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Der unterschätzte Petrus
1. Mt 16,17-19
2. Das Wort vom ’Felsenmann’ 3. Petrus als die apostolische Grundgestalt der Kirche 4. Markus, Schüler des Petrus 5. Das Wirken des Petrus außerhalb Judäas 6. Der Konflikt mit Paulus in Antiochien (Gal 2,11ff) 7. Petrus in Korinth 8. Zur Theologie des Petrus 9. Petrus als Organisator und Missionsstratege 10. Ergebnis 11. Zeittafel 12. Anhang: Petrus - Begründer der Heidenmission (Apg 10-11)? (17) „Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut hat dir das geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel. (18) Und ich sage dir: Du bist Petrus, auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten des Totenreichs werden sie nicht überwältigen. (19) Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden bindest, das soll im Himmel gebunden sein und was du auf Erden löst, das soll im Himmel gelöst sein“. Die Verheißung an Petrus lässt sich nicht auf Jesus zurückführen. Jesus hatte im Blick auf die Zukunft nicht Ereignisse der nach Ostern beginnenden Kirchengeschichte im Auge, sondern den für alle sichtbaren Anbruch der Gottesherrschaft. ’Binden und Lösen’ sind rabbinische termini technici für Entscheidungen, die ‚verbieten’ und ‚erlauben’ bzw. ‚den Bann verhängen’ und ‚aufheben’ bedeuten. Matthäus, ein judenchristlicher Schriftgelehrter und vermutlich ein erfahrener Gemeindeleiter gegen Ende des 1. Jh.s, übernimmt diese Terminologie von seinen Gegnern, den pharisäischen Schriftgelehrten und bringt dadurch die ganz besondere für Erde und Himmel geltende Vollmacht des Petrus in Verkündigung und Kirchenleitung, in Lehre und Ordnung zum Ausdruck. (In der allgemein auf die zwölf Jünger bezogenen Parallele 18,18 wird dagegen nur deren Disziplinarvollmacht hervorgehoben). Die „Schlüssel des Himmelreichs“ beziehen sich auf die Petrus nach Ostern anvertraute Botschaft, deren Kern das Bekenntnis zu Jesus als dem Messias, Sohn des lebendigen Gottes (16,16) und Bringer der Gottesherrschaft ist. Wer diese Botschaft in glaubendem Gehorsam ergreift und sein Leben ihr entsprechend führt, dem öffnet sich der Zugang zum Gottesreich, während die pharisäischen Schriftgelehrten für sich selbst und andere durch ihre Feindschaft gegen Jesus diesen Zugang verschließen. Ähnliches gilt für alle, die „Herr, Herr“ sagen, aber „den Willen meines Vaters im Himmel“ missachten. Matthäus will diese Botschaft Ende des 1. Jh.s in seinem Werk für die ganze Kirche neu zur Sprache bringen (4-7). Jesu Wort vom ‚’Felsenmann’ ist einzigartig im NT. Nirgendwo sonst wird ein einzelner Jünger Jesu in vergleichbarer Weise ausgezeichnet. Dies gilt schon für die an ihn allein gerichtete Seligpreisung. Am ehesten könnte man an den rätselhaften Lieblingsjünger im Joh-Ev denken, der in einer gewissen Konkurrenz zu Petrus dargestellt wird, aber auch dieser ideale Jünger erhält keine solche einmalige heilsgeschichtliche Funktion. In Joh 21,15-17 wird nicht ihm, sondern Petrus nacheinander dreimal der Auftrag gegeben: „weide meine Schafe“, d.h. selbst bei Johannes verleiht der Auferstandene Petrus eine überragende Führungsrolle (11f). Nach Apg 4,13 wundern sich die Hohenpriester (4,6) über die unerschrockene Rede des Petrus und des Johannes, da sie „ungebildete Laien“ waren. Auch die Griechischkenntnisse des Petrus werden nicht einwandfrei gewesen sein, darum ist die durch Papias erhaltene Nachricht, Markus sei Dolmetscher des Petrus gewesen, nicht einfach abzuweisen (19). Was die rhetorische Ausdrucksweise anbetrifft, war Paulus aus der Weltstadt Tarsus, der in Jerusalem studiert hatte, dem einstigen Fischer aus einem galiläischen Dorf haushoch überlegen. Im freien Vortrag muss jedoch auch Petrus ein geistesmächtiger Redner gewesen sein in seiner Muttersprache, dem Aramäischen und auch in einem etwas fehlerhaften Griechisch. Nur so lässt sich seine einzigartige Autorität zunächst als Sprecher der Jünger in Jerusalem und später als Missionar auch außerhalb Palästinas erklären (20f). Für Matthäus ist Petrus, entsprechend dem Namen, den ihm der Herr selbst gegeben hat, der beherrschende Kopf im Jüngerkreis und in der werdenden Kirche gewesen. Seine Autorität als Vermittler von Jesusüberlieferung hat im Mt-Ev ihren Niederschlag gefunden (22):
a) Durch sein Bekenntnis
b) Petrus erscheint als der Fels,
In Eph 2,20f ist die Gemeinde von Gott „aufgebaut auf dem Fundament der Apostel und Propheten, wobei Jesus Christus der Schlussstein ist, durch den der ganze Bau festgefügt wächst zum heiligen Tempel im Herrn“. Hier sind alle von Christus ausgesandten geistbegabten Verkündiger der Frühzeit mit ihrer Botschaft das Fundament der Kirche, die durch den Schlussstein zusammengehalten wird und zum Ort der Gegenwart Gottes heranwächst. Bei Matthäus handelt es sich um einen zukünftigen Bau, im Eph um einen gegenwärtigen, ja schon vollzogenen, auch erscheint Christus nicht als Bauherr und nicht als Grundstein, sondern als Schlussstein, der den Bestand des Baus garantiert. In Mt 16,18 ist nicht ein Kollektiv von Aposteln und Charismatikern das Fundament, sondern eine einzelne Person, die damit alle anderen überragt. Jesus selbst hat dem von ihm berufenen Fischer Simon den aramäischen Beinamen ’Kephas’ gegeben, der dann mit dem Griechischen Petros übersetzt wurde. Nur Matthäus stellt einen Zusammenhang zwischen dem Messiasbekenntnis und dem Beinamen Petros her, auch verwendet er ihn, im Gegensatz zu seiner Mk-Vorlage, von Anfang an: D.h. er legt auf diesen Beinamen, der den Träger ehrt, größten Wert (28-30). Der Hinweis auf den einzigen „Grundstein“ Jesus Christus, den Paulus selbst gelegt hat (1Kor 3,11), lässt vermuten, dass Paulus andere ’Fundament’-Ansprüche zurückweisen wollte. Das Bild vom Felsen Petrus, auf den Christus seine Kirche baut, erinnert an Jes 51,1f, wo Abraham als der Fels bezeichnet ist: „Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid. Schaut Abraham an, euren Vater... Denn als einzelnen habe ich ihn berufen, gesegnet und gemehrt“ (38f). Petrus erscheint als die eine maßgebliche Jüngergestalt, hinter der die anderen Jünger völlig zurücktreten, in der Regel nur als Kollektiv handeln und wie Statisten erscheinen. Für Matthäus war die Namensgebung ein Akt göttlicher Erwählung und Verheißung (40f). Petrus ist der beherrschende Wortführer der Jünger und der einzige wirkliche Gesprächspartner Jesu. Das Wort von den Schlüsseln zur Gottesherrschaft stellt Petrus als wahrhaft bevollmächtigten Verkünder und Lehrer in schroffen Gegensatz zu den Schriftgelehrten und Pharisäern, die die Gottesherrschaft vor den durch sie Belehrten verschließen, aber auch zu allen, die die neue Tora des Messias und die in ihr geforderte Gerechtigkeit verachten (44). 