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Forts. Heil und Erlösung beim Evangelisten Lukas
III. Das universale Heil des erhöhten Herrn
1. Tod, Auferstehung und Erhöhung als Erfüllung des Weges Jesu 2. Die neue Gegenwart des Auferstandenen in der Geschichte 3. Die Auferweckung Jesu als Erhöhung des Erniedrigten 4. Auferweckung und Aufnahme Jesu in den Himmel 5. Beginn einer neuen Heilsepoche durch die Geistsendung 6. Analyse der Pfingstpredigt des Petrus Apg 2,14-40 7. Das Heil im Namen des erhöhten Herrn
III. Das universale Heil des erhöhten Herrn
1. Tod, Auferstehung und Erhöhung als Erfüllung des Weges Jesu Die Aussage, dass sich die „Tage seiner Hinaufnahme erfüllten“ (Lk 9,51), umfasst über den Tod hinaus auch seine Auferstehung und Erhöhung. Leiden und Auferstehung bzw. Erhöhung Jesu gehören für Lukas zusammen und bilden die ein Erfüllung der Schriften. Die Doxa Jesu (Lk 24,26) kommt immer von seinem Leiden her und der Exodus in Jerusalem übergreift den Tod auf die Erhöhung hin (202). Leiden und Verherrlichung werden einander in einer zweigliedrigen Aussage zugeordnet: „dass Christus leiden muss und auferstehen von den Toten am dritten Tag“ (Lk 24,46). Im Namen des Auferstandenen sollen Umkehr und Vergebung der Sünden für alle Völker verkündigt werden (47), ohne dass auf eine spezifische Funktion des erhöhten Christus gegenüber dem ‚nur’ auferstandenen reflektiert wird (203). In Entsprechung zu Lk 24,26.40 umfassen auch die zweigliedrigen Formulierungen in Apg 17,3 und 26,23 das gesamte christologische Heilsgeschehen: „(Paulus) tat ihnen die Schriften auf und legte ihnen dar, dass Christus leiden musste und von den Toten auferstehen“ (17,3) und „Die Propheten und Mose haben vorausgesagt, dass Christus leiden müsse und als erster auferstehen von den Toten und verkündigen das Licht seinem Volk und den Heiden“ (26,23). Zur Charakterisierung der Heilsverkündigung genügt der Hinweis auf den Christus, der gelitten hat und von den Toten auferstanden ist. Auch in Apg 10,39ff (Petrus Rede im Haus des Cornelius) und 13,29ff (Paulus Rede in Pisidien) kommt die Verkündigung des gegenwärtigen Heils allein im Kerygma des von den Toten erweckten Jesus von Nazareth zur Sprache, ohne dass eine besondere Erhöhungsaussage betont werden muss. Wie einheitlich Lukas die präsentische Wirkmacht des Auferstandenen sieht, fasst Apg 3,26 zusammen: „Gott hat seinen Knecht Jesus erweckt und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, dass ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit“. In Zusammenschau des irdischen und auferweckten Knechtes wird das gegenwärtige Heilswirken Gottes ohne Vorbehalt verkündigt (203f). Die Begriffe: erfüllen, vollenden, Hinaufnahme, Exodus enthalten eine Ineinanderschau zeitlich-geschichtlich auseinanderliegender Ereignisse. Jesu Tod, Auferstehung und Erhöhung bedeuten für Lukas die eine Erfüllung seiner Hinaufnahme. Wenn auch in der nachträglichen Deutung die Ereignisse alle aufeinander bezogen sind, so bleiben sie doch verschiedene Geschehnisse mit verschiedenen theologischen Bedeutungsgehalten (204). 2. Die neue Gegenwart des Auferstandenen in der Geschichte In der Auferstehung handelt Gott ganz neu und unvorhersehbar. Lukas kennt mit der Tradition der Leidensweissagungen (Mk 8,31 und 10,33f) die Verheißung der Auferstehung (Lk 9,22; 18,31f), auf die in Lk 24,6 verwiesen wird. Die Weissagungen sollen Ausdruck eines besonderen Vorwissens Jesu sein, das von den Jüngern nicht verstanden wird (Lk 18,33). Nicht nur die Notwendigkeit des Leidens, sondern auch die folgende Auferstehung ist ihnen ein unfassbares Ereignis (204f). Überall in den Auferweckungsaussagen steht das nicht hinterfragbare Machthandeln Gottes im Vordergrund, der seinen Knecht nicht im Tode gelassen hat. In der durchgehenden Gegenüberstellung von Verschuldung des Todes Jesu durch menschlichen Unglauben und der Auferweckung durch den absoluten Heilswillen Gottes wird die Auferstehung zur Bestätigung der Sendung Jesu gegen den Unglauben seiner Widersacher. Sie bedeutet die Vernichtung alles menschlich-schuldhaften Planens und Wollens und wird damit in Gegensatz zur Erfahrung der Unheilsgeschichte gesetzt (205f). Die lkn Auferstehungsberichte (Lk 24) zeichnen sich durch einen massiven Auferstehungsrealismus aus. Die zentrale Aussage, in deren Dienst die Einzelmomente gesehen werden müssen, dürfte das „ich bin es selbst“ (24,39) sein. Hier liegt der Grund für die betonte Abwehr der Vorstellung von einem Gespenst ohne „Fleisch und Knochen“ (24,37.39). Wenn von den Jüngern gesagt ist: „sie meinten einen Geist zu sehen“, so wird