tiere“ (12) dem Tode preisgegeben. Sie sind unwissend (12), sie sind Libertinisten und praktizieren und predigen eine sittenlose und asoziale Freiheit (13-15) (in sexueller Hinsicht und in Prassereien auf Kosten der anderen Christen V3), sie berufen sich auf angebliche Offenbarungen und bemühen sich, Anhänger zu gewinnen (2f.18). Die Gegner sind die in der Schrift (des AT) bekannten Spötter und Toren, die die Wirkmächtigkeit Jahwes in der Gegenwart verleugnen und aus diesem praktischen Atheismus eine entsprechende libertinistische Ethik ableiten (106). Der Kontrast von Freiheit zu „Sklaven des Verderbens“ (19) erweist eine libertinistisch begründete, torawidrige (21) Lebensführung als das eigentliche Programm der Irrlehrer. Gottes soterologisches Wirken in und durch Jesus Christus war Inhalt der Erkenntnis, die geschenkt (1,3) wurde. Daher bedeutet Abfall vom Christentum Verlust der Erkenntnis (20f). Dadurch entlarvt sich die von den Irrlehrern behauptete Erkenntnis als verlogene Worte (2,3), als Betrügereien (2,13) und als „geschwollene und nichtssagende Reden“ (2,18) (107). Erkennen versteht der 2Ptr praxisorientiert. Orthodoxie - „Weg der Wahrheit“ (2,2) und Orthopraxie - „Weg der Gerechtigkeit“ (2,15.21). Die Schrift (1,19-21) und Jesu Auslegung (3,2) als „überliefertes heiliges Gebot“ (21) gehören zusammen. Eine defiziente Theologie und Christologie konkretisieren sich in einer sündigen Lebensführung und erweist die Gegner als Irrlehrer. Wie sehr der Vf. vom Rückfall gläubiger Christen betroffen ist, zeigt seine drastische Sprache am Beispiel der Hunde und Schweine (107). Die Vv 2,10b-22 belegen gut biblisch die hybride Haltung des Menschen ohne Gott, der Gottes Wirken und sein Gericht nicht ernst nimmt, obwohl es sich in der Vergangenheit (2,4-10a; 3,5f) gezeigt hat und daher auch für die Zukunft (3,7-13) zu erwarten ist. Gottes schöpferische Macht in Welt und Geschichte wie auch in der Rettung durch Jesus Christus ist das durchgehende Thema des 2Ptr (108). 4. Die Gewissheit des Gerichtes Gottes und der Parusie Christi (3,1-16) a. Die Spötter und das Wort Gottes (3,1-7) (1) „Das ist schon der zweite Brief, den ich euch schreibe, Geliebte. In beiden will ich eure Einsicht wachrufen und euch erinnern. (2) Denkt an die Worte, die von den heiligen Propheten im voraus verkündet worden sind, und an das Gebot des Herrn und Retters, das eure Apostel euch überliefert haben. (3) Vor allem sollt ihr eines wissen; Am Ende der Tage werden Spötter kommen, die sich nur von ihren Begierden leiten lassen und höhnisch sagen: (4) Wo bleibt denn seine verheißene Ankunft? Seit die Väter entschlafen sind, ist alles geblieben, wie es seit Anfang der Schöpfung war. (5) Wer das behauptet, übersieht, dass es einst einen Himmel gab und eine Erde, die durch das Wort Gottes aus Wasser entstand und durch das Wasser Bestand hatte. (6) Durch beides ging die damalige Welt zugrunde, als sie vom Wasser überflutet wurde. (7) Der jetzige Himmel aber und die jetzige Erde sind durch dasselbe Wort für das Feuer aufgespart worden. Sie werden bewahrt bis zum Tag des Gerichts, an dem die Gottlosen zugrunde gehen“. Durch die vierfache, nur hier im Brief sich findende stark emotionale Leserzuwendung ’Geliebte’ (3,1.8.14.17) ist der letzte große Abschnitt deutlich gegliedert. Ziel des Vf. ist die Übereinstimmung mit den Adressaten in der anstehenden Thematik. Der 2Ptr ist schon der zweite Brief des ’Petrus’. Er will die Leser nur an Bekanntes erinnern (vgl. 1,12-15) und lediglich durch diese Erinnerung ihre reine/lautere Gesinnung wachhalten/aufwecken. Der Vf. geht von einem grundsätzlich intakten Glauben der Leser aus (108). Propheten und Jesus Christus selbst sind Garanten des wahren Glaubens. Diese Tatsache braucht der Vf. bei den Lesern nur in Erinnerung zu rufen, da auch sie die Erkenntnis nicht durch das Amt, sondern unmittelbar von Gott geschenkt erhielten (1,3f.10). Der 2Ptr richtet sich