3. Petrus als die apostolische Grundgestalt der Kirche Matthäus wusste sich als judenchristlicher Schriftsteller ganz einer Petrustradition verpflichtet, die gegenüber der Heidenmission geöffnet ist und darum wie er ein enges, dem bloßen Buchstaben der Tora verpflichtetes Judenchristentum ebenso ablehnte wie ein Heidenchristentum, das unter Berufung auf die Freiheit vom Gesetz Gottes Willen, wie er in den Geboten Jesu sichtbar wird, missachtete. Für Matthäus sind weder Jakobus, der Herrenbruder in Jerusalem, noch Paulus und seine heidenchristlichen Missionsgemeinden, noch Johannes und sein Schülerkreis für die weitere Zukunft der Kirche grundlegend, für ihn war Kephas/Petrus die einzige ’Säule’, die diese Bezeichnung verdient. Der Erfolg seines Evangeliums zeigt, dass er mit dieser Anschauung nicht allein stand. Petrus erhält nicht erst in nachapostolischer Zeit diesen besonderen Rang, er ist diese Grundgestalt schon in der ersten Generation, im Rückblick bereits vor Ostern und er bleibt es über sein Martyrium hinaus – zusammen mit seinem Kontrahenten Paulus – für die ganze Kirchengeschichte bis heute. Seine überragende Bedeutung bezeugt die Evangelienüberlieferung zwei Jahrzehnte vor Matthäus: das Mk-Ev und drei Jahrzehnte früher: die Briefe des Paulus (Gal; 1/2Kor) (50-2). Ohne kraftvolle, geisterfüllte Verkündigung wäre Petrus nicht der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde mit ihren Missionserfolgen und zum Felsenmann geworden. Er verfügte nicht nur über die Fülle der Jesustradition, sondern er wird auch als erster Zeuge der Auferstehung Jesu die Entstehung der vorpln Anfänge der Christologie entscheidend mitgestaltet haben. Dass die anderen Jerusalemer Apostel so sehr hinter diesem zurücktreten, hängt sicher auch mit seiner besonderen theologischen Kompetenz zusammen (54f). Warum besuchte Paulus nach den drei Jahren im nabatäischen Arabien nur ihn in Jerusalem und nicht die anderen Apostel? Ohne Autorität und theologische Ausstrahlung des Petrus hätte es keine Kephaspartei in Korinth gegeben, und Paulus hätte sich in 2Kor 10 - 12 nicht so erbittert über Abgesandte der Petrusmission äußern müssen. Wie kommen Christen in Korinth dazu, in der von Paulus gegründeten Gemeinde eine Kephasgruppe zu gründen, und woher kommen die besonderen Schwierigkeiten des Paulus in Korinth mit judenchristlichen Sendboten? Mt 16,17-19 bezeugt diese Autorität. Die Voraussetzung dazu hat Jesus selbst geschaffen, als er Simon in seine Nachfolge berief und ihm den Namen Kephas gab (56f). Woher sollen die zahlreichen Erwähnungen des Petrus wenige Jahre nach dessen Martyrium an entscheidenden Punkten des Mk-Evs stammen? Sein Name erscheint mit 25 Nennungen im ältesten Evangelium auf den Umfang des Werkes bezogen häufiger als bei Lukas und Matthäus. Die beiden späteren Synoptiker sind gerade auch in der Petrustradition weitgehend von den mkn Vorgaben abhängig. Matthäus übernimmt zu 80% den Text des Markus, weil er weiß, dass hinter dem Mk-Ev die Tradition des von ihm hochgeschätzten Petrus steht. Markus nennt den bei ihm zuerst berufenen Petrus so oft, weil dieser für ihn von grundlegender Bedeutung ist. Die Erwähnungen des Petrus in Mk-Ev liegen in gesetzten Schwerpunkten: am Anfang bei dessen Berufung, in der Mitte mit seinem Messiasbekenntnis, der Leidensansage und der Verklärung und am Ende in Gethsemane und bei der Verleugnung (62f). In Mk 16,7 gibt der Engel den zutiefst erschrockenen Frauen am Grabe den Auftrag:, „gehet und sagt es seinen Jüngern und dem Petrus“. Mit dem unnötigen „und dem Petrus“ weist Markus auf den für ihn wichtigsten Traditionsgaranten, der zugleich der maßgebliche Jünger Jesu war, hin (67). Petrus ist als der beherrschende Jünger bei Markus und von ihm abhängig in den späteren Evangelien auch der Prototyp des Jüngerunverständnisses und Jüngerversagens. Diese Schattenseiten beruhen auf der zurückblickenden Einsicht des Petrus und der anderen Jünger, dass sie Jesu Wirken und Weg vor Ostern nicht verstehen konnten und ihm gegenüber schuldig wurden. Vor Ostern sind die Herzen der Jünger unverständig und verstockt. Erst die Erscheinung des Auferstandenen kann dies überwinden und schenkt ihnen die Erfahrung der Vergebung ihrer Schuld. Petrus verkündigt, was er selbst erfahren hat (68f). Lukas und Matthäus wussten, als sie das Mk-Ev verwendeten, dass sie damit auf festem, anerkanntem Grund standen, wobei Matthäus die ptrn Prägung seiner Vorlage noch durch zusätzliches legendäres Material (Meerwandel Petri und Tempelsteuerperikope) verstärkte (70). Der Zusammenhang zwischen Petrus und Markus erscheint in der Szene Apg 12,12 angedeutet, wo Petrus nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis in das Haus der Maria, der Mutter des Johannes Markus, flieht, um dann das Machtgebiet des Herodes Agrippa zu verlassen. Der Markus in der Überschrift des Evangeliums, in 2Tim 4,11, in Phlm 24; Kol 4,10 und 1Ptr 5,13 ist eine den Empfängern und Lesern bekannte Autoritätsperson, identisch mit dem Neffen des Barnabas und dem Johannes Markus der Apg 12,25; 15,37.39 (74). 5. Das Wirken des Petrus außerhalb Judäas Obwohl Lukas in der Apg die Wirksamkeit des Petrus nach dem ’Konzil’ gewaltsam ’abschneidet’, müssen die darauffolgenden Jahre bis zu seinem Martyrium von entscheidender Bedeutung für sein großes Ansehen gewesen sein, eine Bedeutung, die nicht nur in den Evangelien, sondern auch im 1 Clemensbrief und bei Ignatius sichtbar wird. Dieses Ansehen, das ungleich größer ist als das aller anderen Jünger, wird nur verständlich, wenn man davon ausgeht, dass (gegen Lukas, der Petrus nur bis Caesarea kommen lässt – Apg 10) auch westliche Gemeinden den Apostel selbst oder Sendboten von ihm kennengelernt haben und so direkt oder indirekt von ihm beeinflusst wurden und zwar nicht nur in Syrien, Antiochien und Rom, sondern auch dazwischen an wichtigen Orten wie etwa den Provinzhauptstädten Ephesus und Korinth. Die fünf kleinasiatischen Provinzen in 1Ptr 1,1 als Heimat der „auserwählten Fremdlinge“, Pontos, Galatien, Kappadozien, Asia und Bitynien, setzen voraus, dass Petrus in diesen Gebieten als Autorität galt (78-80). Das Zurücktreten des Jakobus in der Überlieferung des 1. Jh.s ist eine Folge der Schwächung des palästinischen Judenchristentums auf Grund der Steinigung des Herrenbruders 62 n. Chr. und durch den vier Jahre später ausbrechenden Jüdischen Krieg, von dem es sich nicht wieder erholt hat. Auch ist es ein Ausdruck für eine wachsende Entfremdung zwischen den gesetzestreuen Judenchristen (im Mutterland) und dem immer stärkeren Übergewicht der Kirche aus den Völkern nach 70, die die Autorität des Petrus, nicht aber die des Jakobus anerkannte. Petrus war kein Vertreter des gesetzesstrengen Judenchristentums. Er stand zwischen den beiden Flügeln, die durch Jakobus und Paulus (und ihre z.T. extremen Anhänger) markiert sind. Eben diese Zwischenposition, die für das Heidenchristentum offen war und theologisch (bei allen Differenzen) Paulus näherstand als dem gesetzesstrengen Flügel im Urchristentum, bildet die Voraussetzung der großen Wirksamkeit des Petrus.