darin die reale Gegenwart des Auferstandenen zum Problem, der ohne Beziehung zum Gekreuzigten eine unwirkliche Einbildung bleiben müsste. Der Hinweis auf die Hände und Füße dient der Identität mit dem Gekreuzigten. Die Aufforderung, Jesus zu betasten, und das demonstrative Essen vor den Jüngern steht unter dem Leitgedanken, die geschichtliche Identität mit dem Menschgewordenen aufzuzeigen (206f). Das Soma des Toten ist endgültig fortgenommen (24,3.6). Ähnlich sprechen auch die Emmausjünger davon, dass man den Gekreuzigten nicht mehr gefunden hat (24). Diesem endgültigen Fortgenommensein gegenüber ist das Erscheinen des Auferstandenen ein geheimnisvoller Neuanfang. Die Betonung der Leibhaftigkeit ist nicht das eigentliche Ziel der Aussagen, sondern dient nur zur Verdeutlichung des „ich bin es selbst“. In dieser Offenbarung geht es allein um die personale Identität des gekreuzigten und auferweckten Jesus (207f). Die Emmausjünger erkennen Jesus am Brotbrechen (30f). In 24,44 stellt die Erinnerung an die Worte, die Jesus früher zu den Jüngern gesprochen hat, die Kontinuität zu seiner früheren Gegenwart her. Der Aussageakzent verlagert sich auf die personale Gemeinschaft mit ihm. Sein Offenbarwerden ist zugleich die Gewähr der Gemeinsamkeit. Der Auferstandene erscheint als derjenige, der den Jüngern wieder das Brot bricht (24,30). Darin und im Hören seines Wortes, das er als der Irdische schon zu ihnen gesprochen und nun als der Auferstandene neu bestätigt und vertieft, erkennen sie ihn wieder und sind in die Fortsetzung der früheren Gemeinschaft mit ihm gerufen. So zielt für Lukas die Auferstehung auf Wiedervereinigung ab, in der das Moment der personalen Beziehung konstant bleibt. Ähnlich formuliert Lukas auch Apg 1,3ff die Vorstellung von der Auferstehung Jesu in dem Sinne, dass Jesus sich seinen Jüngern als lebend vorgestellt und mit ihnen über das Reich Gottes gesprochen hat. Die Kontinuität in der Begegnung der Jünger mit dem Irdischen und Auferstandenen liegt in der Erfahrung seiner lebendigen Gegenwart und im Hören seines Wortes (208). Die Vollmacht Jesu ist auch bei seiner leibhaften Abwesenheit im Wirken der Jünger gegenwärtig, sofern sie „in seinem Namen“ handeln. Ähnlich deutet Lukas die Gegenwart des Auferstandenen in Lk 24,47: „dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern“. Auch da, wo seine Anwesenheit nicht mehr leibhaftig erfahren wird, bleibt seine erlösende und rettende Gegenwart durch die „in seinem Namen“ ergehende Heilsbotschaft (208f). Lukas stellt die Auferstehung in die Spannung einer ständig erfahrenen Kontinuität und Diskontinuität zum irdischen Heilsweg Jesu. Einmal erscheint sie als Ereignis, das in radikalem Bruch zur voraufgehenden Geschichte des Leidens und Sterbens Jesu steht und alle Geschichte transzendiert (209). Andererseits ist die Auferstehung aber auch Erfüllung des Lebensweges Jesu. Lukas stellt betont die personale Identität des Irdischen und Gekreuzigten mit dem Auferstandenen heraus. Deshalb kann die Wirklichkeit des Auferstandenen als personale Gegenwart erfahren werden. Über die personale Identität zwischen dem Irdischen und Auferstandenen wird die einmalige Geschichte Jesu zur bleibenden Gegenwart des Heils. Das Leben Jesu und seine Heilssendung gehören zur endgültigen Heilsverkündigung, weil dieses Leben sich in der Identifikation mit dem Leben des Auferstandenen als endgültiger Heilsweg offenbart. Die Verkündigung des irdischen Jesus wird vom Auferstandenen neu aufgenommen und in ihrer Gültigkeit bestätigt und vertieft. Der Auferstandene nimmt die frühere Gemeinschaft mit den Jüngern wieder auf und macht sie zur bleibenden Heilsgemeinschaft. Entsprechend gehören auch die Formen, in denen der irdische Jesus diese Gemeinschaft angeboten hat, weiterhin zur Verkündigung, weil er selber als der leibhaft Auferstandene den früher geoffenbarten Willen zur Heilsgemeinschaft in die Endgültigkeit erhebt. Die personale Identifikation zwischen dem irdischen, gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus wird zur tragenden Grundlage aller Heilsverkündigung (209f). 