gegen Irrlehrer, die „die Macht des Herrn [Gottes] verleugnen“ (2,1), die sich konkret in Schöpfung und Gericht zeigt, wie sie sich auch innergeschichtlich in Ehre und Herrlichkeit des verklärten Jesus Christus (1,16f) gezeigt hat, aber auch in der göttlichen Natur (1,4) der Christen (1,8f), so dass Christen die wahre Erkenntnis der göttlichen Tiefendimension in allem haben. Wer diese Erfahrung in Frage stellt, stellt nach dem 2Ptr christlich-biblischen Glauben in Frage (109f). Die Spötter verweisen (4) darauf, dass die Verheißung der Ankunft Jesu Christi (1,16) nicht eingelöst wurde und dass demgemäss seit Schöpfung der Welt sich nichts verändert hat (die Väter sind die biblischen Urväter). Hier reden keine Gnostiker, sondern die aus der Schrift bekannten Toren als die praktischen Atheisten, die es sich gut gehen lassen und die an kein Gericht Gottes nach dem Tode (2,4.9.17) glauben. Libertinisten und Parusieleugner sind identisch, die eine Haltung bedingt die andere. Die Spötter denken primär biblisch und stellen darum die in der Schrift vielfach belegte Spottfrage: „Wo ist Gott“? Aus diesem Grund argumentiert der Vf. auch in 5f wie in 2,4-10a mit biblischen Beispielen als Gegenargumenten (110). Die Vv 5-7 enthalten den Gegenbeweis: Nach allgemein jüdischer Glaubensauffassung gab es bereits einen Weltuntergang in der Sintflut und eine Neuschöpfung der Welt. Wie zu Beginn das All durch das Wort Gottes geschaffen wurde aus dem Wasser als Urelement (Gen 1,2.6f) und wie durch (die Säulen des) Wasser(s) die Erde als Scheibe feststand, so ging parallel dazu durch beides nämlich durch Gottes Willen und durch das Wasser, die Welt zugrunde. Gott wirkt auch im Gericht zum Untergang der Gottlosen (und rettet nach 2,5 den gerechten Noah). Doch auch die jetzige Welt als Neuschöpfung ist vergänglich. Nach breit belegten apokalyptischen, auch hellenistischen Überlieferungen, geht sie in einem Feuersturm unter, den der Vf. des 2Ptr auch „durch dasselbe Wort“ Gottes bewirkt sieht. Das NT spricht nur hier von einem solchen Weltenbrand. Wie in 2,5 gilt auch dieses Ereignis den Gottlosen (7), die für „das Gericht aufbewahrt werden“ (7) wie die sündigen Engel (2,4) und die Ungerechten (2,9) oder die Irrlehrer (2,17) (110f). Nicht Vernichtung ist das letzte Wort, wohl aber gerechtes Gericht am Ende der Welt. Das bedeutet für die wahren Christen Eintritt „in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesu Christi“ (1,11) und „einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“ (3,13). Die futurische Eschatologie des 2Ptr auf eine Lehre vom Weltenbrand zu reduzieren, hieße, ihre paränetische Funktion zu verkennen. Ferner ist auf die christologischen Aspekte in 1,11.16, auf theozentrische Aspekte in 3,10.12 und auf Gottes Gerichtshandeln in 2,3f.9; 3,7 hinzuweisen. Gottes Wort steht über der Schöpfung (3,5), über der Geschichte (1,19-21) und über dem Gericht (3,7) zum Untergang und zur Rettung. Aufgrund der theozentrischen Grunddimension aller Wirklichkeit muss alles, was jetzt geschieht, über Heil und Unheil entscheiden. Dies betont der Gedanke des Gerichts nach dem Tode (2,4.9.17; 3,13). In dem 2Ptr geht es nicht um kosmische Vorgänge, er setzt vielmehr die traditionellen Anschauungen apologetisch ein gegen Irrlehrer, die Gottes Wirken und die Bedeutung der menschlichen Ethik verneinen (111). b. Gründe für Gottes Geduld (3,8-13) (8) „Das eine aber, Geliebte, dürft ihr nicht übersehen: dass beim Herrn ein Tag wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag sind. (9) Der Herr zögert nicht mit der Erfüllung der Verheißung, wie einige meinen, die von Verzögerung reden; er ist nur geduldig mit euch, weil er nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern dass alle sich bekehren. (10) Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel prasselnd vergehen, die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden [nicht mehr] gefunden. (11) Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: wie heilig und fromm müsst ihr dann leben, (12) den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen! An jenem Tag wird sich der Himmel im Feuer auflösen, und die Elemente werden im Brand zerschmelzen. (13) Dann erwarten wir, seiner Verheißung gemäß, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt“. Gegen die Anfechtung durch die Parusieverzögerung formuliert der 2Ptr drei Argumente: 1. Gott hat ein anderes Zeitmaß: das Ende kann also noch tausend Jahre dauern. 