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Judenchristliche Gemeinschaftsmahlzeiten und paulinisches Herrenmahl
I. Judenchristliche Gemeinschaftsmahlzeiten
Gemeinsames Kultmahl für Judenchristen und Heidenchristen? 1. Zwei Mahltypen 2. Zwei Traditionsstränge 3. Die gemeinsamen Mahlzeiten 4. Die Mahle Jesu und das Abendmahl der Kirche II. Paulinisches Herrenmahl Das Osterereignis als Grund der Abendmahlsfeier 1. Zur 1. Arnoldshainer These 2. 'Das' ntl Zeugnis vom Abendmahl gibt es nicht 3. Probleme der Abendmahlsforschung 4. Die Begründung der Eucharistie im nachösterlichen Offenbarungsgeschehen 5. Kein Abendmahl in Joh 6 6. Anhang III. Ursprung und Gestalten der frühen Mahlfeier 1. Fortschreitende Christologisierung der Kultmahlkonzeption 2. Drei unterschiedliche Mahltypen nebeneinander um 100 n. Chr. 3. Exkurs: Sekundäre Bildung von Jesuslogien im Ich-Stil 4. Unverzichtbare Elemente frühchristlicher Mahlfeiern 5. Ergebnis
I. Judenchristliche Gemeinschaftsmahlzeiten
H. Lietzmann unterscheidet zwei Mahltypen, den jerusalemitischen, der in der Apg bezeugt ist und charakterisiert wird durch die Betonung der Tischgemeinschaft und die jubelnde Freude über die Gegenwart des Auferstandenen und den pln, der durch hellinistische Opfervorstellungen geprägt ist. In Antiochien essen die Jakobusleute und die pln Heidenchristen aus rituellen Gründen nicht miteinander (Gal 2,11ff). Die einen feiern das jerusalemische 'Brotbrechen' (Apg 2,42.46). Sie setzen die Mahlgemeinschaft mit Jesus fort. Sie feiern diese Mahle als wirkliche Tischgemeinschaft mit ihm, dem Auferstandenen, deshalb mit 'Jubel'. Die anderen feiern das pln Herrenmahl. Das Herrenmahl war zunächst ein Sättigungsmahl. Für E. Käsemann steht neben- und gegeneinander ein Verständnis des Abendmahls als Vorwegnahme des Mahls der Seligen in der Gottesherrschaft und ein anderes Verständnis als Vorwegnahme der im Kreuz Jesu erfolgenden göttlichen Heilsordnung, die inhaltlich als Sündenvergebung zu beschreiben ist. Im ersten Fall ist der Tod Jesu das Tor für das zentrale Ereignis der hereinbrechenden Gottesherrschaft; im zweiten ist er selber das zentrale Ereignis, das noch einen eschatologischen Fortgang finden mag (1Kor 11,26: „bis er kommt“). Beide Traditionen können nicht von Anfang an nebeneinander gestanden haben. Das aber bedeutet, dass die zweite in der veränderten Situation der Urchristenheit ihre begründende Ursache findet. Diese veränderte Situation kann nur die Situation nach Karfreitag und Ostern sein. An die Stelle des letzten irdischen Mahls , das das bevorstehende himmlische vorwegnahm, tritt nun das im kirchlichen Kult immer neu wiederholte, das unter symbolischen Zeichen die Realität der neuen Gottesordnung in Jesu Kreuz ergreift (72f). Eduard Schweizer: »Die verschiedene Traditionsgeschichte des in sich geschlossenen ‘eschatologischen Ausblicks’ einerseits und des ebenfalls in sich geschlossenen Einsetzungsberichtes andererseits wie die john Darstellung, die den Einsetzungsbericht nicht kennt, bleiben unerklärlich, wenn beides auf Jesus selbst zurückgehen sollte. Wäre die Einsetzung mit den Deuteworten historisch, dann ließe sich die Entstehung eines in sich geschlossenen Mahlberichtes, der nur den eschatologischen Ausblick und den Hinweis auf Jesu Dienen erhalten hätte, kaum denken. So ist damit zu rechnen, dass Jesus selbst nur ein letztes Mahl mit seinen Jüngern gehalten hat, bei dem er sie auf sein Dienen verwies und ihnen die Tischgemeinschaft in der kommenden Königsherrschaft Gottes in Aussicht stellte... Der neue Bund ist nirgends anders begründet gewesen als im Dienen Jesu, auf das er seine Jünger hinwies und das er am kommenden Morgen vollends erfüllte« (Schw A 16f). "Jeremias rekonstruiert, methodisch völlig richtig, die alte Passionsgeschichte in der Weise, dass er ausscheidet, was bei Joh keine Parallele hat. Könnte es darum nicht sein, dass zur alten Passionserzählung wie bei Joh gar keine Herrenmahlseinsetzung gehörte, sondern nur ein Bericht von einem letzten Mahl Jesu mit seinen Jüngern bei dem Jesus hingewiesen hätte auf die eschtalogische Erfüllung ihrer Gemeinschaft? Genau dies entspräche dem john Aufbau. Von einem letzten Mahl und der dabei erfolgten Bezeichnung des Verräters berichtet ja auch er. Joh böte dann mit dem Fehlen eines Einsetzungsberichtes alte palästinensische Tradition. Die Urform, die in der palästinensischen Gemeinde tradiert wurde, wäre dann ein Hinweis Jesu auf seinen bevorstehenden Tod - nicht einmal das Passa wird er mit ihnen essen - und auf die eschtalogische Vollendung - er wird es aber in der Herrlichkeit des Gottesreiches mit ihnen essen und dabei den Festtrunk trinken" (Schw H 584f). Nach Theissen/Merz war Jesu Abschiedsmahl mit seinen Jüngern ein normales Gemeinschaftsmahl, das im Urchristentum mit einer hochtheologischen Deutung verbunden wurde (Th. 366). Johannes der Täufer und Jesus waren keine Kultstifter, die bewußt eine neue Tradition gründen wollten. Beide erwarteten die nahe Verwandlung der Welt und das Ende aller Traditionen (Th 384). Wenn der historische Jesus das Abendmahl eingesetzt hätte, dann gäbe es ein eindeutiges Datum für dieses erste Abendmahl, z.B. den Rüsttag vor dem Passa. Die Gemeinde hätte von Anfang an an diesem Tag Abendmahl gefeiert. R. Bultmann fragt: Hat das hellenistische Christentum das sakramentale Mahl der Kommunio selbst geschaffen, oder ist es – analog wie die Mysteriendeutung der Taufe – die Interpretation eines überlieferten Brauches, nämlich der aus der Urgemeinde stammenden Gemeinschaftsmahle? Es wäre verständlich, wenn jene Mahlzeiten, die nicht eigentlich kultische