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Der zweite Petrusbrief
I. Annahme der Echtheit des 2. Petrusbriefs
Der zweite Petrusbrief neu betrachtet 1. Die textexterne Bezeugung des 2. Petrusbriefs 2. Die Gegenüberstellung der beiden Petrusbriefe 3. Anachronismen? 4. Das Problem der Pseudigraphie II. Einleitung 1. Zum Thema des 2. Petrusbriefs 2. Die Rezeption des Judasbriefes III. Kommentar 1. Briefeingang (1,1-2) a. Anschrift (1) b. Gruß - Gebetswunsch (2) 2. Erinnerung an die Fundamente des Glaubens (1,3-21) a. Die Heilszusage (1,3-4) b. Die Notwendigkeit des geistlichen Wachsens (1,5-11) c. Petrus als apostolischer Zeuge der Verheißungen (1,12-18) d. Das Wort der Propheten (1,19-21) 3. Bekämpfung der Irrlehrer (2,1-22) a. Falschpropheten und Falschlehrer in der Gemeinde (2,1-3) b. Gott als der Herr der Geschichte (2,4-10a) c. Polemik gegen die Irrlehrer (2,10b-22) 4. Die Gewissheit des Gerichtes Gottes und der Parusie Christi (3,1-16) a. Die Spötter und das Wort Gottes (3,1-7) b. Gründe für Gottes Geduld (3,8-13) c. Paulus als Zeuge der Geduld Gottes (3,14-16) 5. Briefschluss (3,17-18) Anhang: Weltuntergang - Kosmische Endereignisse? Die Echtheit des 2Ptr wird vertreten von M.Green, 1987; D.Lucas und Ch. Green, 1995; M.A.Kruger, 1999; Th.R.Schreiner, 2003; R.Harvey, 2009.
I. Annahme der Echtheit des 2. Petrusbriefs
Die Argumente, die gewöhnlich zur Einordnung des 2Ptr als Pseudepigraphen angeführt werden, scheinen nicht so gut abgesichert zu sein, wie man aus dem Vertrauen, das auf sie gesetzt wird, schließen könnte (1). 1. Die textexterne Bezeugung des 2. Petrusbriefs Der 2Ptr wurde auf den Konzilien von Hippo, Laodizea und Karthago im 4.Jh. als kanonisch anerkannt, danach blieb seine Stellung bis ins 16. Jh. unumstritten. Der 2 Ptr wurde gerade von den Konzilien anerkannt, die die Briefe des Barnabas und des Clemens von Rom verwarfen. Die Väter dieser Konzilien scheinen mit einer vorbildlichen Sorgfalt vorgegangen zu sein. Sie verwandten große Mühe darauf, gefälschte und nachapostolische Schriften auszuschließen und betrachteten den 2Ptr nach gründlicher Prüfung eindeutig als echt (3). Mayor, ein Gegner der ptrn Verfasserschaft, räumt ein, dass er, urteilte er ausschließlich auf Grund der äußeren Bezeugung, sich für die Authentizität des 2Ptr entscheiden müsste. Er verwirft den Brief indes mit der Begründung, er sei vom Judasbrief abhängig und mit dem 1Ptr unvereinbar (5). Der 2Ptr ist kurz. Er eignet sich kaum zum Zitieren. In der frühen Zeit war er nur in einem sehr begrenzten Gebiet im Umlauf. Der Brief soll eine Zeitlang nur in einer einzigen Abschrift existiert haben. Dies könnte seine schwache Bezeugung unter den frühen Kirchenlehrern erklären helfen (6f). 2. Die Gegenüberstellung der beiden Petrusbriefe So beachtlich die Unterschiede sein möge, so sind die Verwandtschaften nicht weniger verblüffend, so dass sogar Mayor zugibt, dass nicht die große Kluft zwischen dem 1 und dem 2Ptr besteht, die einige auszumachen versuchen (9). Linguistische Analysen und Ähnlichkeiten mit dem 1Ptr sprechen keineswegs gegen die Verfasserschaft des Petrus für den 2Ptr. Die Unterschiede zum 1Ptr im Stil und Vokabular können dadurch bedingt sein, dass der 1Ptr mit Hilfe des Silvanus (5,12) geschrieben wurde. Viele, einschließlich R. Bultmann, geben zu, dass sprachliche Unterschiede zwischen den beiden Briefen keinen Widerspruch zur Einheit der Verfasserschaft darstellen; aber sie behaupten, dass die Lehre des 2Ptr unvereinbar mit der des 1Ptr sei und typische Merkmale des nachapostolischen Zeitalters aufweise. Die Alten brachten dieses Argument nie gegen den 2Ptr vor. Der Einwand auf dieser Grundlage ist deshalb völlig neu. Er ist sehr eindringlich von R. Bultmann und E. Käsemann vorgetragen worden (12). Die Lehre (1) Die Gotteslehre Gott wird im 2Ptr beschrieben als der, der in seinem Wesen heilige Liebe ist. Das Universum beginnt (3,5) und endet (3,12) mit dem einen, ewigen Gott (3,8). Er ist heilig und wird Sünde bestrafen (2,4ff), aber wie die atl Schriften mit zunehmender Klarheit verhießen (1,19-21), hat Gott die Initiative zur Rettung ergriffen. Er erwählt, beruft (1,10) und nimmt die Menschen in seine Familie auf (1,1-4). Er erwartet von ihnen ein heiliges Leben (3,14), übernimmt es aber auch, sie von Versuchungen zu befreien (2,9). Die ehrfurchtsvollen Umschreibungen für Gott (seine göttliche Macht, göttliche Natur 1,3f., erhabene Herrlichkeit 1,17 etc.) können durchaus von der Situation abhängig sein, der der Vf. gegenüberstand, als er den Brief schrieb. Mangel an Ehrfurcht vor Gott war der Kern der antinomistischen Haltung, die er angriff. Dies mag wohl sein ‚heilig’ erklären, das er den Propheten beilegt (3,2), deren Autorität sie verhöhnten, und das er dem Gebot beilegt, das sie verächtlich zurückwiesen (2,21), das er auch dem Lebenswandel beilegt (3,11), weil ihre Lebensweise alles andere als heilig war (14). (2) Die Christologie Christus ist der Herr seiner Nachfolger (2,11), dessen Gebot sie gehorchen müssen (2,21). Durch die Erkenntnis Seiner Person betreten die Menschen den Heilsweg (2,20). Es ist die vertiefte Erkenntnis Seiner Person, die die Frucht des christlichen Charakters entstehen lässt (1,8) und die Gnade Gottes in das Leben der Menschen bringt (1,2). An ihn ist die Schlußdoxologie gerichtet (3,18). Obwohl Er wiederholt mit