a) Petrus wurde trotz
b) Im Gegensatz zu dem
c) Theologisch war Petrus
Der auf dem Apostelkonzil zwischen den drei 'Säulen', Jakobus, Kephas und Johannes, auf der einen und Paulus und Barnabas auf der anderen Seite ausgehandelte Kompromiss: „Wir zu den Heiden, sie aber zu den Juden“ (Gal 2,9) gründete auf der Einsicht, dass bereits bisher dem Paulus und Barnabas die Evangeliumsverkündigung gegenüber den „Unbeschnittenen“, dem Petrus aber gegenüber der „Beschneidung“ zugeordnet war. Die Übereinkunft zeigt, dass Petrus schon bisher als der erfolgreichste Verkündiger der neuen Botschaft gegenüber seinen Volksgenossen galt, ein Bild das die Apg 2 – 5 und 9, 32-43 für das Mutterland, aber auch Markus und Matthäus mit dem Bild vom Menschenfischer bestätigen. Petrus besaß in besonderer Weise das „Apostelamt in Bezug auf die Beschneidung“ (Gal 2,8). Wahrscheinlich hat er nach seiner Flucht aus Jerusalem 42/43 n. Chr. auch außerhalb Palästinas nicht ohne Erfolg unter Juden missioniert. Am nächsten lag der syrische Raum mit seinem großen Anteil der jüdischen Diaspora. Es ist aber nicht auszuschließen, dass er auch andere Gebiete bereiste. Die beim Apostelkonzil vereinbarte Trennung von Juden- und Heidenmission erwies sich als unrealistisch, denn sie ließ sich in der Praxis nicht aufrechterhalten, zumal die ’Heiden’ ursprünglich ganz überwiegend mit der Synagoge eng verbundene Gottesfürchtige waren und dem Judentum mehr oder weniger nahestanden. Darum suchte Paulus an neuen Missionsorten zunächst die Synagoge auf, weil er dort Gottesfürchtige ansprechen konnte, die rechtlich gesehen noch unbeschnittene Heiden waren. Weil der judenchristliche Anteil in den pln Gemeinden nicht gering war, hatten Petrus und seine Sendboten die Möglichkeit, entsprechend der Abmachung beim Apostelkonzil auch pln Gemeinden zu besuchen (88-90). Paulus geht in seinen Briefen von den Voraussetzungen jüdischer Tradition und Exegese aus. Ohne die alt-jüdische Vorbildung der Mehrzahl seiner Zuhörer, etwa durch die Synagogenpredigt, wären weder seine Missionsverkündigung noch seine Briefe in den Gemeinden verstanden worden. Umgekehrt wurde Petrus außerhalb von Eretz Israel immermehr auch zum Heidenmissionar, da dort die Gemeinden gemischt waren und gemeinsame Gottesdienste feierten, so dass sich eine strenge personale Trennung zwischen Juden- und Heidenchristen nicht durchführen ließ. Lukas wusste um diesen Tatbestand und ließ daher die Heidenmission schon früh durch die Predigt des Petrus vor dem gottesfürchtigen Centurio Cornelius in Caesarea begründet werden, schließt aber dann den Petrus von der Heidenmission aus. Umgekehrt lässt Lukas entgegen der Darstellung des Paulus und aller historischen Wahrscheinlichkeit die Heidenmission der Hellenisten und des Paulus in Antiochien erst beginnen, nachdem Petrus bei Cornelius dazu grünes Licht erhalten hatte (90f). 6. Der Konflikt mit Paulus in Antiochien (Gal 2,11ff) Das Problem der Tischgemeinschaft mit Heiden und die damit verbundene Gefahr des Genusses von Götzenopferfleisch und anderer unreiner Speisen war auf dem Apostelkonzil ungelöst geblieben. Für den gesetzesstrengen Teil der Judenchristen in Eretz Israel blieb die in Jerusalem getroffene Übereinkunft ohne weitere Klärung schwer akzeptierbar (92f). Lukas verschweigt den Streit zwischen Paulus und Petrus entsprechend seiner harmonisierenden Tendenz seines Werkes. Er weiß mehr, als er erzählt, er übergeht alles, was dem hohen Herrn Theophilos (Lk 1,3) missfallen könnte. Bereits die Trennung von Barnabas (Apg 15,39) weist auf eine Spannung zwischen den beiden bisherigen Missionsgefährten hin und könnte u.a. mit erklären, warum auch dieser sich nach Gal 2,13 Petrus und den übrigen antiochenischen Judenchristen anschloss. Auch dass Paulus auf seiner sog. dritten Reise keinen Begleiter mehr aus Jerusalem als Missionsgenossen hatte und Lukas und die Paulusbriefe nichts mehr von weiteren Kontakten mit Antiochien berichten, machen einen Ansatz des Konfliktes 52/53 n.Chr. wahrscheinlich (93-5). Paulus reagierte schroff und bezeichnete Petrus Verhalten als „verdammenswert“ (2,11). Petrus hatte sich nach Meinung des Paulus durch sein Verhalten selbst „verurteilt“, denn man musste jetzt fürchten, dass die noch ungefestigten Heidenchristen durch die von den Sendboten des Jakobus geforderten getrennten Mahlzeiten veranlasst werden könnten, die Einhaltung jüdischer Gesetzesvorschriften doch für heilsförderlich zu halten und damit die Rechtfertigung allein aus Glauben an Christus in Frage zu stellen. Paulus wirft Petrus und den antiochenischen Judenchristen einschließlich Barnabas Heuchelei vor. Aus Furcht vor den Jerusalemer Boten würden sie gegen ihre eigene Glaubensüberzeugung handeln. In seiner Sicht ging es um Nötigung und um die Verwirrung der Gewissen der antiochenischen Heidenchristen. Darum wirft er in seinem Zorn dem Petrus vor, er „zwinge“ durch seinen plötzlichen Wechsel im Verhalten bei der Tischgemeinschaft die Heidenchristen jüdisch zu leben, ja er entlarve sich selbst gerade dadurch, dass er die Mauern, die er niedergerissen habe, jetzt plötzlich wieder aufbaue, als Übertreter (Gal 2,18) des Gesetzes, während Christus dadurch in Gefahr gerate, als „Förderer der Sünde“ (2,17) verkannt zu werden. Das zweimalige „Anathema“ in Gal 1,8f zeigt, dass Paulus hier keinen Fingerbreit zu weichen bereit war (95-7). Für den judenchristlichen Gemeindeteil mit Petrus an der Spitze stellte sich die Situation anders dar. Auch sie müssen aus ihrer Sicht gute Gründe für ihr Verhalten besessen haben. Für sie handelte es sich bei der Einführung getrennter Mahlzeiten vermutlich um eine Rücksichtnahme auf das rituelle Reinheitsverständnis der Gäste aus Jerusalem und damit zugleich auf die immer schwieriger werdende Situation der Judenchristen in der heiligen Stadt und in ganz Judäa. Sie verstanden ihr Verhalten im Grunde als einen Akt brüderlicher Liebe gegenüber der Urgemeinde und ihrer Notlage, die Paulus selbst in seinem 1Thess 2,14f eindrücklich geschildert hatte. Paradox gesprochen dienten für sie die getrennten Mahlzeiten der Aufrechterhaltung der durch die Verfolgung in Jerusalem bedrohten Kirchengemeinschaft zwischen Jerusalem und Antiochien, und zugleich zwischen palästinischen Juden- und antiochenischen Heidenchristen. Sie wollten von den judenchristlichen Gästen aus der heiligen Stadt nicht verlangen, dass sie im heidnischen Antiochien ihre jüdische Identität verleugneten (97f). Den Bruch, den der öffentlich ausgetragene Streit zwischen Petrus und Paulus bedeutete, können wir uns nicht tief genug vorstellen. Paulus hatte vor versammelter Gemeinde Petrus und die ihm folgten, der feigen Heuchelei und des Verrats gegenüber der „Wahrheit des Evangeliums“ (Gal 2,14) bezichtigt. Dadurch hatte er sich selbst in den Augen des judenchristlichen Gemeindeteils als aggressiven und rechthaberischen Zerstörer des Friedens isoliert. Der heidenchristliche Teil war noch nicht stark genug, eine eigene selbstständige Rolle zu spielen. Paulus berichtet in harten, deutlichen Worten vom Eklat, die Wunde blieb offen. Die Folgen werden in Antiochien, in Galatien und vor allem in Korinth (und Rom) sichtbar. Der jetzt erfolgte Bruch des Paulus mit der antiochenischen Gemeinde, mit der er wohl über ein Jahrzehnt verbunden gewesen war, zeigt sich daran, dass er in seinen nach dem Konflikt geschriebenen Briefen Antiochien nur noch im Bericht über den damaligen Streit Gal 2,11ff erwähnt. Die Brücken nach Antiochien waren abgebrochen (103f). Vermutlich ging es auch Petrus bei seinem Nachgeben gegenüber den Boten des Jakobus darum, durch einen Kompromiss die gefährdete Einheit zwischen den Missionsgemeinden außerhalb von Eretz Israel und Jerusalem aufrechtzuerhalten. Er musste Rücksicht nehmen auf die bedrohlicher werdende Situation der mehrfach verfolgten Judenchristen in Jerusalem, denn die zelotisch-nationalreligiösen Tendenzen im palästinischen Judentum verschärften sich. Diese Situation gipfelte zehn Jahre später 62 n.Chr. in der Steinigung des Jakobus und anderer führender Judenchristen als Gesetzesbrecher (Josephus). Der Angriff Kaiser Caligulas (37-41) auf den Tempel, der die Juden an den Rand des Krieges mit Rom geführt hatte, dazu die Rückverwandlung Judäas in eine römische Provinz nach dem frühen Tode Agrippas I., Anfang 44 n.Chr. und die Entsendung unfähiger Prokuratoren hatten den zelotischen Kräften starken Auftrieb gegeben. Deren „Eifer für das Gesetz“ beeinflusste auf die Dauer auch die Judenchristen (Apg 21,28ff). Die Urgemeinde stand unter mehrfachem Druck. Die Judenchristen in Antiochien sollten durch ihre