Feiern, sondern Ausdruck der Gemeinschaft im Sinne der Tradition des Judentums und des geschichtlichen Jesus selbst waren, im hellenistischen Christentum zu sakramentalen Feiern umgestaltet worden wären. Das mag als das wahrscheinlichste gelten. Aus der Did scheint hervorzugehen, dass auch im hellenistischen Christentum mancherwärts jene Gemeinschaftsmahlzeiten weitergefeiert wurden, ohne zum sakramentalen Herrenmahl weitergebildet zu werden. Aus Did 9 und 10 ergibt sich das Bild einer Mahlfeier ganz im Sinne der jüdischen Tradition, in der jeder Bezug auf den Tod Jesu fehlt und von sakramentaler Kommunio keine Rede ist. Die Worte von 10,6 sind als die Überleitung zur sakramentalen Eucharistie zu verstehen. Es ist klar, dass zwei Feiern von ganz verschiedener Art sekundär kombiniert worden sind. Die in Kp 9 und 10 vorausgesetzte Feier hat dann also zunächst für sich existiert, und von ihr hätte das Herrenmahl überhaupt erst den Titel Eucharistie übernommen, der als Bezeichnung des Herrenmahls verwunderlich ist (B.153). W. Marxsen (1955): Für Bultmann steht fest, dass das letzte Mahl Jesu nachträglich die Legitimation liefern musste für den irgendwo entstandenen Brauch. Das geschah durch die legendäre Zurückdatierung des Herrenmahls auf das letzte Mahl. D.h. das Abendmahl ist eindeutig ein Werk der frühen kirchlichen Tradition (40). Ein anderer Erklärungstypus rechnet mit einem Abschiedsmahl Jesu als Ausgangspunkt des Abendmahls. Gekennzeichnet ist dieser Typus durch die Verwendung eines tertium comparationis für die Erklärung der Deuteworte (41). Das tertium comparationis liegt beim Brot in der Tatsache, dass es zerbrochen ist, beim Wein in der roten Farbe. Der Sinn dieser Worte ist der: 'Ich muss den Opfertod sterben'. Was für eine Bedeutung soll die Wiederholung einer solchen voraus deutenden Handlung haben? Welchen Sinn kann sie noch haben, wenn Jesu Worte Gleichnis und Belehrung sind, ein Kommendes deuten wollen, nachdem dieses Kommende nun eingetreten ist (42)? Eine Gleichnishandlung Jesu bedeutet nicht die Einsetzung der Wiederholung dieser Handlung. Ebensowenig kann das Abschiedsmahl mit einem solchen Doppelgleichnis die Einsetzung eine Folge von Mahlen bedeuten. Wieso will man unmittelbar aus dem Abschiedsmahl das Abendmahl herleiten? Diese Exegese muss den Wiederholungsbefehl ausscheiden, weil in ihr der Wiederholungsgedanke keinen Platz hat. Die Stiftungsabsicht fehlt. Aber erst diese macht das Abschiedsmahl zum Abendmahl (42f). Während Bultmann ein 'realistisches' Abendmahlsverständnis vertritt, das nach seiner Meinung ein Werk der kirchlichen Tradition ist, bestreitet der zweite Typus diesen Ursprung für das Abendmahl. Er führt es auf Jesus selbst zurück, exegisiert jedoch mit der Kategorie des Gleichnisses, hat es darum nicht mit dem Abendmahl, sondern mit dem Abschiedsmahl zu tun. Beide Typen stellen das Recht des kirchlichen Abendmahls in Frage, Bultmann historisch, der andere Typus exegetisch. Fehlt bei Bultmann das 'und', das das Heilsgeschehen in Christus mit dem ersten Abendmahl verbindet, so fehlt hier das 'und' das das letzte Mahl Jesu mit dem Abendmahl der Kirche verbindet (M 42f).
3. Die gemeinsamen Mahlzeiten
„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (Apg 2,42). „Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeit mit Freude und lauterem Herzen“ (Apg 2,46). Weil die ältesten Judenchristen an dem reichen Kultus ihres Volkes teilnahmen, hat es in der ersten Zeit an einem eigenen, liturgisch ausgestattetem und regelmäßigem Kultus noch gefehlt. Der Keim eines solchen liegt weder im Tempelkult noch im Synagogengottesdienst, sondern in den häuslichen Zusammenkünften beim Mahl (40). Man fand sich in verschiedenen Häusern zusammen. Ein solches Haus war z.B. das der Maria (12,12), wo eine größere Anzahl sich versammeln konnte. Die häuslichen Zusammenkünfte waren in erster Linie gemeinsame Mahlzeiten. Darunter ist zunächst die gewöhnliche tägliche Mahlzeit zu verstehen. („sie genossen die Speise“), die wohl meistens abends gehalten wurde. Die 'Brüder' finden sich dabei zusammen. Es ist eine Vereinigung der Jünger Jesu als solcher. Damit ist sie kein alltägliches Mahl mehr, sondern hat einen idealen Charakter. Es drückt sich darin der gemeinsame Besitz an religiösen und ethischen Überzeugungen aus. Es heißt nicht 'das Brot essen', was nur eine einfache Umschreibung der Mahlzeiten wäre, sondern „das Brot brechen“, womit die ganze Zusammenkunft nach einer dabei vorkommenden Handlung benannt wird. Die Jünger (Lk 24,30f.35) erkennen den Herrn „an dem Brechen des Brotes“ (41). Nach dem Tod Jesu wurden die Jünger bei den Mahlzeiten sich ihrer idealen Zusammengehörigkeit und dessen, was sie an Jesus gehabt hatten und noch hatten, besonders deutlich bewusst. Ein Zeichen davon ist, dass man diese ausdrucksvolle Handlung, wie man sie oft von Jesus gesehen hatte, mit vollem Bewusstsein wiederholte und damit in lebhafter, plastischer Weise die Erinnerung an ihn zum Ausdruck brachte. Wie sehr sich diese Sitte bei den alten Christen eingebürgert hatte, sehen wir in Apg 20,7.11, wo Paulus während des Schiffbruchs die ermattete heidnische Besatzung ermahnt, Speise zu sich zu nehmen und selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Selbst hier, in überwiegend heidnischer Umgebung, unterlässt er nicht das Brotbrechen. Es ist offenbar für einen Christen geradeso wie das Tischgebet ein unerlässlicher Teil der Mahlzeit; darum wird es auch immer mit ihm zusammen erwähnt: „er nahm Brot, sprach das Dankgebet zu Gott vor allen, brach es und begann zu essen“, so auch bei den Speisungen (Mk 6,41; 8,6; Joh 