2. Was wie eine ohnmächtige Verzögerung aussieht, ist in Wahrheit Gottes Geduld (9.15). Alle sollen eine Chance zur Bekehrung haben. 3. Wer voreilig schließt, es gehe ständig so weiter, irrt sich. Nur eine andauernde Stetsbereitschaft ist die angemessene Haltung, da der Tag des Herrn plötzlich wie ein Dieb kommt (10a). Die Hoffnung auf die Parusie Gottes (12) muss daher lebendig sein. Der Vf. denkt primär theozentrisch: In Kap. 3 wie in 2,4-10a ist Gott das Subjekt. Die Christologie bleibt deutlich der Theozentrik untergeordnet (1,17.21; 2,4-10; 3,5-13). Erst in diesem Kontext kann der 2Ptr auch von der Parusie Jesu Christi (1,16; 3,3f) sprechen, ohne dass es hier zu einem eigentlichen Ausgleich kommt (112). Die Vv 11f zeigen, wie eng der 2Ptr das im ganzen Brief behandelte Thema von ethischer Verantwortung, Parusieerwartung und Gericht Gottes sieht. Wenn die Bekehrung Israels Voraussetzung für den Tag des Herrn ist und der Sohn Davids sofort kommen würde, wenn die Israeliten einen Tag Buße täten, welche Bedeutung gewinnt dann die sittliche Lebensführung! Kap. 2 ist Kontrastbild zu den positiven Paränesen für die Christen in Kap. 1 und 3 (Ausn. 2,5.7.9) (113). Der 2Ptr ist nicht apokalyptische Belehrung, sondern apokalyptisch-eschatologisch begründeter Appell. In dieser neuen Welt wohnt die personifizierte Gerechtigkeit (13), in ihr leben Menschen gerecht (2,8.21). Diese neue Schöpfung ist Ziel von Gottes schöpferischer Macht. Grund dieser Hoffnung ist die im Brief nachgewiesene Macht und Treue Gottes zu seiner Verheißung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dies war von den Gegnern in Frage gestellt worden, deren sittliche Lebensführung der Vf. als praktizierten Atheismus gegen die von Gott geoffenbarte (Sozial-)Ordnung (=Tora) interpretiert. Sie verstehen sich als Freie und leben angebliche Freiheit (2,19) von Gottes Herrschaft und Gericht. Aus diesem Selbstverständnis der Gegner ergab sich das Thema, das insgesamt theozentrisch ist (114). c. Paulus als Zeuge der Geduld Gottes (3,14-16) (14) „Weil ihr das erwartet, Geliebte, bemüht euch darum, von ihm [Gott] ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden. (15) Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat auch unser liebe Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; (16) es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben“. „Bemüht euch, ohne Makel und Fehler und in Frieden angetroffen zu werden“ Neyrey: The specific notions of ‘purity’ derive from Jewish and scriptural traditions. For example, Lev 22,19 describes something as blameless which is ‘perfect, without blemish’; that is, the object must be bodily complete, perfect in form, and without defect. The Pentateuch exclusively uses the term ‘unblemished’ to describe the purity or perfection of animals sacrificed to God. These sacrifices must be offered by an unblemished priest. When Christians describe Jesus either as priest or sacrificial victim, he too is ‘unblemished’ (Heb 9,14; 1Pet 1,19). According to Lev 21,16-21, only those who enjoy unblemished perfection of the body may come into the temple and offer sacrifice. God commands his followers to be like God: “Be holy as I am holy”. Those who worship this God must likewise be perfect in holiness. “All unblemished hearts are acceptable” to God (Prov 22,11). The author has shamed his opponents for being “spots and blemishes” on the holy