Tischgemeinschaft mit Unbeschnittenen in den Augen der Jerusalemer nicht als ’unreine’ Gegner der Tora oder gar als ’Apostaten’ erscheinen (105f). In 1/2Kor sind die Auswirkungen der ptrn (Konkurrenz-)Mission, die jetzt unterschiedslos Juden und Heiden umfasste, deutlich zu spüren. Die Entstehung einer ’Kephaspartei’ in Korinth und die damit verbundenen „Spaltungen“ und „Streitigkeiten“ (1Kor 1,11f), das genaue Wissen der dortigen Gemeinde um die anderen Missionsmethoden der Jerusalemer Apostel und Brüder Jesu (1Kor 9,4ff) samt den vielfältigen Vorwürfen gegen Paulus, insbesondere die Bestreitung seines Apostalats (1Kor 9,1-7), legen die Vermutung nahe, dass der ’Felsenmann’ (1Kor 3,10ff: Röm 15,20) während des ca. dreijährigen Aufenthalts des Paulus in Ephesus auch die Hauptstadt Achaias besuchte. Dieser Vorgang bereitete Paulus erhebliche Schwierigkeiten, die dann im zweiten Brief noch stärker sichtbar werden (2Kor 10 - 13). Die Betonung seiner apostolischen Würde und die Beteuerung, er sei als ehemaliger Verfolger „nicht würdig, Apostel genannt zu werden“, habe aber durch Gottes Gnade „mehr gearbeitet als sie alle“, richtet sich gegen die Abwertung seines apostolischen Anspruchs durch die Jerusalemer Apostel „vor mir“ (Gal 1,17), deren wichtigster Missionar seit jeher Petrus gewesen war. Die Kephas-Anhänger werden diesen wegen seiner besonderen Bedeutung und Autorität „gerühmt“ haben (1Kor 3,21f; 2Kor 10,17) (107-110). Die Rolle der ’Kephasgruppe’ und damit auch die Bedeutung des Petrus und die negative Nachwirkung des antiochenischen Konfliktes darf nicht unterschätzt werden. Paulus stellt die Spaltungen und Streitigkeiten als erstes Ärgernis an den Anfang seines Briefes (1Kor 1,10f) und verbindet sie ähnlich wie im Gal mit der Grundfrage nach der Heilsbedeutung des Kreuzes Christi: „Ist Christus zerteilt“ (1Kor 1,13)? Wer sollte gemäß 1Kor 9,1-5 den Apostolat des Paulus bezweifelt haben, wenn nicht die Kephasgruppe? Zwischen 1Kor 15,5 der Protophanie des Petrus, die Paulus Jahre zuvor bei der Gemeindegründung den Korinthern mitgeteilt hatte, und 15,11, dem Hinweis auf die grundlegende Einheit des Kerygmas bei allen Verkündigern, steht der auffallende Selbstruhm des Paulus: „mehr als sie alle habe ich mich abgemüht, nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes mit mir“ (1Kor 15,10). Warum hat Paulus diesen Selbstruhm gegenüber den Korinthern nötig? Dass sich nur irgendwelche Leute auf Petrus berufen haben, ohne dass Petrus selbst dahinter steckt, ist unwahrscheinlich. Man darf den harten Zusammenstoß in Antiochien wenige Jahre zuvor und seine Auswirkungen auf die pln Mission nicht unterschätzen. Aufgrund der einzigartigen Bedeutung des Petrus kann Paulus nicht offen gegen ihn oder Jerusalem polemisieren. Er kann und will ja gerade nicht endgültig mit Jerusalem brechen, denn das Evangelium ist von dort ausgegangen. Wegen seiner Außenseiterposition vermeidet er nach Möglichkeit eine direkte Polemik gegen Männer und Anordnungen der Urgemeinde. Der Bericht von seiner Kritik an Petrus Gal 2,11-14 ist ihm durch die schwerste Not des Kampfes um die galatischen Gemeinden abgepresst. Der Gal zeigt die noch offene Wunde (107, Anm. 215). 1Kor 3,10f wird auf Petrus Besuch in Korinth indirekt anspielen: „Gemäß der mir gegebenen Gnade Gottes habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt, ein anderer aber baut darauf weiter. Jeder aber sehe zu, wie er darauf weiterbaut! Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, der ist Jesus Christus“ und Röm 15,20: „...damit ich nicht auf fremden Grund baue“. Die Schwierigkeiten in Korinth kommen nicht von der Apollosseite, sondern von radikalen ’antinomistischen Paulinern’ auf der einen und von der Kephasgruppe auf der anderen Seite. Jakobus, der den Korinthern ebenfalls bekannt ist (15,7; 9,5), spielt dort – im Gegensatz zu Galatien – als Leitfigur offenbar keine Rolle (108, Anm. 217). Die durch die Katastrophe in Antiochien verschärfte Spannung wird durch den entscheidenden Satz 1Kor 15,11 eingeschränkt: „Es seien nun ich oder jene, so verkündigen wir [alle], und so habt ihr geglaubt“. An der Spitze dieser ’jene’ steht Kephas als der erste Auferstehungszeuge, aber auch die Zwölf und der Herrenbruder Jakobus sind eingeschlossen. Die Wahrheit des die Gemeinde konstituierenden Evangeliums von 1Kor 15,1ff begründet trotz aller Risse und Schwierigkeiten die Einheit der Kirche (Anm. 225-6). Paulus liegt unbeschadet aller Spannungen ganz entscheidend an der durch Christus begründeten Einheit der Kirche. Sie ist für ihn heilsnotwendig: Ohne sie wäre er „ins Leere hineingelaufen“ (Gal 2,2). Diese Auseinandersetzungen, bei denen Angriffe gegen die Gleichberechtigung des pln Apostolats im Mittelpunkt standen, setzten sich im 2Kor fort mit Abgesandten der Petrusmission bzw. der Antiochener, mit denen er gebrochen hatte und die jetzt mit Petrus eng verbunden waren (110f). „Alles ist euer, es sei Paulus, Apollos, Kephas, Welt Leben, Tod, Gegenwärtiges und Zukünftiges: Alles ist euer. Ihr aber gehört Christus, Christus aber Gott“ (1Kor 3,21-23). „Ihr aber gehört Christus“, daran ändern auch die erheblichen Spannungen zwischen Paulus und Kephas nichts. Die Situation in Korinth war eine wesentlich andere als in der Provinz Galatien, wohin radikale Judenchristen aus Jerusalem, die schon in Antiochien den Streit angestoßen hatten, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung weitergereist waren, und dort die Beschneidung und den Gesetzesgehorsam in einer neuen Weise gefordert hatten, die der Abmachung des Apostelkonzils offen widersprach (Gal 2,1-10). Die Frontstellung im Gal ist klarer sichtbar als im 1/2 Kor. In dem Briefteil 2Kor 10 - 11, in dem sich Paulus verzweifelt wehrt, bleibt das Profil der Gegner des Paulus und ihre Botschaft undeutlich. Es handelt sich um keine Häretiker, deren Irrlehren klar hervortreten. Es sind weder wie im Gal Nomisten, die die Beschneidung der Heidenchristen fordern, noch sind es Gnostiker bzw. Doketen, noch hellenistische Wundertäter (theos aner) oder gar Libertinisten, vielmehr Judenchristen aus Palästina oder Syrien und – wie auch Paulus selbst – „Diener Christi“ (2Kor 11,22f), d.h. Missionare, deren Bild sich für Paulus auf schlimme Weise verzerrt, so dass er einmal von „Pseudoaposteln“ und zweimal von „Überaposteln“ sprechen kann, ohne deutlich zu sagen, wen er damit meint. Sie bringen an die Korinther gerichtete „Empfehlungsbriefe“ (2Kor 3,1-3) mit, die von den Korinthern bekannten Autoritäten stammen müssen, sonst wären sie wertlos. Solche Empfehlungsbriefe könnten von Petrus stammen, der die Gemeinde besucht hatte (112-115). Es sind Missionare, die sich ihrer besonderen charismatischen Fähigkeiten und visionärer Erlebnisse rühmen und sich durch rednerischen Schwung, physische Kraft und Gesundheit auszeichnen, die bei Paulus fehlen, obgleich er ihnen im Blick auf die literarische Rhetorik seiner Briefe überlegen ist (2Kor 10,7-11). Bewusst nennt er keine Namen und gibt keine klaren Anhaltspunkte, von wem diese Missionare, die in seinen Augen Verführer sind, ausgesandt wurden. Die Korinther wissen darüber nur zu gut Bescheid. Nur ihre geographische Herkunft wird deutlich: Es sind Judenchristen, die als ’Hebräer’ – wie Paulus selbst (Phil 3,5) – noch mit dem Mutterland verbunden sind. Der Vorwurf des Paulus gipfelt darin, dass die Korinther sich „einen anderen Jesus verkündigen“ lassen, dass sie einen „anderen Geist annehmen“, „sich ein anderes Evangelium gefallen lassen“ (2Kor 11,4). Worin dieses „andere“ besteht bleibt (im Unterschied zu Gal 1,6) unklar. Man könnte fragen, ob es eine stärker ’synoptische’ Form der neuen Botschaft war, die Jesu Lehre und Wunder mehr in den Mittelpunkt stellte. In 2Kor 10 - 13 fehlt sowohl die pln Sprache von der Rechtfertigung, als auch, abgesehen von 13,4, ein Hinweis auf das Kreuz Christi. Deutlich wird nur, dass die Gegner Paulus einen erheblichen Mangel an charismatischen Gaben und Glaubwürdigkeit vorwerfen. Ähnlich wie schon in 1Kor 9,1ff bezweifeln sie seine Apostelwürde und erheben darüber hinaus schwere persönliche Vorwürfe gegen ihn (2Kor 10,2: Wandel „nach dem Fleisch“ bzw. „fleischliche Strategien“; maßloser Selbstruhm 10,13), was bei seinem leidenschaftlichen Charakter, der sich zu schärfster Polemik hinreißen ließ, durchaus verständlich ist (Phil 3,2; 1Kor 16,22; 1Thess 2,15) (116f). Durch den Konflikt in Antiochien kam es zum schroffen Bruch zwischen den beiden Führern der christlichen Mission. Es ging nicht mehr um die Frage des jüdischen Gesetzes, sondern um tiefe persönliche Verletzungen, um die Frage der