3. Die Auferweckung Jesu als Erhöhung des Erniedrigten Tod und Auferweckung bzw. Erhöhung Jesu sind für Lukas einerseits verschiedene Heilsereignisse. Andererseits bedeuten sie aber nur zusammen die eine Erfüllung des Heils. Der Tod Jesu wird als äußerste Erniedrigung in gehorsamer Offenheit vor Gott gedeutet. Gott antwortet darauf, dass er den bis zur letzten Erniedrigung verworfenen Knecht (Apg 2,23) nicht im Tode belässt (2,24-28) und in seine Macht erhöht (2,33). Jesus hat sich vorbehaltlos im Vertrauen auf den Vater in den Tod gegeben. Darin liegt keinerlei Anspruch auf seine Erhöhung. Die Erniedrigung findet gerade ihre Erfüllung in der völligen Vorbehaltlosigkeit. Aber Gott erweist sein rettendes Erbarmen in der frei geschenkten Erhöhung der Erniedrigten (Lk 1,46-55.68-79). Diese atl Erfahrung findet ihre endgültige Verwirklichung in der Erhöhung des erniedrigten Knechtes Jesus (210f). Dass Lukas aus den Gottesknechtsliedern die Vorstellung von der Erhöhung des Gottesknechtes kennt, geht aus Apg 3,13 hervor: „Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht“ (vgl. Jes 52,13). Zur Interpretation des zentralen Heilsgeschehens von Tod und Auferweckung Jesu hat Lukas das Schema von Erniedrigung und Erhöhung verwendet (211f). Das letzte Wort Gottes ist nicht die Erniedrigung und der Tod seines Knechtes, sondern Heil und Leben. Da dieser Tod zugleich die Folge der erniedrigenden Unheilsmacht von Schuld und Unglaube ist, bedeutet das erhöhende Heilshandeln Gottes auch Widerspruch zur Geschichte. Und sofern diese Macht des Unglaubens sich in der Geschichte weiter vollzieht und ablehnend verhärtet, bedeutet die Erhöhung bleibend Gericht und Verwerfung. Der Erhöhte ist zum eschatologischen Richter eingesetzt (Apg 10,42; 17,31; 3,21) und nur in der Hinwendung zu ihm kann das Heil gefunden werden (Apg 4,12). Trägt schon der Tod Jesu als Offenbarung und Vollzug äußerster Schuldverfallenheit des Menschen den Gedanken der Krisis in die Glaubensverkündigung ein, so bedeutet unter diesem Gesichtspunkt auch die Erhöhung des Erniedrigten Gottes Gericht über den Unglauben (212f). Nirgendwo geht es um die Verkündigung des Erhöhten gegen diejenigen, die ihn erniedrigt haben, sondern immer wird der Erniedrigte und Erhöhte als das neue Heilsangebot zugesprochen (Apg 2,37ff; 3,17; 10,42; 13,26). Jesu Erniedrigung und seine Erhöhung bilden in unlösbarer Einheit die Eröffnung des einen neuen Heilsweges und gehören bleibend zu seiner Verkündigung. Im Zielpunkt der Predigt steht das Jetzt der Umkehr (Apg 3,17), in der der verworfene und von Gott erhöhte Christus das Heil gewährt. Es geht nicht um Ausschluss vom Heil, sondern um dessen neue Eröffnung. Immer wieder steht die Gewährung einer neuen Möglichkeit der Umkehr und des Heilsempfangs im Vordergrund, die im Namen des Gekreuzigten und Auferweckten angeboten wird. Das Heil Jesu Christi ist nur aussagbar in der Erhöhung des Erniedrigten (213f). Für das Lk-Ev spielt die tägliche Kreuzesnachfolge eine besondere Rolle. Auch die Glaubenszeugen der Apg erfüllen ihren Sendungsauftrag nur in der Schicksalsgemeinschaft mit dem erniedrigten und verworfenen Jesus Christus (215). Die Verkündigung des Lukas für die Hörer, denen in Apg 28,28 die Soteria Gottes verheißen wird, besteht in seinem Doppelwerk von Evangelium und Apg. Es ist unmöglich, die Verkündigung des Erniedrigten von der des Erhöhten zu trennen. Der Glaube wird nicht zwischen Erniedrigung und Erhöhung gestellt, sondern ihm begegnet als der totus Christus immer der Erniedrigte und Erhöhte. Hinwendung zum Erhöhten ist zugleich der Glaube an den Erniedrigten (215). Nur die Erhöhung des erniedrigten Jesus Christus hat das Heil gebracht und führt zum Heil. „In seiner Erniedrigung wurde sein Strafgericht aufgehoben“ (Apg 8,33). Hier spricht sich die schon in Lk 1 - 2 verkündigte und in der Predigt Jesu fortgesetzte atl Heilserfahrung, dass Gott die Erniedrigten erhöht, in ihrer endgültigen soteriologischen Bedeutung aus. Das Schicksal Jesu offenbart die eschatologische Erfüllung seiner eigenen Lehre von der Erhöhung der Erniedrigten. In der Spannung von Leiden und Herrlichkeit, Erniedrigung und Erhöhung Jesu liegt die positive, glaubenseröffnende Verkündigung in der Vorstellung, dass gerade der verworfene und verleugnete Knecht von Gott erhöht worden ist und darin zum universalen Heil wird. Da dieses Heil in der Geschichte fortdauerndes Angebot ist, bleibt auch die Erniedrigung Jesu der immer neue Zugang zum Heil, das in der ständig neuen Verkündigung des Erniedrigten und Erhöhten zugesprochen und in der Glaubensnachfolge empfangen wird. Wie Gott im Schicksal des von ihm gesandten Christus geoffenbart hat, erhöht er ausschließlich die Erniedrigten. Hier geht die soteriologische Bedeutung des einmaligen Heilsweges Jesu in seine bleibende Heilsgegenwart über. Gott hat diesen Weg der Erhöhung aus der Erniedrigung im Schicksal Jesu zum alleinigen Heilsweg gemacht, auf dem der Mensch sich in der Glaubensnachfolge immer wieder aus seiner Erniedrigung in die Erhöhung mitnehmen lassen muss. Erlösung bedeutet für den Menschen das Mitgenommenwerden durch den, der