gathering (2,13), even as he constantly links them with corruption (2,12.19). He has already exhorted the church members to live “holy and pious lives” (3,11), and to flee from all corruption (1,4). Now he calls on them to be found “spotless and blameless”. Thus, the followers of the holy and perfect God must themselves also be completely free from evil and perfectly obedient to the ways of God (N. 248). ‘Peace’ means ‘complete’ or ‘whole’, it connotes a state of purity or holiness, ”May your whole spirit, soul and body be kept blameless at the coming of our Lord Jesus Christ” (1Thess 5,23) (N.250). Frankemölle: Die Geduld unseres Herrn, d.h. Gottes, die Verzögerung des Gerichtes und der Parusie gibt den Christen zeitlich Gelegenheit zur Bewährung und damit zur Rettung, die grundsätzlich von Gott (1,3) durch „unseren Herrn und Retter Jesus Christus“ (1,11; 2,20; 3,2.18) allen angeboten ist. Die Soteriologie wirkt nicht mechanisch, sondern erfordert das Mitwirken des Menschen. V 15b beruft sich für den Gedanken der Langmut/Geduld Gottes als Möglichkeit für die Rettung auf einen Brief des Paulus, den er den Adressaten geschrieben haben soll. Der Vf. setzt die Kenntnis verschiedener Briefe des Paulus voraus (115f). Petrus führt Paulus an, nicht um ihn aufzuwerten, sondern um seine eigene Theologie als apostolisch-allgemeingültig erweisen zu können. Durch diese Paulus-Deutung erspart sich der Vf. eine direkte Auseinandersetzung mit schwerverständlichen Stellen des Paulus, deren Vorhandensein nicht geleugnet wird (116f). Paulus ist für den Vf. nur als ein weiterer Garant der eigenen Rechtgläubigkeit und des eigenen dadurch gesteigerten Ansehens bei den Lesern wichtig. Die Leser stehen nach 3,15 in pln Tradition (81). Im Epilog, wo in der Regel privatgehaltene Schlussgrüße stehen (’Petrus’ kann hinsichtlich der emotionalen Bindung zu seinen Lesern auf nichts hinweisen), erfüllt Paulus diese anthropologische Funktion (15f) (116). A. Vögtle (1994): Die Mahnung in 15a gibt dem Vf. die Gelegenheit, gerade für den schwächsten Punkt seiner Argumentation – nämlich seine Stellungnahme zum Einwand, die Parusie sei innerhalb des von den Parusieverheißungen angekündigten Zeitrahmens nicht erfolgt (3,8f) – Paulus als Bundesgenossen zu beanspruchen, der in diesem Punkt mit ihm übereinstimme (15b). Durch die geschickte Formulierung von 16a gibt er zu verstehen, Paulus würde auch sonst mit seiner Lehrverkündigung übereinstimmen. So kann er die sich auf einige schwer verständliche Aussagen des Paulus berufende Exegese der Dissidenten als Missdeutung, nämlich als Produkt ihrer Unkenntnis abtun, ohne sich damit auseinandersetzen zu müssen (Vö.265). „Paul in all his letters“ Neyrey: Why mention Paul at all, especially if his letters contain things “hard to interpret” and easily “distorted”? The particularities of Paul’s letters are ignored in favour of his acceptance as a representative of the tradition. Any historical disagreement between Peter and Paul is ignored for this reason (N. 250). G. Klein: Die Relevanz der pln Theologie erfährt eine unzweideutige Einschränkung, wenn die Paulusbriefe als „nach der ihm gegebenen Weisheit“ entstanden qualifiziert werden. So unbestritten die Weisheit des Paulus bleibt, so unüberhörbar wird sie als die ihm zugekommene doch auch relativiert und zu einem diskutablen Aspekt herabgemindert. Die Reserve, die sich in solcher Ausdrucksweise anmeldet, unterscheidet sich deutlich von der Absolutheit, mit der der Vf. von der Augen- und Ohrenzeugenschaft der Apostel zu reden weiß, die keiner Aspekthaftigkeit unterlag. Bei solcher Überordnung empirischer Zeugenschaft über nachträglich ergangene bloße ‚Weisheit’ ist es nur konsequent, dass der Aposteltitel dem Paulus vorenthalten bleibt und durch das höfliche, aber völlig unverbindliche Prädikat des ‚lieber Bruder’ ersetzt wird (K.104f). (17) „Ihr aber, Geliebte, sollt das im voraus wissen und acht