bestimmenden Autorität in den Missionsgemeinden und um die autoritative Geltung der überwiegend ethischen Jesustradition bzw. um die pln theologia crucis. Nach Röm 3,8 hat man Paulus die Förderung des Libertinismus vorgeworfen. Die ethischen Missstände in Korinth, die wohl mit einem falschen Verständnis der pln Freiheit vom Gesetz zusammenhängen, könnten zu solchen Vorwürfen Anlass gegeben haben. Wahrscheinlich beruhten dieselben auf einer Fehlinterpretation der pln Gesetzeslehre (siehe dazu die Richtigstellung in 1Kor 6,9-13; 7,19; Gal 5,6.13ff.25). Eine eindrückliche Begründung der neu formulierten Ethik finden wir in Röm 6 und 12,1ff (Anm. 228). E. Meyer: „Im 2Kor gelangt der Gegensatz zwischen der ursprünglichen, von Petrus und den Zwölf geschaffenen Auffassung des Christentums und seiner Umwandlung durch Paulus zu lebendigem Ausdruck. Das Bild einer friedlich-harmonischen Entwicklung, das nach der furchtbaren Katastrophe der neronischen Verfolgung Lukas aus dem religiösen Bedürfnis der Folgezeit heraus gezeichnet hat, entspricht der Wirklichkeit in keiner Weise. Vielmehr wird von beiden Seiten mit leidenschaftlicher Erbitterung gekämpft. Der persönliche Gegensatz ist unüberbrückbar, eine Versöhnung zwischen Paulus und Petrus ist ausgeschlossen“. Es gibt Konfliktsituationen, in denen man den Namen der Gegner bewusst verschweigt bzw. mit einigen (tines) umschreibt (2Kor 3,1; 10,2.12; Röm 3,8; Phil 1,15). Die schlimmsten Gegner nennt man nicht. Wer konnte nach ca. fünfjährigem Bestehen der Jesusbewegung in Korinth mit solcher Autorität auftreten, so dass Paulus darüber in größte Schwierigkeiten geriet, wenn nicht Abgesandte der Petrusmission (Anm. 231)? Einen Nachklang dieser Auseinandersetzungen haben wir im Röm, in dem der Apostel in 3,8 Vorwürfe gegen ihn andeutet, wonach einige (tines) behaupten, Paulus lehre: „lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme“ (Röm 3,5-8). Seine Botschaft von der Freiheit vom Gesetz, die von einigen radikalen ’Paulinern’ in ethikfeindlicher Weise missverstanden wurde, brachte ihm den Vorwurf ein, er fördere den Libertinismus. Dem könnte das Urteil 2Kor 11,15 über die „teuflischen Diener der Gerechtigkeit“ entsprechen: „ihr Ende wird gemäß ihren Werken sein“. Es fällt auf, dass Paulus im Röm mit keinem Wort auf Petrus, die anderen Apostel oder ehemalige Missionsgefährten wie Barnabas eingeht. Er blickt nur auf sein eigenes Apostolat und die Erfolge seiner Mission, die hier sonderbarerweise von Jerusalem ausgeht (Röm 15,19 gegen Gal 1,15-23), obwohl die zuvor geschriebenen 1/2 Kor sehr deutlich auf die Wirksamkeit anderer Missionare hingewiesen haben. Auch auf die Gründung der römischen Gemeinde geht er nicht ein (118f). Dass Paulus trotz der massiven Spannungen die Einheit der Kirche am Herzen liegt, zeigt seine geplante riskante Kollektenreise nach Jerusalem, bei der er weiß, dass sein Leben dort bedroht ist und es ungewiss ist, ob die Urgemeinde seinen Liebesdienst annehmen wird. Der hier sichtbar werdende Zwiespalt in der späteren Wirksamkeit des Paulus wird viel zu wenig wahrgenommen, weil er selbst nicht offen unter Namensnennung über seine Schwierigkeiten in den Gemeinden und deren Verursacher schreiben kann – abgesehen von Gal 2, wo er aus einer Zwangslage heraus schreibt und auf ganz persönliche biographische Vorhaltungen der Galater antworten und diese richtig stellen muss. Es bleibt so eine wohlbegründete Vermutung, dass Petrus in diesen für beide Beteiligten spannungsvollen Jahren nach dem Zusammenstoß in Antiochien der direkte missionarische Kontrahent des Paulus war (120). Paulus stellte sich als der erfolgreiche Apostel der Heiden dar, der sich in seiner Sendung zu den Völkern aufopferte. Petrus konnte als der maßgebliche Jesusjünger und erste Leiter der Urgemeinde in Jerusalem auftreten, der Paulus im Blick auf die Fülle seiner Jesustradition haushoch überlegen war. Auch als Missionar wird er seine Aufgabe darin gesehen haben, die Worte und Taten des Messias und Gottessohnes Jesus, die er selbst miterlebt hatte, seinen jüdischen und heidnischen Hörern nahezubringen. Paulus hatte einstmals als Feind Jesu diesen nur „auf fleischliche Weise“ (2Kor 5,16) gekannt, persönliche vorösterliche Erfahrungen mit ihm besaß er nicht, Petrus dagegen in überreichem Maße. Aber auch Paulus war auf Jesusüberlieferung angewiesen, denn er musste ja berichten, wer dieser gekreuzigte Jesus war und ist (122f). In Bezug auf die Jesusüberlieferung musste Paulus sich im Vergleich mit Petrus und „den Aposteln vor ihm“ in Jerusalem (Gal 1,17) unterlegen gefühlt haben, auch wenn er das so nicht sagen kann. Hier lag die einzigartige Stärke des Felsenmannes, die begleitet war von dem sichtbaren Charisma apostolischer Krafttaten, wie sie Lukas in der Apg erzählt und wie sie in den Evangelien sonst nur noch von Jesus berichtet werden. Sie haben offenbar bei den Gegnern des Paulus im 2Kor eine entscheidende Rolle gespielt. Dort, wo Paulus auf die zur Konkurrenz gewordene Mission des Petrus und seiner Sendboten stößt, betont er, dass er „die Zeichen des Apostels gewirkt habe mit Zeichen, Wundern und Krafttaten“ (2Kor 12,11-13; Röm 15,19), so dass er „obwohl ein Nichts“ – „in keiner Weise hinter den Überaposteln“ zurückstehe, so wenig wie die Korinther hinter den „übrigen Gemeinden“. Krafttaten und Zeichen waren in der Urgemeinde und bei den von Jesus ausgesandten Aposteln zu Hause. „Ich meine freilich, in nichts zurückgeblieben zu sein hinter den [übermäßigen Aposteln] Uuml;beraposteln “ (2Kor 11,5). „Sie sind Diener Christi – ich rede töricht: ich bin’s weit mehr“ (2Kor 11,23)! Der Ausdruck von den „Überaposteln“ erinnert an sein distanziertes Urteil in Gal 2,6: „Von denen aber, die das Ansehen hatten – was sie früher gewesen sind, daran liegt mir nichts“. Könnten mit den rätselhaften „Überaposteln“ nach dem verhängnisvollen Streit in Antiochien nicht in erster Linie Petrus, seine antiochenischen und Jerusalemer Freunde und Sendboten gemeint sein (124f)? Nicht zufällig macht die Apg (die Paulus den Aposteltitel zugunsten des Petrus und des Zwölferkreises abspricht - Ausn. 14,4.14) die beiden Kontrahenten zu den größten nachösterlichen Wundertätern. Diese ausgleichende Tendenz der Apg erklärt auch die schroffe erzählerische Trennung zwischen der Wirksamkeit des Petrus und der des Paulus. Lukas nimmt hier eine rigorose Scheidung vor. Er verabschiedet Petrus mit dessen betont propln Rede Apg 15,7-11, ohne ihn später noch einmal zu erwähnen. Mit Petrus verschwindet auch der Kreis der Apostel. Sie werden in Kapitel 15 noch fünfmal immer zusammen mit den Ältesten genannt und sind mit diesen die Absender des Briefes über das Aposteldekret an die „Brüder in Antiochien, Syrien und Kilikien“ (Apg 15,22f; 16,4). Dagegen tauchen die Ältesten als Kreis um Jakobus beim Jerusalembesuch des Paulus zum Wochenfest 57 n. Chr. wieder auf (Apg 21,18). Die auf das Konzil folgenden zwölf Kapitel Apg 16 – 28 beherrscht Paulus ganz allein. Petrus und die Apostel sind verschwunden. In gewisser Weise stellt Lukas so Paulus als den Nachfolger des Petrus dar, obwohl – wie die Kephaspartei in Korinth und die weitere Entwicklung der ptrn Autorität zeigen - dessen Rolle außerhalb von Eretz Israel keine geringere, sondern eher eine größere wird. D.h. Lukas lässt – historisch zu Unrecht – Petrus durch Paulus verdrängt werden. Zumindest in Antiochien war es gerade umgekehrt – und vermutlich nicht nur dort. Petrus darf nach Lukas zwar in Caesarea an der Grenze zum heidnischen Gebiet im Haus des Cornelius die Heidenmission begründen, aber (Missions-) Reisen und Gemeindebesuche außerhalb Palästinas werden durchweg verschwiegen (Apg 12,17): „Er ging an einen anderen Ort“ ist von Lukas bewusst undeutlich ausgedrückt. Lukas wird über die Reisetätigkeit des Petrus informiert gewesen sein. Er wusste mehr, als er schreibt. Auf diese Weise kommt er zu einer klaren geographischen und zeitlichen Trennung der Wirksamkeit des Petrus und des Paulus. Den schweren Konflikt in Antiochien und die jahrelangen Spannungen danach, die die pln Mission seither begleiteten und die in den pln Briefen Gal, 1/2Kor, Röm und Phil sichtbar werden, kann Lukas so dem Theophilos vorenthalten. Sie hingen ja nicht zuletzt mit dem Eindringen des Felsenmannes in das überwiegend heidenchristliche Missionsgebiet des Paulus zusammen. Diese scharfe Trennung und das damit verbundene Schweigen des Lukas dienen dem Ausgleich zwischen den beiden größten Missionaren und damit auch dem Frieden in der Kirche (126-8). Im Röm geht Paulus mit keinem Wort auf die Gründung und die Gründer der römischen Gemeinde