Gott verbunden wird (1,1; 3,10.12), ist Er dem Vater untergeordnet (1,17), von dem Er Ehre und Herrlichkeit erhalten hat. Die Auferstehung wird im lebendigen Christus vorausgesetzt und in dem Titel ‚Kyrios’ angewandt (15). (3) Die Pneumatologie Der Heilige Geist wird nur einmal erwähnt in Verbindung mit der Inspiration der Schrift (1,21). Das ist wahrscheinlich in der seelsorgerlichen Absicht begründet. Der Antinomist brauchte nicht an die Macht des Heiligen Geistes erinnert zu werden, die ihn heiligen sollte. Ihm musste vielmehr die Notwendigkeit der Heiligung und der Teil, den die menschliche Bemühung dabei spielt, bewusst gemacht werden. Der Vf. konzentriert sich auf Ermahnung und scharfe Verurteilung von Sünde. Im Gal dagegen musste Paulus die Christen daran erinnern, dass Heiligkeit des Charakters allein durch den Geist Gottes hervorgebracht werden kann. In beiden Fällen ist der Inhalt durch die Bedürfnisse der Empfänger bestimmt (15f). (4) Die Soteriologie Das Kreuz steht nicht wie im ersten Brief im Mittelpunkt, aber es ist enthalten im Titel ‚Retter’, der häufig auf Jesus angewandt wird (1,1.11; 2,20; 3,2.18). Es klingt an in der "Reinigung von den Sünden" (1,9). Es ist enthalten in dem Satz: „Sie verleugnen den sie erkauft habenden Herrn“ (2,1), denn Christus hat uns durch seinen Tod am Kreuz losgekauft und hat so das unumschränkte Recht des Herrn auf unseren Gehorsam erworben. In 1Ptr 1,19 wird gesagt, dass unsere Erlösung zu keinem geringeren Preis als dem „teuren Blut Christi“ vollbracht wurde, und im 2Ptr wird die Lehre von seinem Opfer als Begründung für den menschlichen Gehorsam vorgebracht. Im 1Ptr wird das Kreuz ausdrücklich als der Grund der Hoffnung (2,24; 3,18) des Christen und als Vorbild für sein Leben angeführt (2,21). Im 2Ptr, wo die Empfänger weder Gewissheit der Errettung noch Trost brauchten, ist das Kreuz implizit vorhanden als die Grundlage zur Verurteilung des Antinomismus. Im Sündigen fortzufahren heißt, die Reinigung zu vergessen, die ihnen einst widerfahren ist, und den Herrn zu verleugnen, der sie erkauft hat (16). (5) Die Eschatologie Sie nimmt als Mittel gegen die Gesetzlosigkeit der Irrlehrer und als Ermutigung zu einem heiligen Leben für andere im 2Ptr einen hervorragenden Platz ein. Nach 3,9 ist es der Wille des Herrn [Gottes], dass alle zur Buße kommen, und in 3,13 wird nach einem neuen Himmel und einer neuen Erde Ausschau gehalten, „in denen Gerechtigkeit wohnt“. Die Eschatologie des 2Ptr trägt die Kennzeichen früher Lehre, nach der wir in den letzten Tagen leben, die mit der Inkarnation, dem Leiden und der Auferstehung Jesu begannen und die mit der Parusie vollendet werden. Die Spannung zwischen realisierter und nicht realisierter Eschatologie ist das Eigentliche des ntl Begriffes ‚Hoffnung’. Genau diese Spannung ist im 2Ptr lebendig. Christen sind schon „Teilhaber der göttlichen Natur“ (1,4), doch müssen sie noch eingehen in „das ewige Reich unseres Herrn und Retters“ (1,11). Sie sind entflohen „dem Verderben, das in der Welt ist“ (1,4), doch aus eben diesem Grund (1,5) sollen sie ihrem „Glauben Tugend hinzufügen“ (1,5ff) und zu dem werden, was sie in Christus sind, damit sie bei der Parusie „weder träge noch unfruchtbar“ sein mögen (1,8). Als bereits Erwählte müssen sie nichtsdestoweniger ihre „Berufung und Erwählung festmachen“ (1,10) (17). (6) Die Parusie-Erwartung Sie bewirkt die natürliche Folge einer gottesfürchtigen Lebensweise. Die ethischen Folgerungen, die aus der Erwartung der Wiederkunft Jesu gezogen werden, sind Heiligkeit, Wachsamkeit und Gehorsam. Der Tag des Herrn wird plötzlich kommen (3,10f); deshalb seid wachsam (3,12). Der Tag des Herrn kann beschleunigt werden (3,12) wie in Apg 3,19-21: „So tut nun Buße, auf dass da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist“. Der Tag des Herrn ist das höchste Mittel, um zu einem geheiligten Leben anzuspornen: „Darum, meine Lieben, weil ihr darauf wartet, so tut Fleiß, dass ihr unbefleckt und unsträflich erfunden werdet“ (3,14) (18). Auf einen Ursprung des 2Ptr im 1.Jh. deutet das Zitat und die Anwendung von Ps 90.4 (1000 Jahre = 1 Tag) in 3,8 hin. Dieser Vers wurde im 2.Jh. zur Belegstelle für den Chiliasmus. Der 2Ptr aber gibt dem Zitat keine chiliastische Ausrichtung. Er verbindet es nicht mit der Dauer des Millenniums, sondern mit der Zeit der Parusie. Dies scheint ein starkes Argument für das große Alter des Briefes zu sein (19). (7) Die Ethik Der ethische Imperativ ist wie in den pln Briefen im Indikativ gegründet. Bei beiden Vfn. ist die Beziehung zu Christus die wesentliche Voraussetzung für den christlichen Wandel. Der 2Ptr war dazu bestimmt, Menschen, die mit Antinomismus vergiftet waren, die Verpflichtung zum geistlichen Kampf und die Herausforderung der zum Christsein gehörigen Heiligung vor Augen zu führen. Die Errettung liegt in der Zukunft, aber man kann sich schon unter Vorwegnahme des Kommenden in der Gegenwart ihrer erfreuen. Der Glaube ist eine Gabe Gottes (1,1). Wenn er nicht „träge und unfruchtbar“ (1,18) sein soll, muss er sich als Wurzel der Früchte des Charakters erweisen (1,5-7). Die Behandlung des Glaubens im 2Ptr ist eng verbunden mit der in 1Ptr 1,5.7. Der Autor fährt fort, die sittlichen Tugenden zu behandeln, die der echte Glaube hervorbringt im Gegensatz zur Gesetzlosigkeit der Häretiker. Nach Jakobus ist Glaube