6,11) und den Emmaus-Jüngern (Lk 24,30), wo von einer Abendmahlsfeier nicht die Rede sein kann. Daher kommt es auch, dass die christlichen Gemeinschaftsmahle gelegentlich Eucharistie (Dank) genannt wurden. Wenn man die Mahlzeiten 'Dankgebet' oder 'Brotbrechen' nannte, so hob man damit hervor, dass es Mahlzeiten waren, bei denen man sich als Jünger Jesu zusammenfand. Ein Christ, der bei Juden zu Gast war, wird die dort genossene Mahlzeit nicht 'Brotbrechen' genannt haben (42). In dieser Benennung wird nur das Brot erwähnt, vom Wein ist keine Rede, obwohl bei den jüdischen Sabbatmahlzeiten der Wein häufig vorkommt, und die Mahlzeit mit einem Gebet zum Becher beginnt. Wenn Jesus mit seinen Jüngern speiste, wird häufig kein Wein zur Stelle gewesen sein (z.B. bei den Speisungen). Auch die Urgemeinde hat ihre Mahlzeiten häufig ohne Wein abgehalten, nicht weil sie abstinent wäre, sondern weil sie arm war, und weil es sich um regelmäßige, nicht besonders festliche Veranstaltungen handelte. Wir müssen daraus schließen, dass bei den Mahlzeiten der Wein nichts Wesentliches gewesen ist. Das Brot und das Brotbrechen sind die Substanz der Mahlzeit. Das wäre unmöglich, wenn diese Mahlzeiten bereits Abendmahlsfeiern im Sinne des Paulus (1Kor 11) gewesen wären, bei denen der Parallelismus Brot - Wein = Leib – Blut Christi der Feier ihren Rhythmus gegeben hat. Wir haben hier eine ältere Form der Mahlfeier vor uns, bei der des vergossenen Blutes Jesu nicht gedacht wurde, jedenfalls war dies kein unerlässlicher Teil der Mahlzeit (42f). In den Schilderungen der Apg deutet nichts darauf hin, dass bei diesen Mahlzeiten gerade der Tod Jesu im Mittelpunkt der Gedanken und Stimmungen gestanden hätte. Wenn es Apg 2,46 heißt: „sie brachen das Brot und genossen die Speise, mit Frohlocken und Herzenseinfalt Gott preisend“, so kam bei diesem Mahle mehr der allgemeine Dank für Gottes Wohltaten und die Freude über das gewisse Heil (und die Freude über die Gegenwart des Auferstandenen) zum Ausdruck, als der Gedanke an den Tod Jesu. Die Jünger hatten in dem Tod Jesu noch nicht die Heilstat ihres Herrn erkannt. Sie glaubten vielmehr trotz des Todes an ihn. So ist es vollends unwahrscheinlich, dass sie beim Brotbrechen „den Tod des Herrn verkündigt hätten“. Dazu kommt, dass die ältesten Abendmahlsgebete in der Lehre der Zwölf Apostel den Tod Jesu überhaupt nicht erwähnen. Selbst noch die Feier in Korinth (1Kor 11) hätte kaum in so weltlicher und fröhlicher Weise ausarten können, wenn die Gemeinde sich bewusst gewesen wäre, dass sie dabei den Tod des Herrn verkündigen sollte – erst Paulus führt ihr dies zu Gemüte (43) (s.a. Jud 12: „Sie sind Schandflecken bei euren Liebesmahlen“; 2Ptr 2,13: „wenn sie mit euch prassen“) Die 'Passionsstimmung' fehlt in dem Mahlbericht des Lukas, den Weiß für den ältesten hält, und zwar in seiner älteren, kürzeren Form (Lk 22,16-19a ohne V.19b.20). Er beginnt nach jüdischer Sitte mit dem Becher. Jesus spricht nur ein Wort des Abschieds und der Hoffnung dazu: „Nehmt diesen und verteilt ihn unter euch. Denn ich sage euch: Ich werde fortan nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, ehe das Reich Gottes gekommen ist“. Dann geht es weiter (V.19a): „Und er nahm Brot, hielt das Dankgebet, brach es und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib“. In diesen Worten ist auf seinen bevorstehenden Tod nicht angespielt (43f). Bald sind mystische und symbolische Gedanken und Stimmungen hinzugekommen. Der unscheinbarste, aber wichtigste Zuwachs ist der, dass der Kelch gleich schwerwiegend neben das gebrochene Brot trat. Der Augenblick, in dem man bei dem roten Wein zum ersten Mal an das Blut Christi dachte, ist in jeder Weise bedeutsam. Denn nun wirkte das auch auf das Brot zurück, das nunmehr eine Darstellung des getöteten Leibes wurde. Nicht nur dass damit die Feiernden auf die Betrachtung des Todes Christi gelenkt wurden, es war unvermeidlich, dass mehr und mehr auch Brot und Wein nicht mehr als gewöhnliche Nahrungsmittel betrachtet wurden, sondern als geistliche, als übernatürliche Speise und Trank, deren Genuss eine wunderbare Wirkung hat. Die heilige Scheu vor den 'Elementen' finden wir schon bei Paulus ausgebildet: „Wer dieses Brot isst oder den Kelch trinkt unwürdig“, d.h. in profaner Stimmung, ohne das Brot als „den Leib zu unterscheiden, der macht sich schuldig eines Frevels an Leib und Blut des Herrn“ (1Kor 11,27). Dabei ist vorausgesetzt, dass Brot und Wein in irgendeiner wunderbaren Weise den Leib und das Blut Jesu nicht nur darstellen, sondern enthalten (44f). In der Schrift 'Die Lehre der Zwölf Apostel' besitzen wir Mahlsgebete, die sehr alt sind und aus einem judenchristlichen Gemeindekreis stammen. Das ergibt sich daraus, dass sie sich an jüdische Gebetsformeln anschließen, dem Tode Christi als solchem keine besondere Aufmerksamkeit schenken und den Becher zwar erwähnen, aber ihn nicht auf das Brot folgen lassen (nach dem Rhythmus: Leib und Blut), sondern ihn voranstellen, wie in dem Bericht bei Lukas. Diese Gebete zeigen einen Typus, der noch nicht von pln Lehre beeinflusst ist und den ältesten Stimmungen noch sehr nahe steht (45). Die Gebete lauten:
1. Zum Becher
2. Zum 'gebrochenen Brot'
Eine andere Gebetsformel
Für die 'Gebote' ist die durch Jesus kundgegebene 'Erkenntnis' des Heils eingesetzt – ein Gebet von Schülern Jesu, die von ihm den Weg zum Heil kennengelernt haben.
Ein Gebet um die Sammlung der Diaspora
Entsprechend die Fortsetzung des christlichen Brotgebets
Darin hat das Gebet ältesten Klang, dass es um die Vereinigung der Christen in dem noch nicht erschienenen „Reich Gottes“ bittet.
3.