voranging. Das Heil liegt immer im Mitgenommenwerden aus der Erniedrigung, ohne die keine Erhöhung denkbar ist (215f). Durch das ganze Lk-Ev wird die ständige Zuordnung von Hoheit und Niedrigkeit, von Erhöhung und Erniedrigung Jesu sichtbar und nur in dieser Zuordnung wird für Lukas sein Heilsweg aussagbar: Jesus wird als Christos-Kyrios-Soter (2,11) verkündet und ist doch nur als Neugeborener (2,12.16) vorzufinden. Er wird von Simeon als die Soteria Gottes bekannt (2,30) und anschließend als Zeichen vorausgesagt, dem widersprochen wird, das „zum Fall und zum Aufstehen vieler in Israel gesetzt ist“ (2,34). Er ist in der Kraft des Heiligen Geistes gezeugt (1,35) und wird als der eschatologische Träger des Geistes als Sohn Gottes proklamiert (3,21f) und hat doch einen Stammbaum, der bis auf Adam zurückgeführt wird (3,23-38) und ihn so allgemein der Menschheitsgeschichte einordnet. Er ist bleibend der Träger des Geistes (4,1.14) und wird menschlich versucht (4,2-13). Er ist der geistgesalbte Gottesknecht und Christus (4,18.34.41), wird zugleich aber verworfen (4,22ff; Apg 4,25ff), verwirklicht seine Sendung unter dem ständig wachsenden Widerstand der Gegner und muss als der Christus leiden (Lk 24,26.46; Apg 3,18; 17,3; 26,23). Seine messianische Heilssendung ist der Weg in die Erniedrigung des leidenden Gottesknechtes. Der erhöhte Christos-Kyrios ist er nur als der von Gott aus der Verwerfung und Erniedrigung Erhöhte. Entsprechend wird sein erlösendes Handeln als Erhöhung der Erniedrigten verdeutlicht, das den Menschen aus der Selbsterhöhung in die Selbsterniedrigung ruft, aus der Gott rettend erhöht. Die Heilsverkündigung kommt ständig sub contrario zur Sprache. Der Glaube an den erhöhten Kyrios ist für Lukas nur möglich im Bekenntnis zum erniedrigten Gottesknecht und in der Schicksalsgemeinschaft mit ihm (218). 4. Auferweckung und Aufnahme Jesu in den Himmel Die Erhöhung und Verherrlichung Jesu ist in Einheit mit seiner Auferstehung gesehen, die den endgültigen „Eingang des Christus in seine Doxa“ bedeutet (Lk 24,26). Dennoch ist für Lukas der Auferstandene noch nicht im vollen Sinne identisch mit dem erhöhten Kyrios (Lk 24,50-53 und Apg 1,6-11) (219). Der Hinweis auf Jesu Wiederkunft (Apg 1,11) hat eine zweifache theologische Bedeutung. Einmal wird dadurch die Gegenwart unter den Glauben der kommenden Parusie Christi gestellt. Der Auferstandene ist in den Himmel aufgenommen „bis zu der Zeit, in der alles wiedergebracht wird“ (Apg 3,21). Neben diesem eschatologischen Vorbehalt beinhaltet der Hinweis auf die Wiederkunft des Erhöhten auch eine wichtige christologische Hoheitsaussage. Er wird wiederkommen, „wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen“ (Apg 1,11). Hier werden zwischen gegenwärtiger Erhöhung und endzeitlicher Wiederkunft nur ein zeitliches Intervall und räumliche Ferne eingeschoben. Die Endherrlichkeit des zur Parusie kommenden Christus wird im wesentlichen gleichgesetzt mit der jetzigen Herrlichkeit des Erhöhten. Die Doxa des Erhöhten ist schon jetzt erfüllt, nur vor der Geschichte in der Entrückung verborgen. Diese Doxa ist wesentlich identisch mit der des Auferstandenen, die sich den Jüngern schon offenbart hat. Der Erhöhte bleibt auch in der entrückten Doxa Gottes in Identität mit dem Gekreuzigten und in seine Doxa eingegangenen Auferstandenen (220). In Apg 5,30f wird an die Verkündigung von Tod und Auferweckung Jesu eine eigene Erhöhungs- und Heilsaussage angeschlossen: „Diesen hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Soter, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben“. Wie Lk 2,11; Apg 3,15 und 13,23 zeigen, stehen die genannten Hoheitsprädikate umfassend über dem ganzen Heilsweg Jesu. Sie schließen die Erhöhung Jesu immer schon mit ein, ohne sie seinem Leben, Sterben und Auferstehen gegenüber besonders abzusetzen. In Apg 5,30f wird sichtbar, dass Lukas neben der Auferweckungsaussage auch das Erhöhungskerygma in einer feierlichen Formulierung zur Sprache bringt, ohne aber christologisch eine spezifische Bedeutung der Erhöhung gegenüber der Auferweckung zu akzentuieren (221). In der Christologie der personalen Identität zwischen dem irdischen Jesus,dem Auferstandenen und dem Erhöhten liegt ein wichtiger Schlüssel für das Verständnis der gesamten lkn Verkündigung. Besonders in der Apg fällt die völlige Verschmelzung des Jesus-Namens mit den Hoheitstiteln auf (1,21; 3,6; 4,10.30; 11,17; 28,31). Der irdische Jesus und der erhöhte Christos-Kyrios werden so selbstverständlich identifiziert, dass in Apg 8,35 Philippus einfach den Jesus verkündigt, in dessen Namen auch sonst