ohne Werke tot (Jak 2,20), nach dem 2Ptr ist er blind (1,9) (19f). Im 2Ptr liegt ein Dualismus vor, wie dies auch in der Lehre Jesu der Fall ist (z.B. im Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, von den Schafen und den Böcken). Aber jedes Mal ist es ein ethischer, kein metaphysischer Dualismus. Der Begriff ’die Welt’ im 2Ptr meint nicht ’die natürliche Welt’, ’die Welt der Sinne’. Der Gebrauch ist identisch mit dem bei Johannes und meint die von Gott entfremdete Gesellschaft. Der Zustand der Entfremdung bringt die Früchte des Verderbens und der Begierde hervor, die sich in Ausschweifung austobt. Es ist der Zustand der Trennung von Gott, mit dem der Autor hauptsächlich befasst ist. Diesen Zustand lässt der Mensch hinter sich, wenn er zur Erkenntnis des Retters kommt (1,3 „durch die Erkenntnis dessen...“, 2,20). Das Verhalten der Antinomisten ist der Beweis, dass sie trotz ihres Anspruchs, ihn zu kennen, nicht dem Verderben der Welt entkommen sind, dass sie trotz der Freiheit, der sie sich rühmen, noch immer unter der Knechtschaft der Sünde sind, die die Welt kennzeichnet (vgl. Joh 8,34). Die Welt und die Gemeinde sind von ihrem Wesen her unvereinbar. Es war der Fehler der Häretiker, dass sie versuchten, sie zu verknüpfen (21). Apotheose (Vergottung) – ein nicht-ptrn Wort - wird von unserem Autor nicht als das Ziel, sondern als der Ausgangspunkt christlicher Erfahrung betrachtet. Er verwendet es, um die Einheit mit Christus zu beschreiben, die Johannes als „Geburt von oben“ (Joh 3,3) oder „Kind Gottes werden“ (Joh 1,12) bezeichnet. Petrus verwendet das Bild der neuen Geburt (1Ptr 1,23), ebenso Jakobus (1,18). Paulus spricht von der neuen Schöpfung (2Kor 5,17). Auf diese Weise wird der Glaubende in die Familie Gottes aufgenommen (Röm 8,15). Der Leib des Christen ist die Wohnung Christi (Eph 3,17; Röm 8,9f) oder der Tempel des Heiligen Geistes (1Kor 6,19). Zum „Teilhaber der göttlichen Natur“ (2Ptr 1,4) gemacht zu sein ist nur ein anderer Ausdruck für diesen unbedingt notwendigen Eintritt in das rechte Verhältnis zu Gott (22). (8) Unterschiedliche Akzentsetzung Eine Wiederholung der Hauptthemen des 1Ptr zu erwarten, wäre unsinnig im Blick auf die völlig unterschiedlichen Situationen, die in beiden Briefen angesprochen werden. Der 1Ptr fasst Christen ins Auge, die Leidenssituationen ausgesetzt sind, der 2Ptr Christen die angesteckt sind mit der Krankheit des Antinomismus. Deshalb ist das Stichwort des 1Ptr Hoffnung, das des 2Ptr Erkenntnis. Der 1Ptr lenkt die Gedanken der Empfänger auf die großen Ereignisse des Lebens Christi, um sie zur Nachahmung anzuspornen und ihnen Mut zuzusprechen. Der 2Ptr legt Nachdruck auf die Hoffnung der Wiederkunft Christi, als Aufforderung, sich zu ändern. Im 1Ptr wird für die Wiederkunft Christi das Wort ’Apokalypsis’ verwendet, die Entfernung eines Schleiers vor ihren Augen, der den Herrn verbirgt, der im Geist allezeit bei ihnen ist. Im 2Ptr wird ’Parusia’ verwendet, das plötzliche Erscheinen des abwesenden Königs unter den ungehorsamen Knechten. In dem einen Wort liegt eine Ermutigung für die Angefochtenen, in dem anderen Warnung an die Spötter. Der 1Ptr dringt auf Geduld, Demut, Rechtschaffenheit. Im 2Ptr ist Heiligkeit der Lebensführung das erklärte Ziel. Das ergangene Gericht Gottes in den Tagen des AT und das kommende Gericht Gottes bei der Wiederkunft Christi unterstreicht die dringliche Mahnung, sich zu verändern. Der Vf. hat die Fülle der Gefahren vor sich, die die Irrlehre mit sich bringt. Die volle Erkenntnis Jesu Christi ist der beste Schutz gegen diese Gefahren, und folglich wird dies betont – im Gegensatz zu der Hoffnung, die den 1Ptr durchdringt. Beide Briefe sind durch die seelsorgerlichen Nöte bestimmt. Hierin ist der Grund für die unterschiedliche Akzentsetzung beider Schreiben zu suchen (22f). (9) Bemerkenswerte Übereinstimmung zwischen 1 und 2Ptr In beiden Briefen ist die Wiederkunft Christi ein Hauptthema. In beiden gilt das AT als durch den heiligen Geist inspiriert und Prophetie als eine göttliche Vorhersage der in den Evangelien berichteten Ereignisse (2Ptr 1,16-21; 1Ptr 1,10-12). In beiden finden wir die Lehre von der Erwählung (2Ptr 1,10; 1Ptr1,2) und von der Wiedergeburt (2Ptr 1,4; 1Ptr 1,23) verbunden mit der Notwendigkeit der Heiligung (2Ptr 1,5ff; 1 Ptr 2,11ff). In beiden ist die ’Langmut’ Gottes auf sein Gericht bezogen, das in 1Ptr 3,20 durch Wasser und in 2Ptr 3,12 durch Feuer vollzogen wird. Beide machen auf die Warnungen der Sintflut (2Ptr 3,6; 1Ptr 3,20), auf Noah (2Ptr 2,5; 1Ptr 3,20) und auf die geringe Zahl der Geretteten (2Ptr 2,5; 1Ptr 3,20) aufmerksam. Beide Briefe deuten die Geschichte und die Vorrechte des alten Gottesvolkes typologisch auf das Gottesvolk des neuen Bundes (2Ptr2,1.5f.7.15; 1Ptr 1,12; 2,9). Beide nehmen die Gemeinsamkeit zwischen dem alten und dem neuen Israel wahr (2Ptr 3,2; 1Ptr 1,12; 2,9). Die sündigen Engel in 2Ptr 2,4 in den Höhlen der Finsternis erinnern and die Geister im Gefängnis in 1Ptr 3,19. Die Geister im Gefängnis hatten Jesus als ihren Verkündiger. Noah war ein Verkündiger der Gerechtigkeit für die Menschen seiner Zeit. Während der 1Ptr Nachdruck auf die Fakten des irdischen Lebens Jesu legt, macht der 2Ptr auf die Verklärung aufmerksam. Nicht zu Unrecht konstatierten die Alten keine gravierenden Unterschiede in der Lehre zwischen dem 