ein, er preist nur seine eigene Missionsarbeit von Jerusalem bis Illyrikum und betont, dass er nicht in fremde Missionsgebiete einbrechen will, „damit er nicht auf ein fremdes Fundament baue“ (15,19f). Auch hier liegt eine Anspielung auf die ptrn Konkurrenzmission vor (Phil 1,15f; 1Kor 3,11) (Anm. 261). Petrus erhält in der Apg eine einzigartige -historisch nicht zutreffende - Brückenfunktion zwischen der Wirksamkeit Jesu und der Völkermission des Paulus. Petrus ist unter den „Augenzeugen und Dienern am Wort“ (Lk 1,2) der entscheidende Zeuge, dem die Späteren, die für ihren Glauben grundlegende Jesusüberlieferung verdanken. Entsprechend lässt Lukas Petrus und Johannes vor den Volksführern bekennen: „Unmöglich können wir von dem schweigen, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20), und vor Cornelius kann Petrus seine Erzählung von Jesus mit dem Nachsatz begründen: „Wir sind Zeugen von allem, was er im jüdischen Land und in Jerusalem getan hat“ (Apg 10,38f). Wahrscheinlich hat Lukas im Gefolge des Paulus im Jahre 57 in Jerusalem diese Überlieferung kennengelernt, die auch seine Theologie als Reisegefährte des Paulus veränderte. Das Beispiel des „geliebten Arztes“ (Kol 4,14) könnte verständlich machen, warum Petrus bzw. dessen Boten auf ihren späteren Missionsreisen auch in pln Gemeinden wie Korinth Erfolg hatten (129-31). Da Jesus in der Regel von einer Jüngerschar umgeben war, ist die hervorragende Rolle, die Petrus bei den Synoptikern als Ansprechpartner zugeschrieben wird, besonders auffallend. Er kann für die Evangelisten als der maßgebliche Jünger die Schar der Jünger vertreten und wird dadurch zu dem entscheidenden apostolischen Zeugen. Petrus wird bis zu seinem Martyrium direkt oder indirekt durch Boten in den Gemeinden des Westens von Antiochien über Korinth bis Rom gewirkt haben (133f). Es fällt auf, dass im 1Kor die Kephaspartei nicht für Beschneidung und Ritualgesetze eintritt und dass Paulus in Gal 2,16 durch den Gebrauch der 1. Person Plural auch dem Petrus das Wissen darum zuschreibt: „Wir wissen: dass ein Mensch nicht aus Werken des Gesetzes gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus“. Das klingt nach einem Grundkonsens. Lukas lässt in Apg 15,7-11 den Petrus in seiner letzten Rede auf dem ‚Konzil’ pln klingende Formeln vortragen: Gottes Erwählung wirkte, „dass aus meinem Munde die Heiden das Wort des Evangeliums hören und zum Glauben kommen“. Er gab ihnen den „heiligen Geist wie auch uns“ und „hat durch den Glauben ihre Herzen gereinigt“. Darum darf man ihnen nicht das Joch des Gesetzes auferlegen, „vielmehr glauben wir, durch die Gnade des Herrn Jesus gerettet zu werden wie auch jene“. Dementsprechend hatte auch Petrus in Antiochien zuerst ganz selbstverständlich mit den Nichtjuden Tischgemeinschaft gehalten und so nach dem Urteil des Paulus „heidnisch und nicht jüdisch gelebt“ (Gal 2,12.14). D.h. auch für ihn selbst waren die Reinheitsgebote unwesentlich geworden. Erst als Boten von Jerusalem kamen, brach er, um des Friedens und um der Einheit der Kirche willen und um den unter dem zelotischen Druck ihrer Volksgenossen stehenden Brüdern in Jerusalem keine Schwierigkeiten zu bereiten, diese Tischgemeinschaft ab und rief den zornigen, ihn persönlich schwer verletzenden Protest des Paulus hervor (135-7). Bei der führenden Rolle, die der maßgebliche Jünger Jesu und erste Auferstehungszeuge in der Urgemeinde spielte, muss man annehmen, dass er auch die Anfänge der „Lehre der Apostel“ (Apg 2,42) entscheidend mitgestaltet hat. Lukas ist kein Pauliner, aber er zeigt deutlich, dass er den Paulinismus kennt und aus ihm schöpft. Daraus ergab sich für ihn die Aufgabe, Paulus und die Urgemeinde erzählerisch zu versöhnen. Ähnliches mag für Markus gelten. Dass er Schüler und evtl. Dolmetscher des Petrus war, bedeutet weder historische Zuverlässigkeit seines Berichts im modernen Sinne noch Verzicht auf ein eigenes theologisches Profil (138f).
Punkte einer ptrn Theologie
Dass Jesus schon in Jerusalem als „unser Herr“ angerufen werden kann, hängt einmal mit dem Rückblick auf ihn als den „Herrn“ der Jüngergemeinde, aber dann auch mit der Interpretation der Auferstehung Jesu als Erhöhung zum Throngenossen zur Rechten Gottes aufgrund von Ps 110,1 zusammen: „Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt: Setze dich zu meiner Rechten“. In der Pfingstpredigt (Apg 2,34-36) spricht Petrus das Bekenntnis: „Gott hat Jesus zum Herrn und Messias gemacht“. Die christologische Auslegung der Psalmen muss schon ganz früh begonnen haben. Diese für ihren Glauben entscheidenden Grundeinsichten der vorpln Gemeinde der ersten zwei/drei Jahre der neuen Bewegung, können nicht ohne die maßgebliche Mitwirkung des ersten Auferstehungszeugen und Leiters der Jerusalemer Urgemeinde zustandegekommen sein. Petrus wird bei der Herausbildung des frühesten Kerygmas eine entscheidende, wenn nicht die entscheidende Rolle gespielt haben (142f). Es ist kein Zufall, dass Paulus wenige Jahre nach seiner Bekehrung nur Petrus in Jerusalem besuchte und sich fünfzehn Tage bei ihm aufgehalten hat (Gal 1,18). In diesen zwei Wochen werden beide voneinander gelernt haben. Bei Matthäus wird Petrus durch seine einzigartige Autorität als Bekenner, Missionar, Lehrer, als Tradent von Jesusüberlieferung, wie auch als Gemeindeleiter und am Ende als Märtyrer zu dem ’Felsen’, auf dem der Auferstandene seine Kirche bauen wird, und darum trägt er diesen Ehrennamen „Petrus“ zu Recht. Deshalb gingen große Teile der Urkirche, zuerst in Jerusalem und Judäa, später aber auch Missionsgemeinden im Westen von Antiochien bis Rom bei ihm in die Schule. Über Markus, dann auch über Lukas, Matthäus und Johannes ist er unser aller Lehrer geworden (144f). 9. Petrus als Organisator und Missionsstratege In der Apg schlägt Petrus die Zuwahl zur Ergänzung des Zwölfergremiums vor, beim Pfingstfest ergreift er die Initiative, er spricht das Urteil über Ananias und Sapphira, er ist der Sprecher der neuen messianischen Gemeinde gegenüber den Jerusalemer Hierarchen. Er besucht zusammen mit Johannes die von Philippus neugewonnenen Christen in Samarien, er weist den Magier Simon in die Schranken und führt durch seine Wunder in Jerusalem, in Lydda, der Saronebene und Joppe viele zum Glauben. Der Höhepunkt dieser von Lukas gesammelten und kunstvoll ausgestalteten Petruslegenden ist die Bekehrung des gottesfürchtigen Centurio Cornelius. Aufgrund dieser Erzählungen und der darin geschilderten Führungsrolle des Petrus ist zu vermuten, dass er bei der Konsolidierung der Jesusbewegung nach Ostern im Mutterland die maßgebliche Rolle spielte. Dass aus dieser eine selbstbewusste, missionarisch aktive messianische Gemeinde wurde, die selbst bei den griechischsprechenden Juden in Jerusalem, den sog. „Hellenisten“, erfolgreich war, ist auch sein Verdienst. Wegen dieser seiner Autorität besucht Paulus in Jerusalem nur ihn und ist zwei Wochen lang sein Gast. Herodes Agrippa I. lässt Petrus als führenden Mann der neuen Bewegung verhaften und will ihn hinrichten lassen. Auch im Konflikt in Antiochien spielt er die beherrschende Rolle. Paulus kann nichts gegen ihn ausrichten und muss weichen, denn in den Augen der damals noch maßgeblichen Judenchristen war der Heidenmissionar im Unrecht. Man kann annehmen, dass Petrus nicht nur die missionarische Verkündigung, sondern auch der Aufbau und der Zusammenhalt der verschiedenen Gemeinden am Herzen lag, zunächst im jüdischen Palästina, aber nach der Agrippaverfolgung auch über dessen Grenzen hinaus in Syrien und schließlich bis nach Rom. So wie Paulus auf ihn bezogene Gemeinden schuf, wird es auch auf Petrus ausgerichtete Gemeinden gegeben haben. In Antiochien kann man von einer Verdrängung des Paulus durch Petrus sprechen, in Korinth war eine zeitlang eine ähnliche Entwicklung zu befürchten. Die vielseitigen Mahnungen zur Einheit quer durch das NT zeigen, dass diese immer bedroht und durchaus nicht selbstverständlich war (145-7). Wenn Mt 16,18 in so einzigartiger Weise den Bau der Kirche durch Christus selbst mit dem Felsenmann verbindet, so ist dies dadurch mit begründet, dass Matthäus davon überzeugt ist, dass Petrus sich in besonderer Weise um den Zusammenhalt der verschiedenen Jesusgemeinden untereinander bemüht hat. Es ist ein Wunder, dass die Urkirche trotz vielfältiger Konflikte und Spannungen nicht schon im 1.Jh. in verschiedene, sich bekämpfende Gruppen auseinandergefallen ist. Auch die Einflussnahme des Petrus auf pln Missionsgemeinden, etwa in Korinth, mag mit diesem Bestreben um Einheit zusammenhängen. Nach der Apg begründet Petrus keine eigenen Gemeinden, sondern