Nach der Mahlzeit
Du, allgewaltiger Herrscher, hast alles erschaffen um deines Namens willen. Speise und Trank hast du den Menschen gegeben zum Genuss, dass sie dir danken; uns aber hast du geistliche Speise und Trank und ewiges Leben gegeben durch deinen Knecht. Vor allem danken wir dir, Herr, dass du mächtig bist. Dir sei Ehre in Ewigkeit! Gedenke, Herr, deiner Gemeinde, sie zu erretten von allem Bösen und zu vollenden in deiner Liebe, und bringe sie zusammen von den vier Winden, die Geheiligte, in dein Reich, das du ihr bereitet hast. Denn dein ist die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Die Gebete geben uns eine Anleitung, wie wir uns die ältesten christlichen Gebete beim Brotbrechen vorzustellen haben (46f). Wie man das Mahl später Eucharistie = Dank nennt, so hat man es auch Agape = Liebe genannt. Die gemeinsamen Mahlzeiten waren, wie das Passamahl der Juden nicht nur Kultmahle, Äußerungen des Jesus-Kultus, sondern vor allem auch Ausdruck der Gemeinschaft der Brüder untereinander. Nicht nur die gemeinsame Erinnerung sondern vor allem im Sinne Jesu die Liebe zueinander, durch den gemeinsamen religiösen Besitz vertieft, kam hierbei zum Bewusstsein und zur Darstellung, und zwar z.T. in sehr praktischer Weise, indem die Armen unter den Brüdern bei dieser Gelegenheit auf Kosten der Wohlhabenderen mit verpflegt wurden (47). 4. Die Mahle Jesu und das Abendmahl der Kirche W. Marxsen (1976): Die Eigentümlichkeit hebräischen Zeit-Erlebens Im Hebräischen fehlt ein Präsens, es gibt auch keine echten Tempora. Das Hebräische sieht lediglich auf den Vorgang und sagt aus, ob der in der Vergangenheit (oder jetzt) abgeschlossen wurde oder ob er noch unabgeschlossen ist. Im ersten Fall wird das so genannte Perfekt benutzt, im anderen Fall das Imperfekt. Andere Zeitformen gibt es nicht (65). Wir würden die Feste Israels falsch verstehen, wenn wir von einer Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, an die großen Taten Jahwes, an die Bewahrung Israels sprechen würden. Diese Heilsereignisse wurden ‘erinnert’, dh. die zeitliche Distanz wurde sozusagen aufgehoben und man gedachte nicht isoliert jener vergangenen Ereignisse als vergangener, sondern erlebte sie mit: “In jeder Generation ist man verpflichtet, sich so anzusehen, als ob man selbst aus Ägypten ausgezogen wäre” (66). Der Repräsentation korrespondiert eine Antizipation, denn die Feste, die man feiert, sind zugleich endzeitliche Feste. Diese Bezogenheit auf die Zukunft kommt in den Worten aus der Passah-Liturgie zum Ausdruck: “Dieses Jahr hier, das nächste Jahr im Lande Israel; dieses Jahr Knechte, das nächste Jahr Freigelassene”. Das Passahfest war ein Hochfest messianischer Erwartung. Ähnliches kann man vom Laubhütten-Fest sagen (67). Die Endzeit konnte vorgestellt werden als Mahl am Tische Jahwes. Jedes jüdische Mahl trug kultischen Charakter. Man aß vor Gott, vor dem Gott, der mit den Vätern den Bund geschlossen hatte und dessen Reich man entgegenging. Das Mahl ‘erinnert’ Jahwes vergangene und zukünftige Heilsgegenwart. Wenn Jesus Zöllner und Sünder an seinen Tisch lud, stellte er diese Menschen neu in den Bund mit Gott hinein und gab ihnen jetzt schon Anteil am kommenden Reich Gottes. Jesus bietet die Gottesgemeinschaft an, ohne Bedingungen daran zu knüpfen, die erst erfüllt werden müssten (= Rechtfertigung des Sünders ohne des Gesetzes Werke) (67). Das festliche Mahl begann im jüdischen Bereich mit Brotbrechen. Dabei wurde das Tischgebet gesprochen. Dann folgte die Hauptmahlzeit. Am Schluss kreiste der so genannte Segensbecher, über dem das Dankgebet gesprochen wurde. Eine überlieferte Danksagung lautet: “Wir danken dir, Jahwe unser Gott, dass du unseren Vätern das liebwerte gute und weite Land als Erbteil gegeben hast, dass du uns aus dem Land Ägypten herausgeführt und uns aus dem Knechtshause erlöst hast...”. Hier wird Vergangenheit ‘erinnert’. Es gibt auch ‘Erinnerung’ der Zukunft z.B.: “Der Barmherzige, er würdige uns der Tage des Messias und des Lebens der zukünftigen Welt...”. Diese Gebete kann man nicht so verstehen, dass sie zum Denken an die Vergangenheit und an die Zukunft aufrufen wollen, sondern hier wird das gegenwärtige Mahl mit der Heilsvergangenheit verknüpft; und die Heilszukunft kommt den Mahlteilnehmern entgegen. Die zu Tische Liegenden sind die zum Bunde Gehörenden (68f). W. Marxen (1963): Das Mahl, das Jesus auf Erden mit den Seinen hält, wird als eschatologisches Mahl verstanden (20). Jedes jüdische Mahl ist schon durch die dabei gesprochenen Gebete am Anfang und am Schluss ein ‘kultisches’ Mahl. Das hängt damit zusammen, dass die Vollendung im Reich Gottes oft als Mahlgemeinschaft gedacht wird. Dieser Eindruck von den Mahlen, die Jesus gehalten hat, entsprechen dem Eindruck, den die Zeugen vom Tun und Reden Jesu hatten: In der Begegnung mit Jesus kommen Menschen zum Glauben. In der Begegnung mit Jesus (im Verhalten der Menschen zu ihm) entscheidet sich jetzt schon das eschatologische Urteil beim Gericht. In der Begegnung mit Jesus (bei der Mahlgemeinschaft) wird die Vollendung vorweggenommen. Im Essen und Trinken mit Jesus erfahren die Teilnehmer eine Gemeinschaft, die sie als Vorwegereignung der eschatologischen Gemeinschaft aussagen (20). Nach Ostern feierte die Gemeinde die Mahle Jesu weiter. Sie feierte diese Male in den Häusern (Apg 12,12; 2,42) als vollständige Mahlzeit. Christlichen Gottesdienst gab es noch nicht, aber es gab christliche Gemeinde. Als christliche Gemeinde konnte sie im Tempel nicht zusammenkommen. Man kam beim gemeinsamen Mahl zusammen. Mit diesen Mahlen wurde die Jesus-Tradition fortgesetzt. Man weiß Jesus seit Ostern als den Lebendigen, man weiß ihn bei diesen Mahlen dabei. Beim Mahl ereignet sich die christliche Gemeinde als eschatologische Gemeinde (21).