1 und 2Ptr (23f). (1) Die hellenistische Färbung des Briefes Es handelt sich um zeitbedingte Sprache. Wenn Paulus die philosophischen Vorstellungen vom Himmelsmenschen und von der ’pleroma’ verwendet, ist es nicht zu verstehen, warum Petrus nicht dasselbe mit Worten wie ’Erkenntnis’, ’Frömmigkeit/Gottesfurcht’, ’göttliche Macht’, ’göttliche Natur’ getan haben kann. Unser Vf. tut nicht mehr als Johannes mit seinem ’himmlischen Samen’, seiner ’Geburt von oben’, seiner Logos-Christologie und dem ’Bleiben in Gott’. Er kleidet die überlieferte christliche Lehre in ein zeitgenössisches Griechisch. Er wendet die Begriffe an und verleiht ihnen eine neue Bedeutung. Er sagt, dass wir Teilhaber der göttlichen Natur sind, um dann als Ursache die Gnade, die kostbare Verheißung des Evangeliums zu nennen. Wir werden zu Teilhabern der göttlichen Natur gemacht, nachdem wir der Welt im Sinne der gegen Gott rebellierenden Menschheit entflohen sind (24f). (2) Die Zerstörung der Welt durch Feuer Die Stoiker vertraten diese Lehre, aber sie lehrten, dass die Welt nach der Zerstörung durch Feuer wieder in ihren vorherigen Zustand zurückkehren würde. Der 2Ptr lehrt, dass ein neuer Himmel und eine neue Erde, ein Kosmos ganz anderer Qualität die alte Welt ersetzen wird. Auf der einen Seite steht man einer pantheistischen Philosophie gegenüber, auf der anderen den Vorläufern des göttlichen Gerichts. Die spezifisch christliche Lehre von der Zerstörung der Welt durch Feuer kann durch den 2Ptr hervorgerufen worden sein (26). (3) Die Art der Irrlehrer Es gibt gute Gründe, die angesprochene Häresie nicht in späterer Zeit zu suchen. Die Gnosis des 2. Jh.s, die auf einem krassen Dualismus basierte, führte zu den beiden einander entgegengesetzten Auswüchsen: der Ausschweifung und der Askese. War der Körper böse, so war es gleichgültig für die Rettung der ewigen Seele, ob man seinen Begierden nachgab oder sie zu töten suchte. Diese Einstellung zum Körper ist dem 2Ptr fremd. In diesem Brief haben wir es mit Ausschweifungen ohne einhergehende Askese zu tun. Wir scheinen uns in der frühen Zeit zu bewegen als die pln Lehre von der Rechtfertigung durch Glauben in die Aufforderung verkehrt wurde: „Lasst uns sündigen, damit die Gnade reichlich vorhanden sei“ (Röm 3,8; 6,1f). Den Irrlehrern wird angelastet, Paulus falsch darzustellen (3,16) (26f). (L.M: Konnte ein Fälscher im 2. Jh. den heiligen Petrus, den ersten Mann der Kirche, sagen lassen, dass einige Dinge in den Paulusbriefen schwer verständlich seien (3,16)? Dieses Eingeständnis kann m.E. nur von Petrus selbst stammen). (4) Die Darstellung der Verklärung (1,16-18) Warum sollte ein Fälscher aus den vielen Ereignissen im Leben Jesu gerade diese auswählen? Petrus gründete die Parusie-Hoffnung auf die Verklärung, eine Erfahrung im Leben seines Herrn, die er bezeugen konnte, weil er dabei gewesen war. Dies war ein Vorgeschmack auf die Wiederkunft. Hier, wie im ersten Brief, hat man den Eindruck, dass Petrus sich auf eine persönliche Erfahrung (1Ptr 5,1) und auf das Zeugnis der Schrift (1Ptr 1,10-12) als dem doppelten Grund, auf dem er die Verlässlichkeit der Botschaft gründet, beruft. Wie stets in der Urgemeinde, wird die Gemeinsamkeit zwischen Apostel und Prophet, ebenso wie zwischen altem und neuem Gottesvolk (2,1; vgl. 1Ptr 2,9) betont. Die ptrn Erzählung scheint unabhängig zu sein und den Darstellungen der Evangelien qualitativ nicht nachzustehen. ‚Heiliger Berg’: das Attribut ‚heilig’ wird in der Bibel häufig auf Orte bezogen, an denen Gott sich offenbart hat. Es entspricht einem Augenzeugen, der rückblickend über den Ort nachsinnt, an dem Jesus seine Herrlichkeit offenbart hatte (28f). 4. Das Problem der Pseudepigraphie Die Pseudepigraphie in der frühen Kirche wurde keinesfalls als legitimer literarischer Kunstgriff betrachtet. Paulus wendet sich in 2Thess 2,2; 3,17 mit scharfen Worten gegen diese Praxis (35f). Im 2. Jh. wurde der Vf. der Paulusakten wegen eben dieses Vergehens von seinem Amt als Presbyter abgesetzt. Von Tertullian erfahren wir, dass der Vf. sein Werk unter dem Namen des Paulus verbreitete und so den Ruhm des Paulus durch seinen eigenen gleichsam zu mehren suchte. Ihm wurde sein Priesteramt entzogen (36). Im 2. Jh. waren eine Vielzahl von Fälschungen im Umlauf. Diese hatten gewöhnlich bestimmte Merkmale. Sie versuchten für häretische Lehre apostolische Autorität zu beanspruchen oder eine geheime Überlieferung des betreffenden Apostels zu verkörpern. Gelegentlich versuchten sie auf Fragen zu antworten, die die Neugier einer dritten Generation stellte. So ist das Petrusevangelium im Interesse einer doketischen Christologie geschrieben worden (40). Im 2Ptr lassen sich keine Anachronismen in der Sprache oder Lehre feststellen. Der Brief verfolgt keine heterodoxen Ziele. Er berichtet nichts, was wir nicht schon über Petrus wüssten. Er ist keine Polemik wie die Pseudo-Klementinen. Er weist keine Ähnlichkeit zu einer der ptrn Fälschungen des 2. Jh.s auf. Er erwähnt keine Probleme des 2.Jh.s: Chiliasmus, Gnosis, Kirchenrecht oder theosophische Systeme. Als pseudepigraphische Schrift hat er keinen befriedigenden Daseinszweck. Die Argumente gegen ihn nehmen sich keineswegs zwingend aus. Es kann nicht mit letzter Sicherheit nachgewiesen werden, dass Petrus der Vf. war, aber es steht noch der Beweis aus, dass er es nicht war (41).