die christliche Verkündigung ohne Hinzufügung eines Hoheitstitels ergehen kann (Apg 4,2.18; 5,40). „Ich bin Jesus“ Apg 9,5), „Ich bin Jesus von Nazareth“ (22,8). Eine Trennung zwischen Jesus und Christos-Kyrios ist für Lukas nicht vollziehbar. Denn es lässt sich weder sagen, wer Jesus von Nazareth war, ohne ihn zugleich auch als den von Gott gesalbten Christus und erhöhten Kyrios zu bekennen, noch lässt sich vom erhöhten Christos-Kyrios sprechen, ohne ihn aus der Identifikation mit dem irdischen Jesus zu verkündigen (222). Darin ist auch die theologische Einheit von Evangelium und Apg begründet, die über alle heilsgeschichtlichen Epochen hinweg im Evangelium schon den erhöhten Herrn und in der Apg noch den irdischen Jesus verkündigt. Das Evangelium will über alle zeitliche Distanz hinweg verdeutlichen, wer der erhöhte Herr der Kirche gegenwärtig ist, wie er das Heil gewährt und wie der Mensch sich ihm zuwenden kann. Die bleibenden Grundformen dafür liegen in der geschichtlichen Offenbarung seines Weges in die Erniedrigung und Erhöhung. Denn dieser Weg Jesu ist durch die bleibende Gegenwart dessen, der ihn gegangen ist, zur bleibenden Grundform der Versöhnung zwischen Gott und Mensch geworden. Wer der Kyrios Jesus Christus ist, lässt sich nur in der erzählenden Verkündigung seines Lebensweges aussagen. Dieser einmalige Weg ist umfassender Heilsweg, weil er ihn als der von Gott gesandte Christus gegangen ist und nun der Kirche ständig gegenwärtig bleibt. Die Ereignisse seines Heilsweges haben einmalig das Heil erwirkt und mögen als solche der heilsgeschichtlichen Vergangenheit angehören. Aber als Worte und Handlungen des fortwährend gegenwärtigen Christos Kyrios offenbaren sie bleibend gültig, wie er dem Menschen das Heil zuspricht. Die Gemeinschaft des irdischen Kyrios mit dem Menschen, seine Lehre, seine Worte der Berufung und Hinwendung zum Menschen können in einer Christologie der personalen Identität zugleich auch als Anspruch des erhöhten Kyrios in die immer neue Geschichte des Menschen hinein verkündigt werden. Darin liegt die theologische Möglichkeit und Notwendigkeit, in der Form des Evangeliums die damaligen Worte und Taten des irdischen Kyrios auch als Zuspruch des erhöhten Herrn in die Geschichte zu transformieren und weiterzugeben (222f). Am Ende der gesamten lkn Verkündigung (Apg 28,31) kommt nochmals die unlösliche Einheit von irdischem und erhöhtem Kyrios zum Ausdruck, die den gegenwärtigen Herrn der Kirche immer im Zusammenhang mit seinem Weg in der Geschichte sieht, wie es das Kerygma von Tod und Auferweckung und der ganze „erste Bericht“ (Apg 1,1) entfaltet haben. Die Apg will weiterführende Verkündigung der geschichtlich erfahrenen Gegenwart Jesu sein, die sich neu und anders manifestiert. Der Christos Kyrios, der sich immer im Zusammenhang mit seinem geschichtlichen Lebensweg offenbart, sagt sich nun auch in der Fortsetzung dieses Weges im Leben der Kirche aus. Mit der Verkündigung in Rom wird der Kyrios im Zentrum der Ökumene gegenwärtig. Auch hier bietet die Christologie der personalen Identität den entscheidenden Ansatz dafür, die Person Jesu Christi nicht nur von ihrem Weg in der Vergangenheit her auszusagen. Als der irdische und erhöhte Kyrios ist er auch der in seiner Doxa entrückte und noch verborgene. Die Kirche geht auf die endgültige Offenbarung seiner Doxa noch zu (Apg 1,11; 3,21) (224). 5. Beginn einer neuen Heilsepoche durch die Geistsendung Die Erhöhung steht nicht nur unter dem Gedanken der Kontinuität zwischen dem irdischen, auferstandenen und erhöhten Christus, sondern ist auch Beginn einer neuen Heilsepoche. Sie ist seine Erhöhung in die Macht Gottes, aus der er den verheißenen Geist sendet: „ die Verheißung des Vaters“ (Lk 24,49), die die Jünger als noch ausstehende „Kraft aus der Höhe“ erwarten sollen (Apg 1,4f.8). Die Pfingstpredigt des Petrus stellt 2,17-33 die Geistsendung als eschatologisches Ereignis heraus und spricht 2,33 ausdrücklich den Zusammenhang zwischen Erhöhung Jesu in die Macht Gottes und Sendung des Geistes aus. Der Geist ist Gabe des erhöhten Herrn und eröffnet die Zeit der apostolischen Heilsverkündigung. Sein Kommen ist die Geburtsstunde der Kirche (224). Besonders verbindet der Geist auch das Heilsgeschehen in Jesus und die Verkündigung der Kirche mit der Heilsverkündigung des AT. Der Geist als die „Kraft aus der Höhe“, die der Erhöhte vom Vater sendet (Lk 24,49; Apg 1,5.8; 2,33), wird schon Lk 1,35 als Kraft aus der Höhe genannt, in der die Empfängnis Jesu gewirkt wird und die das ganze Heilswirken Jesu ständig ermächtigt (Lk 3,21f; 4,1.14.18; Apg 10,38; vgl. Lk 4,36; 