III. Paulinisches Herrenmahl
Ist das Heilige Abendmahl durch den historischen Jesus selber eingesetzt worden? Geht der sog. Wiederholungsbefehl: ‘Solches tut zu meinem Gedächtnis’ auf Jesus selber zurück? In den von der Kommission für das Abendmahlsgespräch der EKD 1957 auf Grund zehnjähriger Vorarbeiten gemeinsam formulierten und einmütig angenommenen Sätzen wird gesagt, was Theologen lutherischen, reformierten und unierten Bekenntnisses innerhalb der EKD, bestimmt durch den Ertrag der neueren exegetischen Arbeit am NT, heute auf die Fragen nach Wesen, Gabe und Empfang des Heiligen Abendmahls gemeinsam antworten können (Ni 15). F. Delekat: So wie die Dinge liegen, wird die historisch-kritische Untersuchung der Texte weitergehen müssen. Ich kann die Problematik der historisch-kritischen Exegese nicht einfach außer Acht lassen und in der Lehre vom Heiligen Abendmahl bei unserer konfessionellen Tradition anknüpfen. Unser Verhältnis zur Schrift hat sich geändert. Weder Luther noch Calvin haben an der Historizität der in den Synoptikern berichteten Einsetzung des Heiligen Abendmahls durch Jesus selbst gezweifelt. Die damaligen Meinungsverschiedenheiten entstanden nicht an der Zuverlässigkeit, sondern an der Deutung des Schriftwortes. Das Sinnproblem schwebt in der Luft, solange das Tatsachenproblem nicht gelöst ist (389). Es ist der Einfluss des historischen Denkens auf unseren heutigen Wirklichkeitsbegriff, der uns, wie mir scheint, eine Rückkehr zum antiken und mittelalterlichen Symbolrealismus unmöglich macht. Heute geht es primär um Tatsachenfragen und erst dann um die Sinnfrage. Wer das nicht sieht, redet an der Situation vorbei(De 394). A. Peters: Gegenüber der Kontroverse des 16. Jh.s ist ein neues Problem aufgebrochen: die exegetische Unsicherheit im Hinblick auf die Stiftung des Abendmahls durch Jesus. Die naive historische Ansicht, dass unser Herr vor seinem Sterben im letzten Mahle am Gründonnerstagabend das Abendmahl in der Weise, wie wir es feiern, eingesetzt habe, ist vielen Exegeten unter den Händen zerronnen. Die damit unausweichlich gewordene Frage nach dem Verhältnis zwischen einer Einsicht in einen geschichtlichen Tatbestand und einer dogmatischen Aussage wurde zurückgestellt, wollte man das Gespräch nicht zum Scheitern verurteilen. Indem ich in einem Bekenntnis die historische Frage nach der Stiftung des Sakramentes bewusst umgehe, habe ich die Möglichkeit eines derartigen Ausklammerns in das Dogma aufgenommen. Die Arnoldshainer Thesen wagen es nicht, das Abendmahl klar auf eine Stiftung des an das Kreuz gehenden Herrn zu gründen (183f). In der Formulierung der These 1.1 ist diese Not so verdeckt, dass sie nur ein sehr kritischer Leser enthüllen wird. Dort heißt es: ‘Das Abendmahl, das wir feiern, gründet in der Stiftung und im Befehl Jesu Christi, des für uns in den Tod gegebenen und auferstandenen Herrn’. Wie ist das zu verstehen? Schließt dieser Stiftungsbefehl die verba testamenti ein? Hat Jesus sie nicht gesagt in der Nacht, da er verraten ward? Wann wurden sie zuerst laut? Sprach sie der Auferstandene, oder der Geist durch den Mund eines urchristlichen Propheten? Wie entgehen wir der Gefahr, dass die Urkirche nach ihrer Willkür ein Sakrament schuf (184f)? Umgehe ich die Frage nach der Faktizität der Stiftung, so rächt sich dies durch eine innere Unsicherheit, wenn ich das Sakrament in seinem Gehalt beschreiben soll. Wie kann ich, ohne die exegetische Position, dass Jesu letztes Mahl in der Nacht des Verrats nicht unser Abendmahl begründet, preiszugeben, eine dogmatische Lehre vom Altarsakrament entfalten (185)? Eduard Schweizer glaubt, zwei unterschiedliche Traditionsstränge herausheben zu können, den eschatologischer Ausblick und die Einsetzungsberichte. Nach ihm war Jesu letztes Mahl charakterisiert durch dessen symbolhaften Tischdienst und das Verheißen der Tischgemeinschaft im kommenden Gottesreich. Der Einsetzungsbericht mit den Deuteworten sei dagegen erst eine nachpfingstliche Ausgestaltung (185f). Eine Gruppe der Kommissionsmitglieder kann mit ehrlichen Gewissen nur sagen: Wenn wir auf Jesus von Nazareth zurückgehen wollen, so können wir nur anknüpfen an die Mahlfeiern, die er mit seinen Jüngern gehalten hat, und sie verbinden mit der Verheißung des Auferstandenen, dass er bei seiner Kirche bleiben werde. Wir stützen uns auf die allgemeinen Verheißungen und spezifizieren sie nur auf die Mahlgemeinschaft (Pe 186).
2. 'Das' ntl Zeugnis vom Abendmahl gibt es nicht
Das Abendmahl hat eine Entwicklung durchlaufen, deren Anfang man im NT verfolgen kann. “Ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, in der er dahingegeben ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib (soma) für euch. Dies tut zu mein Gedächtnis. Desgleichen nahm er den Kelch nach der Mahlzeit und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund auf Grund meines Blutes. Dies tut, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis” (1 Kor 11, 23-25). Ursprünglich wurde das Abendmahl im Rahmen einer Mahlzeit gefeiert, d.h. beide Abendmahlshandlungen lagen nicht nebeneinander (10). Vom Essen ist in der Formel nicht die Rede. Es ist auch nicht gesagt, dass das Brot gegeben wird: die Essensterminologie und die Distributionsterminologie fehlen. Weil beim Kelchwort kein Element gedeutet wird, ist es beim Brotwort auch nicht der Fall (11f). “Der Kelch der Danksagung, den wir segnen (nicht dessen Inhalt wir trinken), ist er nicht die Teilhabe am Blute d.h. am Opfertode Christi? - Das Brot, das wir brechen (nicht das wir essen), ist das nicht die Teilhabe am Leibe (soma) Christi? Denn ein Brot, ein Leib sind wir viele, denn wir alle haben teil an einem Brote” (1 Kor 10,16f). Angesichts der Missstände in Korinth kommt es Paulus darauf an, die Einheit der Gemeinde herauszustellen. Paulus demonstriert sie an der Einheit des Brotes. Es geht um eine Teilhabe, die sich in der Teilnahme an der Mahlgemeinschaft ereignet. Interpretiert wird der Kelch, den wir segnen d.h. über dem wir das Dankgebet sprechen; das Brot, das wir brechen d.h. über dem wir das Dankgebet sprechen. Denn beim Brechen des Brotes geschieht die Danksagung. Das entspricht jüdischer Sitte. ‘Brot brechen’ ist ein feststehender Begriff für: das Dankgebet sprechen (12f). Beim Mahl konstituiert sich die Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft wird bezeichnet als der neue Bund bzw. als der Leib Christi. Beides ist dasselbe, einmal jüdisch, das andere Mal hellenistisch ausgedrückt. Beim Brotbrechen und beim Segnen des Kelches haben wir es mit den ohnehin schon ‘liturgischen’ Stellen dieser Gesamtmahlzeit zu tun. Während einer vollständigen Mahlzeit wird an diesen beiden Stellen interpretierend ausgesagt: Die feiernde, betende, danksagende Gemeinde ist der Leib Christi, die als solche den neuen Bund aktualisiert (13). Die Missstände in Korinth 