II. Einleitung
Anders als der 1Ptr, der die schwierige Situation von christlichen Gemeinden als religiöse Minorität in nicht christlicher Umgebung reflektiert und in dieser Leidenssituation Handlungsanweisungen bietet, versteht der Vf. vom 2Ptr die Gemeinde nicht als bedrängte Minorität, noch kamen die Gegner von außen. Der 2Ptr hat durchgehend eine rein binnenkirchliche Perspektive. Die Welt ist die zum Untergang durch die Sintflut bestimmte alte (2,5) und damalige Welt (3,6). Im Hinblick auf die Gegenwart spricht der 2Ptr von den „verderblichen Begierden der Welt“ (1,4) und vom „Schmutz der Welt“ (2,20), denen die Christen entkommen sind. Die Gegner leben in der Gemeinde (bei euch/in eurer Mitte 2,1) wie einstmals die falschen Propheten im Volk Israel (73). In keiner anderen ntl Schrift kommen hellenistische Begriffe und Vorstellungen so zahlreich vor wie hier. Die Flucht aus der Vergänglichkeit, der durch Gottes Kraft geschenkte Anteil an der göttlichen Natur, das Leben in Gott, Erkenntnis Gottes und unvergängliches Wesen machen den Inbegriff hellenistischer Frömmigkeit aus (73f). Neben der Kenntnis hellenistischer Vorstellungen und Wendungen setzt der Vf. bei den Lesern noch mehr Kenntnisse aus der jüdischen Tradition u.a. aus apokalyptischen Schriften voraus, und die negativen und positiven Beispiele aus Israels Geschichte (2,4-10.15f), die Erwartung des Auftretens von Spöttern als Zeichen der Endzeit (3,3), Gottes Wirken bei der Schöpfung und der Sintflut (3,5f), die Erwartung eines Weltenbrandes (3,7.10.12), die Erwartung eines (dritten) neuen Himmels und einer neuen Erde (3,13), die Rolle der Schrift als von Gott inspiriertes Wort (1,21) und als Verheißung (3,13), sowie die Funktion der Propheten (3,2) (74). Das Ziel des Vf. ist pastoralpraktisch orientiert: „Darum will ich euch immer an das alles erinnern, obwohl ihr es schon wisst und in der vorhandenen/offenbaren Wahrheit gefestigt seid“ (1,12). Unter Rückverweis auf den 1Ptr heißt es in 3,1: „Dies, Geliebte, ist schon der zweite Brief, den ich euch schreibe, in beiden halte ich durch Erinnern eure lautere/reine Gesinnung wach“ (auch nach 1,13 will der Vf. die Leser wachhalten). Der Hinweis darauf, dass ‚Petrus’ die Leser nur erinnern will, ist begründet im Verständnis der christlichen Existenz. Die Leser sind Wissende (1,12: „obwohl ihr es wisst“; 3,17: „weil ihr es im voraus wisst/kennt“), sie sind „in der Wahrheit gefestigt“ (1,12) und haben „Festigkeit/Stütze“ (3,17). Begründet ist dies im Indikativ des Heilszuspruchs zu Beginn des Proömiums (1,3f) mit der Betonung, dass „alles für unser Leben und Frömmigkeit die göttliche Macht [Gott] uns geschenkt hat“. Klarer können das Stichwort Gnade (2) und die Aktivität Gottes, sein Rechttun sowie Jesu Christi Rettersein (1) aus dem Präskript nicht abgesichert werden. Die Leser sind Erwählte und Berufene. Durch Erinnern und Wachhalten der Erinnerung will der Vf. die Leser im Bemühen stärken, „ihre Berufung und Erwählung zu festigen“ (1,10) (75). Die Leser haben die Erkenntnis des wahren christlichen Glaubens (1,3; 2,20f), dennoch bindet der Vf. das Vorhandensein und Wachsen in der Verwirklichung des christlichen Lebens an diese Erkenntnis. Die Leser haben „Gnade und Frieden“ (2), dennoch sollen sie alles daransetzen, beim Gericht „im Frieden angetroffen zu werden“ (3,14), und dennoch lautet die Schlussmahnung: „Wachset in der Gnade und Erkenntnis“ (3,18). Die Spannung vom Indikativ des bereits erlangten Heils und der Aufforderung, es zu verwirklichen, ist eigentliches Thema des Briefes, wie das Proömium (1,3-11) mit dem Briefeingang (1,1f) und der Briefschluss (3,17f) belegen. Der klare Aufbau des Proömiums bestätigt diesen Gedanken. Nach der Heilszusage (3f) folgen in V5 mit darum die inhaltlichen Konsequenzen für einen christlichen Lebenswandel, hellenistisch gesprochen: die Verwirklichung der Tugenden, die ein Christ teilhaftig der göttlichen Natur (4) und der göttlichen Tugend (3) auch zeichenhaft zu beweisen hat. Gut jüdisch und gut griechisch sind die Werke Zeichen des Glaubens. Nur „wenn ihr das tut“ (10), nur wenn die Christen ihre Glaubenspraxis (1,5-7) verbinden und intensivieren mit und für den Glauben an die vollzogene Erlösung (1,1-4), steht auch der abschließende Indikativ der futurisch-eschatologischen Verheißung unerschütterlich fest (75f). Das Thema vom 2Ptr lautet: Das Verhältnis von Heilszuspruch, vom bereits erfahrenen gegenwärtigen Heil, und seinen Auswirkungen auf die Lebensführung, für die der Mensch in der Zukunft im Gericht Gottes volle Verantwortung zu tragen hat. Als Frage formuliert: Erwartet die Frevler (2,7; 3,17) und Gesetzlosen und alle diejenigen, „die die Macht des Herrn [Gottes] verachten“ (2,10) ein gerechtes Gericht, das Verderben (2,12.19) und Untergang (2,1.3; 3,7.16) für sie bringt? Warum zögert Gott mit der Verheißung, wie einige meinen (3,9)? Dem Vf. geht es um Gottes Herrschaft und Macht angesichts des Lebens in der Welt (2,1.10). Gottes Herrschaft und Macht zeigen sich für ihn in der Schöpfung (3,5), in der Sintflut für die Frevler (3,6) und in der Rettung des Noah (2,5), in der Zerstörung von Sodom und Gomorra wie in der Rettung des Lot (2,7). Aufgrund dieser Erfahrungen plädiert der 2Ptr für die Gewissheit hinsichtlich der zukünftigen Parusie zur Rettung der wahren Christen (1,3-11; 3,11-18) sowie zur Vernichtung der Frevler in der Gemeinde (2,10-22). Den Vf. treibt die Frage nach der Theodize, der Rechtfertigung Gottes angesichts des Bösen in der Welt (76f). Die Ablehnung der zukünftigen Parusie (mit Gericht) und die Frage: Wo ist denn euer Gott? (Wo bleibt seine Herrschaft, die sich gegen die Frevler und Spötter durchsetzt?) ist die häufig belegte Frage der libertinistischen Spötter (der Toren), die es sich in jeder Weise gut gehen lassen und dafür keine Strafe erwarten. Dem Spott der Gegner: ’Gott straft nicht, es gibt keinen Gott’ und ihrem praktischen Atheismus steht die Frage der Frommen: „Wie lange noch“? hilflos gegenüber (77f). Die Verzögerungsproblematik, sowie die vielen Beispiele aus der jüdischen Geschichte und die vielen Anklänge aus der apokalyptischen Literatur legen es nahe, libertinistisch-hellenistische, judenchristliche