5,17; 6,19; 8,46). Am Anfang des Heilsgeschehens steht der Geist als die Kraft Gottes, in der die messianische Heilssendung Jesu erfüllt wird (Lk 1,32f) und die dieses Geschehen zugleich als Erfüllung der atl Propheterie sichtbar macht. Johannes wird den Geist empfangen 1,15. Er wird dem Herrn „vorausgehen im Geist und in der Kraft des Elia“ (1,17; 3,16). In Lk 1,67ff deutet Zacharias in seinem Lobgesang, vom Geist erfüllt, das mit der Geburt des Johannes beginnende Heilsgeschehen als Erfüllung des Heilshandelns des „Gottes Israels“. Der Geist treibt Simeon in den Tempel (2,25ff) und lässt ihn Jesus als das Heil der Völker verkünden (2,30ff). Auch Apg 4,24 ist der Geist die Macht, durch die Gott in der Prophetie des David das Leiden des „Gesalbten Gottes“ vorausverkündet hat. Der Geist erscheint als die Macht Gottes, die die Heilsereignisse des Lebens Jesu und der ersten Verkündigung der Apg in ihrem heilsgeschichtlichen Zusammenhang wirkt, interpretiert und verstehbar macht (Anm. 78). Der Glaube der Zuhörer und das „Wachsen des Wortes“ (Apg 6,7) sind die Frucht des geistbestimmten Auftretens der Zeugen. Die Zeit des Geistes ist dadurch charakterisiert, dass nicht nur wie im Evangelium Jesus als Träger des Geistes solche Zeichen wirkt (Apg 2,22;10,38), sondern auch die in der Geistsendung ermächtigten Glaubenszeugen (Apg 2,19) (226). Neben allen außergewöhnlichen Zeichen zielt die entscheidende Aussage der Apg darauf, die geistgewirkte Verkündigung des gekreuzigten und auferweckten Jesus Christus als das letztgültige Heilsereignis zu verdeutlichen. Die Rettung der Menschen liegt im Glauben an die von den Zeichen beglaubigte Verkündigung der Apostel. Für die Apg ist das entscheidende Heilsgeschehen in der geistgewirkten Proklamation des erniedrigten und erhöhten Kyrios Jesus Christus gegeben, der mit der Verkündigung seines Namens selber in der Geschichte gegenwärtig geglaubt wird und der dem Menschen in der Hinwendung zu seinem Namen das Heil schenkt (226). 6. Analyse der Pfingstpredigt des Petrus (Apg 2,14-40) Die Vv 2,14-21 deuten das Sprachenwunder als geistgewirktes Geschehen. Das ausführliche Zitat aus Joel hat die Aufgabe, das Kommen des Geistes und seine Auswirkung im Sprachenwunder zu interpretieren. Pfingsten ist Beginn der Geschichte der Kirche (227f). Lukas hat das Joelzitat über 2,18 hinaus verlängert, um es mit der Aussage enden zu lassen: „wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden“ (21). Im Kontext der ganzen Rede lässt sich dieser Vers als Zielaussage des Joelzitates als Übergang von der Interpretation des geistbegabten Sprechens zur umfassenden Heilsdeutung des Pfingstereignisses verstehen. Er hat eine programmatische Bedeutung für das folgende Kerygma (228). Die Vv 2,22-36 entfalten die Verkündigung von Leben, Tod und Auferweckung Jesu und greifen die Geistsendung durch den Erhöhten auf. Dieses Kerygma findet seinen Abschluss in der feierlichen Proklamation Jesu (36) als „Kyrios und Christos“ (228f). Die Vv 2,37-40 legen dar, wie der Mensch vom Kyrios das Heil erlangen wird. Erst hier geschieht die direkte soteriologische Aktualisierung der Proklamation des Kyrios. Die rettende Anrufung des Namens des Kyrios, von der das Joelzitat spricht, wird in 2,36-40 gleichsam schrittweise als gegenwärtige Erfüllung konkretisiert und aktualisiert. Zunächst proklamiert V 36 feierlich, wer der ist, von dem Joel das Heil verheißt. War dort ursprünglich Gott gemeint, so muss dies gegenwärtig auf den Kyrios Jesus interpretiert werden. Der allgemeinen Heilsmöglichkeit (21) entspricht der Aufruf an „das ganze Haus Israel“ (36) und die Hinwendung zu den Zuhörern „jeder von euch“ (38). Die bei Joel genannte Anrufung des Namens des Herrn hat ihre Entsprechung in der Umkehr und Taufe auf den Namen Jesu Christi (38), die die Vergebung der Sünden bedeutet. Davon abhängig ist der persönliche Empfang der Gabe des Geistes (40): „Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht“ (229). Mit dem Kerygma von Leben, Tod und Auferweckung Jesu (2,22-35) ist keine unmittelbare Heilsaussage verbunden. Zunächst zielt dieses Kerygma allein auf die Proklamation des Gekreuzigten und Auferweckten als Kyrios hin. Alle Heilsaussagen werden gleichsam nachträglich aus dem Verhältnis des Menschen in Umkehr und Taufe zum erhöhten Herrn abgeleitet. Die Soteriologie hängt für die Verkündigung der Pfingstpredigt des Petrus entscheidend an der Proklamation Jesu zum Kyrios, der den Menschen in der Hinwendung zu seinem Namen rettet. Sie hat ihren Haftpunkt am Herr-Sein Jesu (230). Das gleiche Joelzitat erscheint auch in Röm 10,13. Durch das Bekenntnis zum Kyrios Jesus wird man gerettet (10,9a). Es ist ein Bekenntnis zur Rettung (10b), weil der Herr alle reich macht, die ihn anrufen (12b). Hier wird eine Tradition sichtbar, die auf ein hohes Alter der Verbindung von Kyriologie und Soteriologie im rettenden Bekenntnis des Kyrios Jesus hinweist. Lukas ist nicht der erste, der das Herr-Sein Jesu mit der Heilsbedeutung für den verbindet, der diesen Herrn anruft (230f). 