1Kor 11,21f: Wenn die Gemeinde zusammenkommt, fängt sie sofort mit dem Essen an. Die zu spät Kommenden finden dann Leute vor, die schon betrunken sind. Die Korinther mögen gemeint haben, das sei nicht schlimm, da den zu spät Kommenden nichts entginge, weil sie immerhin noch am ‘Abendmahl’ teilnähmen. Paulus sagt, dass das, was dann noch gefeiert wird, überhaupt kein Herrenmahl mehr sei. Die Missstände konnten erst dadurch entstehen, dass die kultische Feier ans Ende der Mahlzeit gerückt war (13). “Ihr könnt nicht zugleich den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen, ihr könnt nicht zugleich am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir den Herrn herausfordern? Sind wir stärker als er” (1Kor 10,21f)? Hier und in 11,26f spricht Paulus vom Essen und Trinken. Es ist jedoch nicht so, dass Paulus damit die Speise als solche qualifiziert, sondern es geht um die ‘Teilhabe’, die sich beim Essen ereignet (14): Am Kreuz hat das Neue begonnen - und so führt man diese Feier der Gemeinde auf den Kreuzigungstag zurück. Wenn Jesus damals eine zu wiederholende Feier, also einen Kultus, eingesetzt hätte, dann wäre das Abendmahl nicht nur gefeiert worden, sondern man hätte auch um den Ursprung gewusst (17). Jesus kam es auf die Vorwegnahme der Zukunft an, dass sich jetzt Zukunft ereignet. An der Zukunft als solcher war er nicht interessiert. Wir finden keine Hinweise dafür, dass Jesus an eine Institutionalisierung seiner Vorwegnahme der Zukunft gedacht hat. Das Problem einer zukünftigen Kirche lag jenseits der Erwägungen Jesu (17). An den beiden Stellen, Brotbrechen und Segensbecher, kennt die palästinensische Gemeinde Interpretationen des Mahles und der Mahlgemeinschaft. An diese beiden Stellen schließt sich bei der Fortsetzung der Mahle Jesu die neue Interpretation an. Beim Vollzug des Gesamtmahles wird interpretierend ausgesagt: Die feiernde Gemeinde ist der Leib Christi, sie ist der neue Bund (22). Die Gemeinde versteht sich als eschatologische Gemeinde auf Grund bzw. kraft des Blutes Christi, kraft des als Sühneopfer verstandenen Kreuzestodes (22). Bei Mk findet eine Verschiebung der Schwerpunkte statt: Die Leibvorstellung geht über auf das Brot, das gebrochen wird, entsprechend wird der Kelchinhalt mit dem Blut Christi in Beziehung gesetzt. Leib und Blut (der ganze Mensch) gehören nun mit Brot und Wein zusammen. Die ‘Elemente’ treten in Erscheinung. Die Gegenwart des Kyrios wird an diese Speise gebunden. Dann ist die Mahlzeit; die ursprünglich als Mahl des neuen Bundes im Mittelpunkt stand, ihrer Bedeutung beraubt, sie kann wegfallen. Die Essensterminologie, die früher fehlte, tritt nun in die Formel ein (22f). Die Weiterreflexion geschieht im hellenistischen Raum. Nach hellenistischem Denken ist die Mitteilung des ‘Göttlichen’ an Menschen immer stofflich gedacht bzw. vorgestellt. Geist ist nach hellenistischer Vorstellung feinste Stofflichkeit. Der Jude denkt insofern geschichtlich, als das Eschaton für ihn durch Repräsentation und durch Vorwegnahme gegenwärtige Wirklichkeit wird (23). Paulus polemisiert dagegen, dass bei den Korinthern der Gemeinschaftscharakter, das, was für das ursprüngliche Abendmahl das Wesentliche war, verlorengeht. Aber dieses ursprüngliche Abendmahl konnten die Korinther gar nicht feiern, weil das Mahl an sich für sie ein gesellschaftliches, aber kein kultisches Ereignis war. Das Kultische war für sie als die verkürzte Mahlfeier ans Ende gerutscht. So war das Abendmahl nur noch ein verkürzter liturgischer Akt. Hier beginnt die für das Abendmahl so folgenschwere Auseinandersetzung zwischen jüdischem und hellenistischem Denken (24). Das langsame Heraustreten der Betonung der Elemente ist hellenistische Interpretation des ursprünglichen palästinensischen Mahles. Das Essen heiliger Speisen ist nicht die Sache, um die es geht, sondern das ist bereits Interpretation der Sache. Das Problem - heilige Speise oder nicht? - war im ursprünglichen Abendmahl keineswegs angelegt. Der Streit zwischen Lutheranern und Reformierten ist an Interpetamenten, nicht aber an der Sache selbst orientiert (24f). Dadurch, dass das Mahl weggefallen ist, tritt der Charakter des Abendmahls als Mahl der eschatologischen Gemeinde immer stärker zurück. Die Speise wird ein Heilmittel zur Unsterblichkeit bzw. ein Gegengift gegen das Sterben. Sie enthält Kräfte der jenseitigen Welt. Nun wird aus der eschatologischen Gemeinde die Kultgemeinde (26). Jede Stufe der Entwicklung des Abendmahls bildet einen weiteren Abzug von der vorhergehenden. Am Anfang steht das Mahl als eschatologisches Ereignis. Dieses Mahl wird an zwei Punkten interpretiert. Dann werden diese beiden Punkte aus der Gesamtmahlzeit herausgenommen. Die Interpretation geht weiter, bezieht sich aber auf das, was gerade an diesen beiden Punkten geschieht: Brot- und Weingenuß. Schließlich werden wirklich Brot und Wein interpretiert; und diese Interpretation wird christologisch ausgebaut (27). Am Anfang ging es um die Gegenwart des durch den Kyrios ereigneten Eschatons in der Gemeinde. Dieses Moment des ‘eschatologischen Existierens’, das gerade im Miteinander der Glieder beim gemeinsamen Mahl zum Ausdruck kam, ist verloren gegangen. Keineswegs hat Jesus das Abendmahl, das wir heute in Wittenberg, Rom oder Genf feiern, eingesetzt (28). Das Abendmahl hat eine Entwicklung durchlaufen. “Das” ntl Zeugnis vom Abendmahl gibt es nicht. Die verschiedenen Abendmahle lassen sich nicht harmonisieren, weil man verschiedene Stufen einer Entwicklung nicht harmonisieren kann (29). Das NT ist die älteste (erhaltene) Geschichte der christlichen Verkündigung. Diese Verkündigung spiegelt bereits eine dogmengeschichtliche Entwicklung (29). W. Marxen (1976): Der Ursprung des Abendmahls wurde (zurück)-datiert (auf Jesu Abschiedsmahl). Hier ist etwas Ähnliches geschehen, wie beim entstehen der jüdischen Feste: Ursprüngliche Naturfeste wurden auf das Handeln Jahwes mit seinem Volk bezogen. Dieses Heilshandeln wollte man ’erinnern’ (70). Die Urgemeinde, die in ihrem Abendmahl zunächst die Mahle des irdischen Jesus ‘erinnerte’, verknüpfte es später mit der Passion Jesu, weil sie im Kreuz das entscheidende Versöhnungshandeln Gottes sah (70). Die Umgestaltung des Abendmahls (die Speise wird als Leib und Blut Christi genossen) hängt mit griechisch-hellenistischen Vorstellungen zusammen. Ein Grieche konnte die Vermittlung des Heils nicht geschichtlich, sondern nur stofflich, d.h. durch die Speise denken und erfahren. Wenn man im griechischen Raum das Abendmahl feiert, dann kommt Christus in der heiligen Speise, im Brot und Wein, zu den Seinen. Die Mitteilung des ‘Göttlichen’ an Menschen ist hier immer stofflich gedacht. Selbst ‘Geist’ ist nach hellenistischer Vorstellung feinste Stofflichkeit. Ohne Übersetzung hätte man im griechischen Raum das Abendmahl überhaupt nicht feiern können (Ma 71).