geben, dass ihr euch nicht von dem Irrtum der Gottesverächter mitreißen lasst, euren Halt verliert und zu Fall kommt. (18) Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus! Ihm gebührt die Herrlichkeit, jetzt und bis zum Tag der Ewigkeiten. Amen“. Epilog und Proömium ergänzen einander. Ging es in 1,2 und im ganzen Brief bei ‚Gnade’ und ‚Erkenntnis’ um praktiziertes Anerkennen in einem lebenslangen Prozess, so kann hier noch einmal zur Realisierung aufgefordert werden. Die Erkenntnis von Jesu Herrsein und von Jesu soteriologischer Funktion (wie in 1,11;2,20) ist von 1,17 her nur theozentrisch zu deuten (118). Herrlichkeit gebührt Jesus Christus, wie die Verklärung gezeigt hat, bereits jetzt. Dies ist eine göttliche Seinswirklichkeit, die Jesus von Gott, der „erhabenen Herrlichkeit“ (1,17b) erhalten hat. Nimmt schon der einzelne Christ „an der göttlichen Natur teil“ (1,4) und hat dies Ewigkeitswert (1,11), um wie viel mehr gilt dies für Jesus Christus. Hier wie dort (1,3.16f) hat Gott dies gegeben und gewirkt. Diese theozentrisch strukturierte Christologie in ihrer Dynamik auf Zukunft hin bekräftigt der Vf. mit einem feierlichen Amen (119).
Anhang: Weltuntergang - Kosmische Endereignisse?
2 Ptr 3,7.10.13 (7) “Die jetzigen Himmel und die (jetzige) Erde sind durch dasselbe Wort (Gottes) aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichtes und Verderbens der gottlosen Menschen”. (10) Am Tag des Herrn "werden die Himmel mit großem Krachen zergehen und die Elemente werden vor Hitze zerschmelzen". (13) “Neue Himmel aber und eine neue Erde erwarten wir gemäß seiner (Gottes) Verheißung, in denen die Gerechtigkeit wohnt”. Die Parusieleugner (2 Ptr) übersehen, dass die geordnete Welt schon einmal kraft des Machtwortes Gottes zur Bestrafung der sündigen Menschheit in das Chaos zurückversank, eben bei der Sintflut. Es geht hier nicht um ein allgemeines Endgericht, denn dann müsste der Vf. auch von den Toten, von den längst verstorbenen Frommen der Vorzeit oder wenigstens von den zwischenzeitlich verstorbenen Christen sprechen. Das Universum hat nicht gesündigt. Ebenso wenig liegt der Gedanke vor, dieses werde seiner Unzulänglichkeit wegen im Totalbrand untergehen, um einer neuen vollkommenen Schöpfung Platz zu machen. Der einzige Sinn und Zweck des Weltenbrandes ist offensichtlich, dass die libertinistischen Parusiespötter durch das Erleiden des Feuertodes drastisch widerlegt werden (Vö 62f). Bezeichnenderweise verrät der Verfasser nicht im geringsten, wie die sich bewährenden Gemeindeglieder die Verbrennung des Universums überstehen oder dass und wie jene unter Zurücklassung der Gottlosen von der zu verbrennenden Erde rechtzeitig evakuiert und umgesiedelt werden. Wohin übrigens? Vor dem Weltbrand könnten sie schwerlich auf die neue Erde hinübergerettet werden, weil neue Himmel und eine neue Erde bei realistischem Verständnis sinnvollerweise erst nach der Totalvernichtung des bestehenden Universums an dessen Stelle treten könnten. Der Verfasser sagt in 3,13 nicht: die Gerechten, die Heilserben, würden in die neue Welt eingehen, auf der neuen Erde wohnen, sondern formuliert bewusst abstrakt: in denen - nämlich: im neuen Himmel und auf der neuen Erde - (die) Gerechtigkeit wohnt, Gottes Wille somit in jeder Hinsicht geschieht. Starke Gründe sprechen dafür, dass “neue Himmel und eine neue Erde” lediglich als Sinnbild für die Heilsvollendung verstanden sind, dessen Verwendung durch die voraufgehende Gerichtsmetapher von dem im Feuerbrand untergehenden ‘jetzigen Himmel und der (jetzigen) Erde” bedingt ist (Vö 63f). Mk 13,24 - 26par “Aber in jenen Tagen, nach der großen Drangsal, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Und dann werden sie (wird man) den Menschensohn mit großer Mach und Herrlichkeit auf den Wolken sehen. Und dann wird er die Engel senden und wird seine Auserwählten versammeln von den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels”.