7. Das Heil im Namen des erhöhten Herrn Dem Kerygma von Tod und Auferweckung Jesu wird keine unmittelbare soteriologische Bedeutung zuerkannt. Weder das Kerygma vom Leiden und Tod noch das der Auferstehung und Erhöhung Jesu sagt einen direkt formulierten Heilszuspruch aus, sondern es hat seine Zielrichtung darin, Jesus als den von Gott erhöhten Herrn zu proklamieren. So wie schon in Lk 2,11 die Geburt des Soter unter die ausdrückliche Hoheitsprädikation „welcher ist Christus der Herr“ gestellt ist und wie das Evangelium dem irdischen Jesus verschiedentlich den Kyrios-Titel zuspricht, so hat die Verkündigung der Apg in besonderem Maße das Ziel darzulegen, dass Jesus von Nazareth der erhöhte Herr ist. Gleichsam in einem zweiten Schritt wird dann die eigentliche Heilsaussage an die Person des erhöhten Kyrios gebunden. Dabei bilden Proklamation des Kyrios und Heilszuspruch eine notwendige Einheit (231). Über die Proklamation des Auferstandenen als Kyrios und Christos in Apg 2,36 hinaus spricht Apg 3,13 von der Verherrlichung des überantworteten und verleugneten Knechts und verkündigt ihn als den von Gott erweckten Heiligen und Gerechten, den Fürsten des Lebens: „Der Gott unserer Väter hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt... , den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten ...“ (Apg 3,13-15). Wie die soteriologischen Hoheitstitel Fürst und Soter in 5,31 zeigen: „Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zum Fürsten und Heiland, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben“, steht auch hier nicht der Vorgang der Erhöhung im Vordergrund, sondern alles Gewicht liegt auf der Person des Erhöhten, von dem her das Heil verkündigt werden kann (232). Auch die Verteidigungsrede des Stephanus endet in Apg 7,55 mit der Vision, die den erhöhten Menschensohn als gegenwärtig zur Rechten Gottes stehend ausruft, und sein Martyrium endet mit der zweimaligen Anrufung des Kyrios Jesus (59f). In Apg 5,42f fasst Lukas summarisch die apostolische Predigt damit zusammen, dass die Apostel nicht aufhören „zu predigen das Evangelium von Jesus Christus“. Die Verkündigung zielt immer wieder darauf hin zu proklamieren, wer der gekreuzigte und auferweckte Jesus ist. Im Mittelpunkt steht überall die Person des Verkündigten. Der Gegenstand der Predigt ist immer der Kyrios. Das Wort des Herrn ist wie ein terminus technicus für die ganze christliche Botschaft (Apg 8,25; 13,48f; 15,35f; 16,32). Die Apg endet damit, dass Paulus „das von dem Herrn Jesus Christus lehrt“ (28,31). Entscheidend ist, dass es die Verkündigung des Herrn Jesus Christus ist, der mit dieser Botschaft gegenwärtig wird (232f). Die Proklamation Jesu als Kyrios wird von Lukas als Heilsverkündigung verstanden. Das Herr-Sein Jesu Christi bedeutet Heil und Rettung. Er ist zum Soter und Fürsten erhöht worden (Apg 5,31; 3,15). „Es ist in keinem andern das Heil, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apg 4,12). Ähnlich ist die Proklamation des Kyrios in 2,36 zugleich Verheißung für die gegenwärtige Generation der Juden und für alle, die Gott berufen hat (2,39). Sie leitet unmittelbar über in die Verkündigung der Umkehr und Sündenvergebung (2,38) und in den Ruf, sich retten zu lassen (2,40) (233). Der Name des Herrn (4,12) repräsentiert seine Gegenwart in der Geschichte. Eine ähnliche Identifikation von erhöhtem Herrn und seinem Namen liegt auch in Apg 9,14.16 vor: „hier hat er (Paulus) Vollmacht vom Oberpriester, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen“ (14). „Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen“ (16). Wenn Paulus den Namen des Herrn vor Heiden und Könige tragen muss, so soll darin der Kyrios dort selbst gegenwärtig werden (9,15). Wenn in 19,17 der Name des Kyrios Jesus gepriesen werden soll, so ist das wiederum Umschreibung für den Kyrios selber. Vor allem auch die Wunderzeichen im Namen Jesu (Apg 3,6.16; 4,7.10.30; 16,18) deuten auf die machtvolle Gegenwart des Kyrios in seinem Namen hin (234). „Es heilt dich Jesus Christus“ (9,34). Mit diesen Worten wird das gleiche ausgesagt wie sonst mit den Heilungen im Namen Jesu Christi. Von dieser Stelle aus gesehen wird der Name Jesu