Spötter als Gegner vom 2Ptr anzunehmen (nicht libertinistische Gnostiker). Da die Gnostiker die Präsenz des Heils vertreten, ist für sie die Erwartung der kommenden Parusie kein Thema. Das ganze Denken vom 2Ptr erweist sich als spezifisch hellenistisch-jüdisch. Der Vf. verficht die Einheit von Orthodoxie und Orthopraxie, indem er beides im Gottesbild verankert (78). Der 2Ptr betont die Einheit von futurischer Eschatologie/Parusie (beim Gericht) und präsentischer Eschatologie (in der Verklärung). Die Logik vom 2Ptr lautet: Die Hoffnung auf die Zukunft ist verbürgt, da der Glaube an die Vergangenheit, an Jesu Größe, Ehre und Herrlichkeit (17f) verbürgt ist. Die Erzählung von der Verklärung Jesu ist keine klug ausgedachten Mythe (16), denn es gibt für sie Augen- und Ohrenzeugen, der Vf. ’Petrus’ bürgt dafür mit seinem Namen (79). Die Gegenwärtigkeit der Eschatologie ist Garantie für die endzeitliche Parusie. Die Christen haben nicht nur die wahre Erkenntnis erlangt (1,2), sondern auch „Anteil an der göttlichen Natur“ (1,4). In der Verwirklichung der geschenkten Erkenntnis in der Ethik und durch die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln im Gericht Gottes wird der eschatologische Vorbehalt festgehalten. Bereits das Proömium (1,3-11) enthält das Thema in nuce mit allen Aspekten der präsentischen (3f) und futurischen Eschatologie (10f), deren spannungsreiches Miteinander als Prozess, als Wachsen, als immer deutlichere Verwirklichung der Heilszusage in der Ethik verstanden wird (5-!0). Dabei zielen „die kostbaren und größten Verheißungen“ (4) auf die Inhalte der futurischen Eschatologie (3,4.9.13). Der Brief muss demgemäss Ausführungen zur Orthodoxie (Glaube an die Herrschaft und Macht Gottes von der Schöpfung bis zum Gericht) und zur Orthopraxie (Verwirklichung in sittlich gelebter Lebensführung) in gegenseitiger Verwiesenheit aufeinander enthalten. In dem 2Ptr geht es um die Einheit von Glauben an die Wahrheit (1,12) und Tun der Wahrheit als „Weg der Wahrheit“ (2,2) und als „Weg der Gerechtigkeit“ (2,21) (79f). Der Vf. will in eine ganz bestimmte notvolle Gemeindesituation hineinwirken, um die Irrlehrer zu widerlegen und um die wahrhaften Christen in Glauben und Ethik zu stärken (80). 2. Die Rezeption des Judasbriefes Von den 25 Vv des Jud wurden 19 sicher, weitere drei wahrscheinlich verarbeitet. Der 2 Ptr bietet freie Variationen mit Verkürzungen und Erweiterungen, die sich aus seiner Wirkabsicht auf die Leser erklären lassen (die Rettung von Noah und Lot in 2,5.7-8 als positive Beispiele für die Frommen und V 2,9). Der 2Ptr erweist sich in allen Fällen als sekundäre Modifizierung. Es ist deutlich, dass Jud als literarische Vorlage rezipiert wurde (82f). Dennoch hat der 2Ptr sein Thema, Gott als Herr der Geschichte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, inhaltlich: in der Schöpfung, in der Offenbarung (in der Verklärung und in der Erkenntnis der Christen) und beim zukünftigen Gericht in der Einheit mit anthropologischen Aspekten (Gericht als Konsequenz menschlicher Freiheit, so dass das Tun und Lassen der Menschen nicht beliebig ist, sondern theologische Gerichts-Dimension hat) nicht von Jud übernommen. Die Gegner des 2 Ptr sind Leugner der Macht Gottes in Fürsorge für seine Frommen und in Bestrafung der Gesetzlosen, die aufgrund dieser theozentrischen Position eine verwerfliche sittliche Lebensführung praktizieren, da sie von Gott nichts mehr erwarten. In selbstherrlicher Überheblichkeit sagen die Toren und Frevler: ’Gott straft nicht, es gibt keinen Gott’ (83). Der 2Ptr hielt die polemische Entlarvung der Gegner aus Jud als Wirkmittel für geeignet, um in seinem Sinne auf seine Adressaten einzuwirken, d.h. sie im Glauben und in der Ethik zu stärken (84). Second Peter used Jude Hiebert: It is more likely that 2Peter, as the longer of the two, would incorporate the contents of the shorter epistle than the other way around. If Jude used 2Peter it is strange that he should use only the second chapter and leave unnoticed the remainder of the epistle, which would have offered helpful material. It is more probable that 2 Peter would omit from Jude what seemed hard to understand or was likely to give offense than that Jude should insert such things. The abbreviated statement in 2Peter 2,11 is hardly intelligible without the fuller statement in Jude. The statement in 2Peter 2,17b has become obscure because of the ommission of the reference to the wandering stars in Jude 13. The language of Jude is stronger and more vehement than 2Peter. It is more probable that the fervid epistle was the original and that the writer of 2Peter softened some of the sterner language in Jude. The reference to apocryphal books in Jude in contrast to the absence of all such references in 2Peter indicates that the writer of 2Peter deliberately excised those references because of their unorthodox character. The view that Jude was written first is widely accepted today (H. 197f). III. Kommentar 1. Briefeingang (Anschrift und Gruß 1,1-2) „Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi, an alle, die den gleichen kostbaren Glauben erlangt haben wie wir durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus. (2) Gnade sei mit euch und Friede in Fülle durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn“. (Einheitsübersetzung). „Simon Peter, a servant and apostle of Jesus Christ, to them that have obtained a like precious faith with us in the righteousness of our God and the Saviour Jesus Christ: (2) Grace to you and peace be multiplied in the knowledge of God and of Jesus our Lord” (ASV). (1) “Simeon Peter, servant and apostle of Jesus Christ, to those who have received a faith as honorable as ours through the justice of our God and Jesus Christ the Saviour. (2) May favour and peace be abundant in you by your acknowledgement of God and Jesus our Lord”. a. Anschrift (1) „Simon Peter a servant and apostle of Jesus Christ“ D.E. Hiebert: In keeping with the epistolary practice of that day, the writer begins with his own name, “Simon Peter”. The double name recalls the twofold aspect of his life before and after discipleship to Christ. Simon was his old name, reminiscent of his years