Dem Wortlaut nach geht es um eine Vernichtungskatastrophe sondergleichen.
Die Erwählten dagegen, die der Menschensohn anschließend durch seine Engel von der ganzen Erde zusammenführen lässt,
sind als ungeschädigte Lebende vorgestellt.
Einem Gemeinplatz der jüdischen Apolyptik zufolge,
wird die Zunahme moralischer (Sündigkeit aller Art, Kriege usw.) und physischer Übel die Äonenwende,
das bevorstehende Gericht, anzeigen. Zu diesen “(Geburts) wehen” zählen auch Unregelmäßigkeiten in der Natur
und kosmische Erschütterungen.
So werden dem Hervortreten des “höchsten Gottes” als kosmische Katastrophen unter anderem zugeordnet:
“Die Sonne wird kein Licht mehr geben und sich in Finsternis verwandeln, die Hörner des Mondes werden zerbrechen,
und er wird sich ganz in Blut verwandeln, und der Kreis der Sterne wird verwirrt” (Himmelfahrt des Mose 10,5).
Mk 13,24f verwendet atl Gerichtstheophanien. Grundstelle für die Verfinsterung von Sonne und Mond ist Jes 13,10 (Gericht Jahwes übel Babel). Das Herabfallen aller Sterne kündigte Jes 34,4 LXX (Gericht über Edom) an. Die Erschütterung der Himmelskräfte (vgl. Joel 2,10; Hag 2,6.21) ist wahrscheinlich ein zusammenfassender Ausdruck für die vorher genannten Veränderungen der Gestirne. Die Zitierung kosmischer Geschehnisse, mit denen die Schrift das Kommen Jahwes zum Gericht ausmalte, spricht für ein rein metaphorisches Verständnis, dass nämlich der zum Gericht kommende Menschensohn die Funktion des Gericht haltenden Gottes ausüben und über seine überwältigende Macht verfügen wird. Die Erfahrung des jüdisch-römischen Krieges mit seiner Tempelzerstörung veranlasste den Verkünder, vom “Anfang der Wehen” zu sprechen (Mk 13,8). Die gottgleiche Machtvollkommenheit des zum Gericht kommenden Menschensohnes ist die Realität, die durch Mk 13,24f sinnbildlich zum Ausdruck gebracht werden soll, nicht aber ein Zusammenbruch der kosmischen Ordnung (58f). Offb 20,11 - 21,1f.24 - 26 (11) “Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen Erde und Himmel, und es gab keinen Platz mehr für sie, (12) und ich sah die Toten, groß und klein stehen vor dem Thron... (15) Wer nicht in dem Buch des Lebens geschrieben stand, der wurde in den feurigen Pfuhl geworfen” (21,1). “Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen... (2) Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine Braut, die für ihren Mann geschmückt ist”. Das Gericht ergeht über alle vor dem Richterthron stehenden Toten. Wo der Richterthron stehen wird, nachdem Erde und Himmel geflohen sind, interessiert den Seher so wenig wie die Frage, wohin diese entfliehen können, wo es doch “keinen Platz für sie gab”. Das ‘Fliehen’ der personifizierten Erde und des Himmels vor dem Anblick des Richters ist ein unüberbietbares Bild für die überwältigende Majestät und Macht des göttlichen Richters - nicht mehr. Die von Gott her kommende ‘heilige Stadt’, die als geschmückte ‘Braut’ bezeichnet wird, ist das Kontrastbild zur widergöttlichen Weltstadt Rom, die als die große ‘Hure’ apostrophiert wurde. Die Stadt, die weder eines Tempels noch der Sonne und des Mondes bedarf, weil “die Herrlichkeit Gottes sie erleuchtet und ihre Leuchte das Lamm ist” (21,22f), ist als Sinnbild der vollendeten Heilsgemeinde verstanden. Zum Erweis der Universalität der vollendeten Heilsgemeinde lässt Johannes ‘die Könige der Erde’ und ‘die Völker’ ihre Pracht in die Stadt hineinbringen (21,24-16), was bei wörtlichem Verständnis wieder die ‘erste’, nach 21,1 doch vergangene Erde voraussetzen würde. Weil er die Stadt wie den neuen Himmel und die neue Erde als Sinnbilder für die gleiche unanschaubare Realität versteht, konnte er die Prophetie von der endzeitlichen Völkerwallfahrt (Jes 60,3ff; Ps 72,10) aufnehmen, ohne aus dem sinnbildlichen Verständnis der Stadt auszubrechen (60f). Das NT und die Zukunft des Kosmos A. Vögtle (1970): Das NT macht keinerlei lehrhafte Aussagen über die Auswirkung des Christusgeschehens auf den physischen Bestand des vorfindlichen Universums. Die Frage nach der relativen und absoluten Zukunft des Kosmos kann der Exeget mit gutem Gewissen dem Naturwissenschaftler überlassen. Im Zentrum der ntl Heilsbotschaft steht das auf die Zukunft ausgerichtete Heilshandeln Gottes am Menschen und damit die endzeitliche Heilsgemeinde. Der Menschenwelt gilt das durch und an Jesus erfolgte erlösende Handeln Gottes, das sich abschließend verwirklichen soll als Heil und Gericht (232f). H. Küng: Wie die biblische Protologie keine Reportage von Anfangs-Ereignissen sein kann, so die biblische Eschatologie keine Prognose von End-Ereignissen. Und wie die biblischen Erzählungen vom Schöpfungswerk Gottes der damaligen Umwelt entnommen wurden, so die von Gottes Endwerk der zeitgenössischen Apokalyptik. Die Bibel spricht auch hier keine naturwissenschaftliche Faktensprache, sondern eine Bildersprache. Sie offenbart keine bestimmten weltgeschichtlichen Ereignisse. Die apokalyptischen Bilder und Visionen vom Weltende würden missverstanden, wenn sie als Information über die ‚letzten Dinge’ am Ende der Weltgeschichte aufgefasst würden. Für die ‚Ur-Zeit’ wie für die ‚End-Zeit’ gibt es keine menschlichen Zeugen. W. Barclay: Die Vorstellung von der Wiederkunft Christi steckt voller Schwierigkeiten. Eines ist jedoch sicher: Es kommt der Tag, an dem Gott in jedes Leben eingreift, denn wir alle müssen sterben; auf diesen Tag sollten wir vorbereitet sein. Wir können uns dem Ereignis nicht entziehen, dass Gott in unser Leben als eine lebendige Wirklichkeit eintritt; das ist völlig gewiss (B.325). „Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge“ (1Ptr 4,7a). Für jeden von uns ist die Zeit nahe und die Stunden eilen dahin. Wir alle müssen sterben. Für jeden von uns ist der Herr nahe. Wir wissen nicht Tag noch Stunde, zu der dies sein wird, daher sollten wir unser ganzes Leben im Schatten der Ewigkeit leben (B.237). Barclay, William, Brief des Jakobus, Briefe des Petrus, übers. von Dr. E. Leseberg, 1973 Frankemölle, Hubert, 1. und 2. Petrusbrief, Judasbrief, 1987 (referiert in wörtl. Anlehnung)
Green, Michael, 2Peter and Jude, 1987
Harvey, Robert, 2Peter and Jude, 2009 Hiebert, D. Edmont, Second Peter and Jude, 1989 Klein, Günter, Die zwölf Apostel, 1961 Kruger, Michael, The authenticity of 2Peter, in: Journal of the Evangelical Theological Society, 1999 (645-71) Küng, Hans Credo, 1992,217-9 Lucas, Dick & Green, Christopher, The Message of 2 Peter & Jude, 1995 Neyrey, Jerome H., 2 Peter, Jude, 1993 Schreiner, Thomas R., 1,2Peter, Jude, 2003
Vögtle Anton, Der Judasbrief und der zweite Petrusbrief, 1994
ASV = American Standard Version KJV = King James Version NIV = New International Version, 1978 Weymouth = Weymouth, Richard Francis, The New Testament |