besucht, ’inspiziert’ schon bestehende, so in Samarien und Lydda. Nach Joppe wird er gerufen. In Caesarea wirkte bereits Philippus als Missionar, aber dem Rang eines römischen Centurio entspricht es, dass er und sein Haus sich durch die Verkündigung des führenden Apostels zu Jesus bekehren. In Antiochien besucht Petrus die wichtigsten Gemeinden in Syrien (147f). Die sehr selbstbewussten Gegner des Paulus in Korinth, die mit Empfehlungsbriefen anreisen (2Kor 3,1ff) und ihm seine apostolische Würde absprechen, treten mit einem Anspruch auf, dass er (ironisch gesprochen) „es nicht wage“, sich ihnen „gleichzustellen oder sich mit ihnen [einigen] zu vergleichen“. Gleichzeitig wirft Paulus ihnen vor, dass sie, im Gegensatz zu ihm, in „fremde [missionarische] Arbeitsgebiete einbrechen und sich dort maßlos über das bereits [von anderen] Geschaffene rühmen“ (2Kor 10,12-18). Bei diesen einflussreichen Missionaren, hinter denen ein großer Autoritätsanspruch steht, handelt es sich am ehesten um Abgesandte der Petrusmission. Sie stellen das Recht des apostolischen Wirkens des Paulus in Frage. Doch Paulus, der die korinthische Gemeinde durch das Evangelium begründete (1Kor 3,10ff), hat sich damit durchaus nicht übernommen, die ihm von Gott bestimmte Grenze seines Missionsauftrags im Gegensatz zu seinen Widersachern nicht „überspannt“ (2Kor 10,14). Er ist zuversichtlich, wenn die Dinge in Korinth geordnet sind, auch in Gebieten jenseits von Achaja bis nach Spanien (Röm 15,24.28) das Evangelium zu verkündigen; ohne dabei wie die Gegner in eine schon von anderen geleistete Missionsarbeit einzugreifen (149f): In Röm 15 spricht Paulus Probleme an, die auch in der Auseinandersetzung mit seinen ptrn Gegnern in Korinth eine Rolle spielten und die zeigen, dass es sich bei diesen nicht um eine Randgruppe handelt, sondern um eine einflussreiche, konkurrierende Missionsbewegung. In Röm 15,19f betont Paulus ähnlich wie in 2Kor 13,3 den Erweis seiner (apostolischen) Vollmacht: Christus habe durch ihn gewirkt „in der Kraft von Zeichen und Wundern und in der Kraft des Geistes Gottes. So habe ich von Jerusalem aus ringsumher bis nach Illyrien [die Verkündigung] des Evangeliums von Christus vollausgerichtet“. Unvermittelt fügt er hinzu: „Dabei legte ich meine Ehre darein, das Evangelium nicht dort zu verkündigen, wo Christus [schon] genannt worden war, damit ich nicht auf ein fremdes Fundament baue“. Dieser Hinweis wird am besten verständlich, wenn sich Paulus damit von einer anderen konkurrierenden Missionsbewegung (der Petrusmission) abgrenzt, die seiner Ansicht nach mit Vorliebe auf „ein fremdes Fundament“ baute. Darum kündigt er sich nicht in Rom als Missionar an, sondern als durchreisender Besucher auf dem Wege nach Spanien (Röm 15,23ff). Die römische Gemeinde besteht schon seit längerer Zeit (Röm 1,10-13; 15,22) und könnte so alt sein wie Antiochien. Eine Beziehung zwischen Petrus und den unbekannten judenchristlichen Gemeindegründern ist naheliegend, eine Beziehung, die auch die spätere Reise des Petrus nach Rom erklären könnte (152f). Petrus verfügte, als der bis 42/43 führende Mann in der Urgemeinde und dann auch in Syrien und darüber hinaus, gewiss über eine größere Zahl von judenchristlichen Missionsgehilfen, die die griechische Sprache einwandfrei beherrschten. Er war in diesem Punkt in einer besseren Situation als der Außenseiter Paulus, der für seine dritte Reise keinen Jerusalemer Reisebegleiter mehr hatte. Das Ansehen und der Einfluss des Petrus bei den in vielen Missionsgemeinden der Diaspora außerhalb Palästinas immer noch führenden Judenchristen muss groß gewesen sein und wird ebenso für Rom gelten. Die Petrusmission wird in der Hauptstadt eine wesentliche Rolle gespielt haben. D.h. dass Petrus nicht nur eine überragende Autorität, sondern auch ein fähiger Organisator und Missionsstratege war. Die Aufgabe weltweiter Mission hat auch er vertreten und sie schloss für ihn die Verkündigung unter den Heiden mit ein (154f). Die auffallende Bedeutung des Felsenmannes in der Urkirche liegt in der über Jahrzehnte bis zu seinem Tode andauernden Autorität seiner Persönlichkeit als Jünger Jesu, theologischer Lehrer, Missionar und überregionaler Gemeindeleiter und nach seinem Tode als Märtyrer (Anm. 323). Das Felsenwort Mt 16,17-19 und der Hinweis auf den Glauben des Petrus, der durch Jesu Fürbitte nicht wanken wird und durch den er seine Brüder stärken soll (Lk 22,32), sowie die dreifache Aufforderung des Auferstandenen, seine Herde zu weiden (Joh 21,15-17), beschränken sich nicht allein auf die Frühzeit, sondern betreffen das ganze Wirken des Petrus bis zu seinem Martyrium. Derartige Petrustexte in den Evangelien wären ohne dessen intensive Wirksamkeit in diesen für uns dunklen Jahren überhaupt nicht entstanden bzw. nicht überliefert worden (157). - Der matthäische Christus zeichnet mit dem Felsenwort den ersten Jünger Jesu als autoritative einzigartige Person im Kreis der Zwölf aus und unterscheidet ihn damit auch als späteren Lehrer, Missionar und Gemeindeleiter von den anderen Jüngern. - Der Beiname ’Kephas’ (Fels bzw. Felsenbrocken) geht auf Jesus zurück (162). - Das Stichwort ’Fels’ kennzeichnet die 38 Jahre seiner Wirksamkeit von seiner Berufung bis zu seinem Martyrium in Rom. - Petrus ist in Jerusalem für die Öffnung der neuen messianischen Bewegung für die Völker eingetreten, weil Jesu Heilswerk die nationalen jüdischen Schranken zerbrach und sich in ihm die prophetische Verheißung für die Völker erfüllte. Seit der Agrippaverfolgung (43.n.Chr.) war er als führender Missionar für die Juden mehr und mehr außerhalb von Eretz Israel tätig und sprach dabei auch Gottesfürchtige in den Synagogen an, die rechtlich noch Heiden waren (163). - Petrus wollte auf die immer stärker bedrängte judenchristliche Gemeinde in Jerusalem Rücksicht nehmen, die 43 n.Chr. als Petrus fliehen musste, unter der Leitung des Herrenbruders Jakobus stand, und jedes Verhalten, das den Vorwurf der Apostasie vom Judentum herausforderte (der gegen Paulus erhoben wurde), vermeiden. So vertrat er auf dem ‚Konzil’ in Jerusalem die Freigabe der Heidenmission ohne Forderung der Beschneidung. Wenige Jahre darauf geriet er dann in Antiochien in einen schweren Konflikt mit Paulus, der den Vorschlag des Petrus, die juden- und heidenchristliche Tischgemeinschaft mit Rücksicht auf die bedrängten Judenchristen in Jerusalem aus Reinheitsgründen zu trennen, in aller Schärfe ablehnte (163f). - Die Nachwirkungen dieses Konflikts sind in 1/2 Kor und Röm zu spüren. Es wird darin angedeutet, dass Petrus nun selbst mehr und mehr zum Juden- und Heidemissionar wurde, wobei er als der ehemalige Jesusjünger und autoritative Träger von Jesustradition auch in überwiegend heidenchristlichen Gemeinden in hohem Ansehen stand. Die Kephaspartei in Korinth ist ein Indiz für diese Entwicklung. Die Bedeutung des Petrus in den nachapostolischen Schriften einschließlich der Evangelien ist mit durch diese ausgeweitete missionarische Tätigkeit bedingt. Lukas lässt zwar Petrus bei Cornelius die Heidenmission begründen, von der späteren Wirksamkeit des Petrus nach dem ’Konzil’ aber schweigt er, um den Konflikt zwischen Petrus und Paulus umgehen zu können (164). - Petrus als bevollmächtigter Garant von Jesusüberlieferung tritt deutlich im Evangelium seines Schülers Markus hervor, in dem er eine beherrschende Rolle spielt, die sich auf die späteren Evangelien des Lukas und vor allem des Matthäus überträgt. Selbst Johannes kann sich dieser nicht entziehen. Es ist die Petrusüberlieferung hinter dem zweiten Evangelisten, die Lukas und Matthäus veranlasste, sich weitgehend auf sein Evangelium zu gründen (165). - Petrus muss ein theologisch kraftvoller Denker, eindrücklicher Verkündiger und fähiger Organisator gewesen sein, sonst hätte er im Kreis der Jesusjünger, in Jerusalem und später als Missionar bei Juden und Heiden nicht diese einzigartige Rolle spielen und so hohes Ansehen gewinnen können. In späteren Jahren muss man eine von ihm ausgehende eigenständige Mission zwischen Jerusalem und Rom annehmen. In ihr besaß die Jesusüberlieferung ein großes Gewicht. - Petrus und Paulus waren überragende, einmalige urchristliche Lehrer. Beiden zusammen verdanken wir die entscheidenden Inhalte des apostolischen Zeugnisse, dem Paulus durch seine Briefe, dem Petrus durch die synoptischen Evangelien, insbesondere des Markus und Matthäus, während Lukas in seinem Doppelwerk zwischen beiden zu vermitteln sucht. Johannes ist der eigenständige dritte große Zeuge, der seinerseits das Werk der beiden voraussetzt (165f). 11. Zeittafel (Jahreszahlen ca.-Angaben)