geradezu als präsentia Christi gefasst (Anm. 97). Dem Namen werden die verschiedensten Hoheitstitel zugeordnet. Alle diese Beziehungen sprechen vom erhöhten Herrn, in und durch dessen Namen das Heil zugewendet wird. Die Hoheitstitel sind variabel, konstant ist nur die Vermittlung der Heil gewährenden Hoheit Christi durch seinen Namen. Konstant bleibt in der Bindung des Heils an den Namen des Erhöhten die Verkündigung seiner darin vermittelten personalen Gegenwart. Das Heil ist an die Person Jesu gebunden und in ihm begründet (234f). Bei der Vermittlung des Heils durch den Namen des Kyrios geht es um ein Handeln im Zusammenhang mit der Ermächtigung durch den irdischen Jesus und der Verheißung und Sendung des Auferstandenen. Durch die in seinem Namen bevollmächtigte Sendung vergegenwärtigt der Erhöhte sich selbst in der Geschichte. Die lkn Namens-Theologie könnte auf die palästinensische Gemeinde zurückgehen (Anm. 99). Der Glaube in der Apg bezieht sich nicht auf die Einzelereignisse des Leidens, Sterbens, Auferstehens oder der Erhöhung Jesu. Der Glaube ist Antwort auf die Predigt von Tod und Auferweckung Jesu. Es geht immer um den Glauben an Gott bzw. an den erhöhten Jesus Christus und die Hinwendung zu ihm. Glaube ist ausschließlich als personales Bezugsverhältnis gefasst. Man bekehrt sich nicht zu einer Lehre, sondern zu einer Person (236). Das Heil des Menschen liegt darin, dass er sich dem Kyrios zuwendet und im gläubigen Bekenntnis unter seine Herrschaft tritt. In Apg 26,16ff gibt der erhöhte Herr als Grund seiner Erscheinung vor Paulus an, dass er ihn sende, „um ihnen (den Menschen) die Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott. So werden sie Vergebung der Sünden empfangen und das Erbteil samt denen, die geheiligt sind durch den Glauben an mich“ (18). Lk 10,18 verkündigt den Sieg Jesu über den Satan. Lk 13,10ff und Apg 10,38 interpretieren das heilende Wirken Jesu als Befreiung des Menschen aus der Gewalt des Satans. Jesus erweist sich als Herr über die versklavende Macht des Teufels. In Lk 4,1ff und mehr noch in der Versuchung der Passion und des Sterbens überwindet Jesus auch die in Schuld und Unglaube geschichtlich vermittelte Gewalt des Satans, was durch seine Auferweckung und Erhöhung zum Kyrios endgültige Erfüllung findet. Dennoch bleibt der Mensch in der Geschichte noch dem Angriff des Teufels ausgesetzt (Lk 22,31). Der Teufel hat die Herrschaft über diejenigen, die in ihren Sünden leben und sich nicht im Glauben dem Herrn öffnen (Lk 8,4-15; Apg 5,3; 13,10). Die Verkündigung will erreichen (Apg 26,18), dass dem Menschen im Glauben die Augen geöffnet werden und er aus dem Herrschaftsbereich des Teufels in den Gottes übergeht. Das Heil ist in einem Herrschaftswechsel für den Menschen gesehen. Durch den Glauben an den erhöhten Herrn wird der Mensch der Macht des Satans entrissen. Glaube und Umkehr haben als unmittelbare Korrelation das Herr-Sein Jesu, der sich darin als Herr des Heils offenbart (237). Lukas bezeichnet die Christen als diejenigen, die den Namen des Herrn anrufen (Apg 9,14.16.21): „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ (Apg 2,21). Darin liegt eine Zusammenschau von Kyriologie, Homologie und Soteriologie. Wesen und Heil des christlichen Glaubens sind darin begründet, dass die Geschichte in der Auferweckung und Erhöhung Jesu ihren eigentlichen Herrn erhalten hat und der Mensch sich im gläubigen Bekenntnis seines Namens diesem Herrn überantwortet. Das Martyrium des Stephanus (Apg 7,59) wird mit den Worten umschrieben: „und sie steinigten Stephanus; der rief den Herrn an und sprach: Herr Jesus nimm meinen Geist auf!“. Anrufen drückt hier Bekenntnis und Heilserwartung aus. In der bekennenden Anrufung des Kyrios Jesus spricht sich unmittelbar die Erwartung des Heils aus (237f). Es ist bezeichnend, dass die in Apg 2,21; 7,59; 9,14.16; 22,16 verwendeten Formulierungen bezüglich der Anrufung des Namens des Herrn auch in Röm 10,9-13; 1Kor 1,2 und 2Tim 2,22 stehen und sich als traditionelle soteriologische Klauseln erweisen (238f). Alle Aussagen zielen immer wieder auf die Proklamation des Kyrios Jesus vor Kirche und Welt hin. In dieser Proklamation wird zugleich immer das Heil zugesprochen, weil sich in ihr der Mensch gläubig bekennend dem Kyrios übergibt (240). Glöckner, Richard, Die Verkündigung des Heils beim Evangelisten Lukas, 1975 (referiert in wörtl. Anlehnung) Rese, Martin, Die Aussagen über Jesu Tod und Auferstehung in der Apg – Ältestes Kerygma oder lkn Theologumena? in: NTS 30, 1984 Weiser, Alfons, Die Theologie des Lk-Ev und der Apg, in: ders. Theologie des NT II,1993 |