3. Probleme der Abendmahlsforschung
Trinken des ‘Blutes’ für Juden zumutbar? “Esset das Fleisch nicht mit seinem Blut, in dem sein Leben ist” (1Mose 9,4)! “Wer vom Haus Israel irgendwelches Blut ißt, gegen den will ich mein Antlitz kehren und will ihn aus seinem Volk ausrotten. Keiner unter euch soll Blut essen, denn des Leibes Leben ist in seinem Blut. Wer es ißt, der wird ausgerottet werden” (3 Mose 17,10-14). “Achte darauf, dass du das Blut nicht ißt; denn das Blut ist das Leben. Du sollst das Blut auf die Erde gießen wie Wasser und sollst es nicht essen, auf dass dir’s wohlgehe und deinen Kindern nach dir, weil du getan hast, was recht ist vor dem Herrn” (5 Mose 12, 16.23-25; 15,23). “Du (Herr) hast die früheren Bewohner deines heiligen Landes gehasst, weil sie erbarmungslose Kindermörder waren und beim Opfermahl Menschenfleisch und Menschenblut verzehrten” (Wsh 12,5). In dem Bild des Menschenfleisch-Essens und des Menschenblut-Trinkens kommt letzte Furchtbarkeit zum Ausdruck: in einer Vision des Hesekiel (Hes 39,17ff) werden die Vögel und die Landtiere aufgefordert, das Fleisch der Starken zu fressen und das Blut der Fürsten zu saufen, um das Land zu reinigen.: “Ich sah die Frau, (die große Hure Babylon), betrunken von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu” (Offb 17,6). Das Meiden von Blut wurde selbst Heidenchristen auferlegt: Apg 15,20.29; 21,25. Paulus gebraucht den Ausdruck ‘Blut Christi’ immer zur Kennzeichnung des heilbringenden Sterbens Christi und interpretiert somit das gemeinsame Trinken des gesegneten Kelches als Anteilerhalten am Heilstod Christi und seiner Wirkung. Ganz entsprechend bezeichnet ‘Leib Christi’ für Paulus immer die Gemeinde des Auferstandenen. In 1Kor 10,17 wird sogar ausdrücklich gesagt, dass dem gemeinsamen Essen des eines Brotes die gemeinsame Zugehörigkeit zum Leibe Christi entspricht. Insofern der Kelch den heilswirksamen Tod Christi repräsentiert, kann er durchaus mit dem ‘neuen Bund’ identifiziert werden, der eben in Jesu blutigem Kreuzestod gründet. Hierbei ist deutlich kein (symbolischer) Blutgenuß vorausgesetzt. Bei Mk hingegen finden wir keine der pln Sinngebung entsprechende Deutung, die ausschlösse, die eindeutige Formulierung “dies ist mein Bundesblut” auf das zu vergießende (bzw. vergossene) Blut Jesu Christi zu beziehen. Dieses Gefälle von der Beachtung des jüdischen Nein zum Blutgenuß in 1Kor 11,25 zur Nicht (-mehr) -Beachtung in Mk 14,24 spricht somit eindeutig gegen das höhere Alter dieser Fassung, erst recht natürlich gegen ihre Herkunft von Jesus. Wenn das Zeichen des Weines die Funktion des Blutes Jesu übernahm, stellte sich das besagte Problem. Der Einwand mit dem jüdischen Horror vor Blutgenuß war so lange gültig, als es Judenchristen gab (200). Bezugnahme auf Jes 53? 1 Ptr 2, 21-25 ausgenommen, geht es nirgends um den Gedanken der stellvertretenden Sühne, folglich ist auch eine Rückführung dieser Interpretation auf Jesus ausgeschlossen. Der Gedanke der stellvertretenden Sühne und der Rückgriff auf die Gottesknechtslieder haben erst relativ spät Einfluss auf ntl Texte bekommen (201). Gedanke der stellvertretenden Sühne im aramäisch-sprechenden Judentum geläufig? Die Vorstellung des stellvertretenden Sühnetodes (nur auf Israel bezogen) findet sich erst im hellenistischen Judentum in der Mitte des 1. Jh.s n. Chr. Von den theologischen Differenzen zwischen den beiden ‘Judentümern’, den ‘Hebräern’ und den ‘Hellenisten’, zeugt die Umdeutung von Jes 53 in der aramäischen Paraphrase, während die aus dem hellenistischen Judentum stammende LXX (Septuaginta) den Gedanken der stellvertretenden Sühne weitergegeben hat. Solche Differenzen sind auch noch in der Urkirche wirksam (Apg 6,1) (203). Wir können davon ausgehen, dass die Sühnevorstellung z.Z. Jesu und der Urkirche erst und nur im hellenistischen Judentum vorhanden war, wo sie zur Sinndeutung Jesu Kreuzestodes herangezogen werden konnte; dagegen war sie im aramäisch-sprechenden Judentum, d.h. im theologischen Umfeld des irdischen Jesus und seiner Jünger, nicht präsent (204). Todesgewißheit Jesu? Bei der Behauptung, Jesus habe sein Sterben als heilsnotwendig erachtet, läge es nahe, dass er sich den (jüdischen und römischen) Behörden gestellt hätte. Statt dessen wurde er von einem seiner engsten Vertrauten verraten. Es drängt sich die Vermutung auf, dass sich Jesus am Ölberg aufhielt, um sich verborgen zu halten. Die zum Paschafest angereisten Pilgerscharen kamen nicht alle innerhalb der Stadtmauern unter, so dass man auch den Westhang des Ölbergs zum Stadtgebiet erklärt hatte. Hier war es relativ leicht, unterzutauchen (204). Vereinbarkeit der Basileia-Botschaft Jesu mit der Erwartung des heilsmittlerischen Sterbens? Jesu Basileia-Botschaft lässt sich mit einer Erwartung eines heilsmittlerischen Todes nicht vereinbaren. Jesus hat vielmehr bis zuletzt an der von ihm verkündigten Heilsbotschaft festgehalten. Die Interpretamente in den Abendmahlsüberlieferungen -”(Neuer) Bund”, stellvertretende Sühne - setzen die Ostererfahrung voraus (205). Die Erwartung, das Heil werde ‘durch Jesu Tod’ (als Mittel) geschenkt werden, hätte