as a Galilean fisherman; Peter, the name given him by Jesus during their first personal encounter (John 1,42), speaks of the transforming work of Christ that he experienced (H. 30). If Peter used the double name with a testamentary purpose in mind, he was certainly reminiscing about the change that Christ had wrought in him. Two nouns, standing in apposition with his name, describe the writer’s relationship to Jesus Christ: he is His servant and apostle. The first term places him on a spiritual level with fellow-believers in Christ; the second marks his distinctive commission as Christ’s messenger to the world (cf. 1 Pet 5,1) (31). A servant of Jesus Christ. Doulos, the ordinary Greek word for slave portrays the spiritual yieldness of one totally devoted to his loving Lord. It expresses the writer’s consciousness that, like all believers in Christ, he is no longer his own but has been bought at a great price (1 Pet 1,18f) and therefore must do his Master’s will. Simon Peter’s impetuous self-will, wherewith he used to gird himself and walk whither he would (John 21,18), has long since been subdued; he now gladly acknowledges Christ’s ownership and lordship over his life. He derived his dignity as Christ’s servant from the exalted status of his glorified Lord (32). An apostle of Jesus Christ. Apostolos declares his special call and commission from his Master. This term, which literally means ‘one sent forth’, here has its usual restricted meaning to denote one of the twelve disciples whom Jesus chose, trained and commissioned as His representatives. Servant and apostle – the first term is personal and the second official. The terms combine a deep sense of personal humility and a keen sense of delegated authority. For Peter and the early Church, the designation ‘Jesus Christ’ embodied their faith that the man Jesus was the promised Messiah. This faith arose from their associations with Him while he was on earth and received unshakable confirmation from His resurrection and ascension (H. 32f). Neyrey: Modern readers tend to interpret ‘servant’ and Christian leadership in terms of humble service, not hierarchy or power. But ‘servant’ indentifies special agents of God who were either kings, partriarchs or prophets: Moses, Samuel, David and Ahija. As officials in the household of God, the servants of God have specific rights and duties. Simeon Peter is not only a ‘servant’ or majordomo over the household of the church, but also apostle. The author formally identifies himself as a person with an honorable status whose remarks should be taken seriously and whose role be duly acknowledged (N. 144f). “To them that have obtained faith” Hiebert: The unnamed readers have had a specific spiritual experience. There is no indication of their geographic location, but under the most likely interpretation of 3,1, they were the Christians residing in Asia Minor. Yet the formulation of the address implies that this is a message for all who have accepted the gospel of Christ. The fact is that his readers have obtained Christian faith. The verb means to obtain by lot, with the implication that it was not an attainment because of personal merit or effort, but an allotment as a free gift. Faith here means the God-given ability to respond to His grace by personal commitment and trust. That the word involves the personal response of faith is clear, for the entire epistle is directed to those who have personally accepted the message of the gospel. But to be valid and effective such a personal faith must be grounded in the objective revelation from God (H. 33f). “...a like precious faith with us” (ASV), “a faith as precious as ours” (NIV) Lucas Green: Peter says that this faith was the same experience that the first Christians had, and that everything they found precious in the gospel these Christians find as precious too. The youngest Gentile Christian has received “a faith as precious as ours”. We (today) stand in the same relation to God as did all the generations of believers in the past (L/G. 35). Dennoch L.M.: Von Anfang an gibt es zwei Arten der Evangeliumsverkündigung. Nach Petrus haben die pln Heidenchristen nicht denselben Glauben wie die Judenchristen empfangen, sondern „einen gleich wertvollen“ (isotimon) (s. Text 3). "durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus" (Einheitsübersetzung). „in the righteousness“ Lucas/Green: Peter is using this word differently from the way Paul uses it: this is not the righteous declaration God speaks over his people; it is the righteousness which God is in himself, his character, his moral uprightness and utter impartiality. As in 1Ptr (2,24; 3,12.14.18; 4,18), so in this Epistle (2,5.7f.21; 3,13) the word has the ethical associations which we find given to it in the OT (L/G 35). “through the justice” Neyrey: It is not accidental that God is first and foremost known in terms of ‘justice’ in this letter, since the dominant issue throughout will be a defense of theodicy, or God’s just judgement. God’s judgement is both benevolent, as it is in the letter opening, and just, as it is defended in chapter 2 (N.147). „unseres Gottes und Retters Jesus Christus...“. Ist die Aussage ein- oder zweigliedrig? durch die Gerechtigkeit, die „unser Gott gibt und der Heiland Jesus Christus“ (revidierte Lutherausgabe) „our God and the saviour Jesus Christus“ (ASV, KJM, Weymouth) „our God and Jesus Christ the Saviour” (J. Neyrey) H. Frankemölle: Die Apposition in (1b) „unseres Gottes und Retters Jesus Christus“ könnte sich auf die hellenistisch verstandene Gottheit Jesu Christi beziehen. Die Frage der Göttlichkeit Jesu war für griechische Gemeinden und ihre Theologen kein Problem, aber für Judenchristen (vgl. Paulus und seine Mittler-Christologie: „durch Christus“, der trotz seines Herrseins Phil 2,11 „zur Ehre Gottes des Vaters“ wirkt). Die Wendung dürfte zweigliedrig sein, denn Jesus Christus wird im 2Ptr nie Gott genannt. In der eingliedrigen Formel wird immer nur von „unserem Herrn und Retter Jesus Christus“ gesprochen (1,11; 2,20, 3,2.18). Gott ist nach 1,17 „Gott der Vater“, dem nach 1,21; 2,4; 3,5,12 ihm eigene Tätigkeiten etc., vorbehalten sind. Vor allem wird schon in 