12. Anhang: Petrus als Begründer der Heidenmission (Apg 10-11)?
Das Ereignis im Haus des Cornelius wird nicht als ein unbedeutender Einzelfall hingenommen, sondern als eine die ganze Heidenwelt betreffende Entscheidung Gottes geschildert. Die Judenchristen aus Joppe „entsetzten sich, weil auch auf die Heiden die Gabe des heiligen Geistes ausgegossen wurde, denn sie hörten, dass sie in Zungen redeten und Gott hoch priesen. Da antwortete Petrus: Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe verwehren, die den heiligen Geist empfangen haben wie wir? Und er befahl, sie zu taufen in dem Namen Jesu Christi. Da baten sie ihn, noch einige Tage dazubleiben“ (10,45-48). Dass Petrus 'einige Tage' bei den Christen in Cäsarea blieb, (ergibt sich aus dem Zusammenhang und) beweist, dass er sie als Christen im vollen Sinn und als 'rein' betrachtete. Nicht nur die jerusalemische Gemeinde mit den Aposteln, sondern die Christen in ganz Judäa hören (8,14; 11,22), dass „auch die Heiden das Wort Gottes angenommen haben“ (11,1). Lukas will diese Bekehrung als einen grundsätzlichen Wendepunkt hinstellen. Die Jerusalemer sprachen: „Du bist zu Männern gegangen, die nicht Juden sind, und hast mit ihnen gegessen“ (11,3). Dieser Vorwurf richtet sich gegen die Tischgemeinschaft. Lukas lässt die jerusalemische Gemeinde nicht offen gegen die Heidentaufe protestieren: „Als sie das hörten, schwiegen sie still“ (11,18). Die Gegner des Petrus (die 11 anderen Apostel samt der Urgemeinde) beruhigen sich und erkennen an: Gott hat auch die Heiden zur christlichen Gemeinde und damit zum Heil zugelassen, ohne dass sie zuvor Juden geworden sind. Die Formulierung ‚den Heiden’ (10,45; 11,1) zeigt: hier ereignet sich kein belangloser Sonderfall, sondern hier kommt es zu einer grundsätzlichen Entscheidung (299f). Was in der Urgemeinde Bedenken erregt hatte, war ausschließlich dies, dass Petrus zu den Unbeschnittenen eingegangen war und mit ihnen gegessen hatte, was er als gesetzestreuer Jude nicht durfte. Daraus sehen wir, dass die Urapostel zunächst an eine Heidenmission gar nicht denken konnten. Die Bekehrung des Cornelius ist die grundsätzliche Rechtfertigung der Heidenmission (301). Lukas hat die Corneliusgeschichte so erzählt, dass sie nur von ihrem theologischen Sinn her verständlich wird. Cornelius ist Hauptmann und Kompanieführer in einem Provinzregiment, fromm und gottfürchtend, Hospitant bei der jüdischen Gemeinde, wo er wegen seiner Almosen hoch angesehen ist. Cornelius ist der Typus des Gottesfürchtigen, der viele Almosen gibt, der in jedem Volk Gott angenehm ist und deshalb in die christliche Gemeinde aufgenommen werden kann. Seine Frömmigkeit macht ihn der Erhörung wert. Die christliche Gemeinde nimmt nicht jeden beliebigen Heiden auf, sondern nur so fromme, dass auch ein Jude damit einverstanden sein müsste, sind doch Gebet und Almosen (neben dem Fasten) die guten Werke des Judentums. Dass zu einem solchen Mann ein Engel kommt, ist durchaus verständlich: Gott hat seines frommen Tuns gedacht (10,4) (302f). Gott selbst hat im Gesicht von den reinen und unreinen Tieren Petrus gezeigt, dass kein Mensch (durch seine Volkszugehörigkeit) unrein ist. Die Missionspredigt des Petrus geht von der neuen Erkenntnis des Apostels aus: Gott bevorzugt nicht in ungerechter Weise ein Volk in der Frage des Heils (Lukas denkt dabei nicht an Israels Erwählung in der Vergangenheit, sondern nur an die Frage, wer jetzt in die messianische Heilsgemeinde eintreten darf). „In jedem Volk ist Gott angenehm, wer Gott fürchtet und das Rechte tut“ (10,35). Von der Aufnahme in die Gemeinde wendet sich der Gedanke zunächst zu der berufenden Botschaft: Gott hat die Botschaft den Juden gesandt. Das Kerygma ist im Blick auf Israel formuliert. Mit den Aussagen, dass durch Jesus Christus der Friede (zwischen Gott und den Menschen) hergestellt ist, dass Jesus der Herr aller ist und dass jedem, der an ihn glaubt, die Sünden vergeben werden, überwindet Lukas die nationale Schranke (304). In der Szene 11,1-18 wird das Widerstreben der Urgemeinde überwunden. Lukas lässt sie nicht expressis verbis gegen die vollzogene Heidentaufe protestieren, sondern nur gegen die Tischgemeinschaft mit den Unbeschnittenen: der Widerspruch der Urgemeinde gegen den Gotteswillen darf nicht mit verletzender Schärfe erscheinen. Als Rechtfertigung erzählt Petrus einfach, wie es zur Taufe gekommen ist. Die Tadler beruhigen sich und preisen Gott, der auch den Heiden „die Buße zum Leben“ gegeben hat. Dieses letzte Wort der Erzählung (wie 11,1) zeigt, dass auch die apostolische Kirche hier keinen Sonderfall sieht, sondern das grundsätzliche Ja zur Aufnahme der Heiden. Der Gesamtsinn der lkn Darstellung lässt sich an den Wiederholungen ablesen: die Christen haben sich gegen die Aufnahme der Heiden gesträubt (10,14.28.47; 11,2.8.17), Gott selbst hat die Heiden in die Kirche geführt (10,3.11-16.22.30; 11,5-10.13). Petrus war es, der den ersten Heiden taufte. Die jerusalemische Gemeinde hat schließlich diese Entscheidung gebilligt und sich zu eigen gemacht. Es war also nach Lukas die legitime apostolische Kirche, die die Heidenmission begonnen hat, nicht irgendwelche Einzelgänger (304f). Bezieht man die Vision des Petrus auf Speisen, dann besagt sie: es gibt keine unreinen Speisen. Damit sind die atl Speiseverbote außer Kraft gesetzt. Diesen Standpunkt hat die jerusalemische Gemeinde niemals anerkannt. Dass die Apg ihn nicht teilt, geht aus dem sog. Aposteldekret hervor. Wenn sich die Vision auf Menschen bezieht, hat die Antwort des Petrus nur Sinn, wenn ihm lauter Unreines vorgesetzt wird. Damit legt sich die Vermutung nahe, dass diese Vision zur Veranschaulichung der Lehre 10,28: „Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt; dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll“ vom Schriftsteller selbst entworfen ist. In Kp 11 ziehen die Jerusalemer nicht den Schluss: Also darf man auch unreine Speisen essen, sondern: „Also hat Gott auch den Heiden die Buße zum Leben gegeben“. Hier hat Lukas die Historie in den Dienst der Verkündigung gestellt. Er beschreibt nicht unmittelbar ein wirkliches Geschehen, sondern stellt eine Glaubensüberzeugung (Gott hat die Heidenmission herbeigeführt) im Gewand der Historie dar (306f). L.M.: Petrus hat den Centurio Cornelius bekehrt. Unhistorisch ist die Darstellung des Lukas, dass hier die grundsätzliche Rechtfertigung der Heidenmission erfolgt sei. In der Anfangszeit der Gemeinde waren Juden und Gottesfürchtige wie in der Synagoge so auch in der Gemeinde problemlos beisammen (s. Text 11). Erst mit der Zeit traten Probleme auf. Wäre Lukas Bericht historisch, dann hätte Paulus sich auf Petrus berufen können und das Apostelkonzil wäre überflüssig, weil die dort verhandelte Frage längst durch den Leiter der Urgemeinde geklärt war. Haenchen, Ernst, Die Apostelgeschichte, 51965 (referiert in wörtl. Anlehnung) Hengel, Martin, Der unterschätzte Petrus, 2006 (referiert in wörtl, Anlehnung) Meyer, Eduard, Ursprung und Anfänge des Christentums, 3. Bd, 1962, 459 |