einen massiven Rückschritt hinter das der Hebräischen Bibel vertraute Wissen um das souveräne heilschaffende Handeln Gottes bedeutet, dessen Vergebung auf keinen Tod, auch nicht auf den des ‘Re-Präsentanten’ seiner Basileia, angewiesen ist. Solange der Gott Jesu kein anderer ist als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, hat man für das Verständnis, das Jesus (und seine Jünger) dem ihm drohenden Tod entgegenbringen konnte(n), die Tatsache zu würdigen, dass diesem Gott die (Selbst-) Preisgabe menschlichen Lebens in den Tod unzumutbar ist. Hier heiligt kein noch so edler Zweck das Mittel. (In der sog. ‘Opferung Isaaks’ hat Gott den Tod des Kindes gerade verhindert). Die Tatsache, dass das NT soteriologische Entwürfe bewahrt, die nicht auf Jesu Heilstod abheben, unterstreicht die über den Karfreitag hinaus bestehenden Vorbehalte gegen ein heilsmittlerisches Todesverständnis. Den Grund für derartige Vorbehalte bietet letztlich das biblische Gottesbild (211). Der Lösungsvorschlag, der die Differenz zwischen Jesu Basileia-Botschaft und jeder Deutung seines Todes als Heilsereignis ernst nimmt, geht allein von Mk 14,25 aus. Nur so kann die Verschiedenheit soteriologischer Konzeptionen im NT als legitim angesehen werden, darunter eben auch solche, die Jesu Tod keine (eigene) Heilsbedeutung zusprechen, wie Phil 2,6-11, die Logienquelle oder Lk/Apg (213). Als historischen Kern bewahrt Mk 14,25 Jesu persönliche feste Zuversicht, an der kommenden Gottesherrschaft teilzunehmen, wie immer sein weiterer Lebensweg verlaufen werde - und sei es in die Dunkelheit des Todes hinein. So hat Jesus an Gott festgehalten (214f). Für den Gedanken stellvertretender Sühne handelt es sich um post eventa angestellte Reflexionen, in denen es darum ging, für Ereignisse eine Sinngebung von Gott her zu finden, die gerade gläubigen Israeliten zu schaffen machen mußten. In eben dieser Situation standen die Jünger Jesu, die nach Ostern seine Passion verkündeten. Die Erfahrung des Auferweckten, der somit trotz seines schrecklichen Todes von Gott endgültig bestätigt worden war, gab ihnen die Möglichkeit und das Recht, nach Gottes Absichten gerade mit diesem Tod zu fragen. So bildete man einerseits Bekenntnisformeln zum Tode Jesu “für uns (ere Sünden)”, andererseits ließ man Jesus selbst den Heilssinn seines Sterbens (in unterschiedlichen Ausformungen) aussprechen; dafür bot das letzte Beisammensein mit seinen Jüngern den besten Anlass (Fi 215). Zur nachösterlichen Entwicklung Im nachösterlichen (Neu-) Ansatz heißt es nicht, dass Jesus als Auferweckter an diesem Festmahl teilnimmt, sondern dass er als ‘der Herr’ die Seinen zu Tische lädt, entsprechend dem Wandel, der sich von der vorösterlichen Hoffnung auf die endgültige Verwirklichung der von Jesus bereits in Wort und Tat gegenwärtig gesetzten Gottesherrschaft zum Glauben an den Erhöhten vollzogen hatte. Es heißt jetzt symptomatisch ‘Tisch des Herrn’ (1Kor 10,21) und ‘Herrenmahl’ (1Kor 1,20) (217f). Die übliche abendliche Mahlzeit mit dem ‘täglichen Brot’ wird den Rahmen abgegeben haben. Das Herrenmahl ist zunächst Sättigungsmahl. Das wachsende Eucharistieverständnis ist ein eingeordnetes Moment der nachösterlichen Explikation des Christus-Ereignisses. Die Ablösung der Eucharistie vom jüdischen Mahl war Folge der Trennung von Kirche und Synagoge und zugleich auch Folge der Einbeziehung griechischen Denkens in christliche Theologie und Frömmigkeit (Fi 218f). Becker, Jürgen, Das Evangelium nach Johannes, 31991 Berger, Klaus, Im Anfang war Johannes, 32004 Bolyki, Janos, Jesu Tischgemeinschaften, 1998, 140 Bultmann, Rudolf, Theologie des NT, 91984 Delekat, Friedrich, Methodenkritische und dogmatische Probleme angesichts der gegenwärtigen Exegese der ntl Abendmahlstexte, in: EvTh 1952/53 (referiert in wörtl. Anlehnung) Fiedler, Peter, Probleme der Abendmahlsforschung, in: Archiv für Liturgiewissenschaft, 1982 Jorissen, Hans, Die Begründung der Eucharistie im nachösterlichen Offenbarungsgeschehen, in: Freispruch und Freiheit, H.-G. Geyer (Hg) 1973 (206-228 referiert in wörtl. Anlehnung) Käsemann, Ernst, Das Abendmahl im NT, in: Abendmahlsgemeinschaft, 1937 Kollmann, Bernd, Ursprung und Gestalten der frühen Mahlfeier, 1990 (referiert in wörtl. Anlehnung) Lietzmann, Hans, Messe und Herrenmahl, 1926, 252 Luther, Martin, De captiv. Babylonica, 1520, in: WA 6,502, übers. in: Ausgewählte Werke, Borcherdt (Hg) Bd 2, 31948
Marxsen, Willi, Das Abendmahl als christologisches Problem, 1963 (referiert in wörtl. Anlehnung)
Niemeier, G., Zur Lehre vom heiligen Abendmahl. Bericht über das Abendmahlsgespräch der EKD 1947-1957 und Erläuterungen seines Ergebnisses, 31958 Peters, Albrecht, Zur Kritik an den Abendmahlsthesen von Arnoldshain, in: Neue Z.f.Syst.Theol, 1960 (referiert in wörtl. Anlehnung) Schlatter, Adolf, Erläuterungen zum NT, 41928, 115f
Schweizer, Eduard, Art. Abendmahl im NT,
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Strathmann, Hermann, Das Evangelium nach Johannes, NTD 4, 91959, 125 Theissen, Gerd/Merz, Annette, Der historische Jesus: ein Lehrbuch, 1996 Weiß, Johannes, Das Urchristentum, 1917 |