1,2 deutlich differenziert, so dass entgegen der allgemeinen exegetischen Meinung in V1 noch zwischen Gott und Christus zu unterscheiden ist. ‚Herr’ ist Jesus aufgrund seiner Verklärung, ‚Retter’ weist auf seine Funktion für die Menschen in der Erlösungstat hin. Die Rettung durch Jesus Christus wird mit der ‚Gerechtigkeit’ Gottes parallelisiert. Die Aktivität Gottes und die Jesu Christi steht als Basissatz allen folgenden Ausführungen voran (89). J. Neyrey: V1,2 distinguishes God and Jesus; there appears to be an intended parallelism between 1,1 and 1,2. It is one thing to call Jesus ‘Lord’, but a rare thing in the NT to call him ‘God’ (John 1,1-3; 20,28). In the late first century he is increasingly acclaimed as divine with the title ‘God’. With the possible exception of Phil 1,11, all references to ‘dikaiosune’ in the NT refer to God’s not Christ’s righteousness. From the document itself, it would appear to be unclear what is contextually meant by Jesus’ ‘justice’. This document is concerned with God’s justice both as impartiality in benefaction (1,1) and as just judgment of saints and sinners. Granted that Jesus’ parousia is the occasion for God’s judgment, the letter defends God’s justice (2,4.9f). When (2,5) Noah is described as the ‘herald of justice’, this surely refers to God’s judgment, the rescue of the just and the punishment of the wicked. The focus of the rest of the document, then, is on God, and in particular on theodicy (N. 148). Der Titel 'Gott' für Jesus? L.M.: Wenn Petrus diesen Titel auf Jesus angewandt hätte, wäre Petrus für die Urgemeinde und Jakobus untragbar gewesen. Dieser Titel würde für eine Spätdatierung sprechen. In 3,18 wird Jesus nicht als Gott bezeichnet, dort wird gesagt, dass ihm Herrlichkeit gebührt, die er von Gott in der Verklärungsszene erhalten hat s.u. b. Gruß – ein Gebetswunsch (2) „Grace to you and peace be multiplied” Lucas/Green: Grace means the generous heart of God who determines to treat sinful men and women as he lovingly wishes rather than as they actually deserve. It is God the father’s sovereign good pleasure, totally unmerited by us, which raises us from the ash-heap to a throne of glory. It is the servant-like manner of God the Son who became a man, lived, taught, died, rose again and reigns for us. It is the humble work of God the Holy Spirit who equips us to love and serve him now with his grace-gifts (charismata), and who is the down-payment for the day when we shall be changed into the likeness of Jesus Christ himself. The gospel is grace, God’s good pleasure to delight in people who do not deserve it. We have peace with him because the immediate result of God’s grace is that his rightful anger at our disobedience is appeased. That is achieved through the death of our Saviour Jesus Christ. As a result of being reconciled to God by the death of Jesus on the cross, we have peace with God and peace with one another. If we are Christians, the gospel is doing its work and God is re-creating his people under his rule (L/G. 36f). “… in the knowledge of our God and of Jesus our Lord” Peter says this grace and peace come through the knowledge of God and of Jesus our Lord. Knowing God is so momentous that Peter uses the word almost with the meaning of being converted (1,2f.8; 2,20f). This is an essential foundation, for if we do not know Christ himself then it is empty to know about him. Such an amazing gift of grace and peace can come only through a personal knowledge of God himself (L/G. 37). W. Barclay: Nach ntl Verständnis ist Erkenntnis ihrem Wesen nach persönliche Erkenntnis. Paulus sagt nicht: „Ich weiß, woran ich glaube“ sondern; „Ich weiß, an wen ich glaube“ (2Tim 1,12). Erkenntnis Christi bedeutet für Christen persönliche Kenntnis Jesu Christi (B.278). Jesus is the Saviour Lucas/Green: Peter calls Jesus Saviour five times (1,1.11; 2,20; 3,2.18) and talks of salvation once (3,15). These highlight the three tenses of salvation: past, present and future. Of the past, Peter says we have “been cleansed from [our] past sins” (1,9), and he attributes that work to our Saviour Jesus Christ (1,1). Of the present, he says that Christians “have escaped the corruption of the world by knowing our Lord and Saviour Jesus Christ” (2,20). Of the future, he writes that Christians need not be concerned about the delay of the second coming, because “our Lord’s patience means salvation” (3,15). We can say: Jesus Christ has saved us because those sins which defiled us in God’s sight have been cleansed away. He is saving us because he protects us from the influences in the world which pull us away from him and he will save us on the day of judgement (L/G. 38). Jesus is the Lord 2Peter was written to people who claim Jesus as Saviour but do not obey him as Lord. That appears to be the reason why the writer significantly combines the roles of Lord and Saviour (1,11; 2,20; 3,2.18). These two titles go together. It is only because Jesus is the Lord that he can be the Saviour; and if he is the Saviour then he owns those he has saved, and he has the right to be their Lord. Peter reminds the Christians that the Judge and Saviour on judgement day will be Jesus. As a result, we should live in gratitude for his salvation and in obedience to his lordship. He is the source of eternal salvation for all who obey him (L/G. 41). Barclay, William, Brief des Jakobus, Briefe des Petrus, übers. von Dr. E. Leseberg, 1973 Frankemölle, Hubert, 1. und 2. Petrusbrief, Judasbrief, 1987 (referiert in wörtl. Anlehnung)
Green, Michael, 2Peter and Jude, 1987, 2009
Harvey, Robert, 2Peter and Jude, 2009 Hiebert, D. Edmont, Second Peter and Jude, 1989 Klein, Günter, Die zwölf Apostel, 1961 Kruger, Michael, The authenticity of 2Peter, in: Journal of the Evangelical Theological Society, 1999 (645-71) Küng, Hans Credo, 1992,217-9 Lucas, Dick & Green, Christopher, The Message of 2 Peter & Jude, 1995 Neyrey, Jerome H., 2 Peter, Jude, 1993 Schreiner, Thomas R., 1,2Peter, Jude, 2003
Vögtle Anton, Der Judasbrief und der zweite Petrusbrief, 1994
ASV = American Standard Version KJV = King James Version NIV = New International Version, 1978 Weymouth = Weymouth, Richard Francis, The New Testament |